Unser Leben mit Hund

Tierärztin: Welche Impfungen Hunde brauchen

Dr. Kristin Breithardt betreibt eine Tierarztpraxis in Ohligs. Sie spürt den Haustierboom infolge der Corona-Pandemie. Zeitweise konnte sie keine neuen Patienten zur Behandlung mehr aufnehmen. Foto:
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Dr. Kristin Breithardt betreibt eine Tierarztpraxis in Ohligs. Sie spürt den Haustierboom infolge der Corona-Pandemie. Zeitweise konnte sie keine neuen Patienten zur Behandlung mehr aufnehmen.

In der ST-Serie berichten wir über das Leben mit Hund. Heute erklärt die Ohligser Tierärztin Dr. Kristin Breithardt, welche Impfungen für Vierbeiner wichtig sind.

Von Anja Kriskofski

Solingen. Dass sich in der Corona-Krise mehr Solinger ein Haustier zugelegt haben, merkt auch die Ohligser Tierärztin Dr. Kristin Breithardt: „Wie andere Kollegen haben wir kurzfristig einen Aufnahmestopp verhängt, weil wir nicht mehr geschafft haben.“ Dieser sei in ihrer Praxis aber wieder aufgehoben. Neue Halter klärt die Veterinärin auf. Wichtig seien Impfungen gegen Infektionskrankheiten, die Hunde sich zuziehen können. Weil es inzwischen viele unseriöse Züchter gebe, sieht die Tierärztin auch mehr Hunde mit gesundheitlichen Problemen: „Diese haben dann Herzerkrankungen oder orthopädische Probleme.“

„Impfungen sind frühestens im Alter von acht Wochen möglich“, erklärt Breithardt, die sich auch in der Tierärztekammer Nordrhein engagiert. Drei bis vier Wochen später erfolge dann die Zweitimpfung sowie eine Auffrischung nach einem Jahr. Je nach Impfstoff müssen Impfungen im Abstand von ein bis drei Jahren wiederholt werden.

Zwei Infektionskrankheiten, die vor allem bei jungen Hunden auftreten, seien die Staupe und die Parvovirose. Die Staupe ist eine hochansteckende, oft tödlich verlaufende Viruserkrankung. Für Welpen und nicht ausreichend geimpfte Tiere kann auch die Parvovirose tödlich sein, die durch im Kot enthaltene Viren auf Nasen- und Mundschleimhäute übertragen wird. Von der Ständigen Impfkommission Veterinärmedizin werde auch immer noch die Impfung gegen Hepatitis contagiosa canis empfohlen, so Breithardt: „Die habe ich in meiner Praxis noch nicht gesehen, aber die Erreger können bis zu 50 Jahre im Boden überleben.“

Zu den empfohlenen Immunisierungen zähle auch die gegen die Canine infektiöse Tracheobronchitis (CIRD): „Das ist eine reine Hundegrippe, die früher als Zwingerhusten bekannt war.“ Bei der leicht über Tröpfcheninfektion übertragbaren Krankheit komme es auch zu Fieber: „Es treten regelmäßig Seuchenzüge auf.“

Gefährlich und auch auf den Menschen übertragbar sei die Leptospirose, die von spiralförmigen Bakterien ausgelöst wird, erklärt die Tierärztin: „Unbehandelt verläuft sie tödlich.“ Besonders gefährlich sei bei dieser Zoonose, also einer Krankheit, die sowohl Tier als auch Mensch befallen kann, eine Übertragung für Schwangere. „Man darf nicht mit dem Urin erkrankter Tiere in Berührung kommen.“

Unser Leben mit Hund: Tollwutimpfung ist für Auslandsreisen nötig

Die meisten Hundehalter ließen ihre Vierbeiner auch gegen Tollwut impfen, die oft mit der zweiten Impfung ab der zwölften Lebenswoche verbunden werde: „Für Reisen ins Ausland ist diese Impfung notwendig.“ Hunde aus dem Ausland dürfen wiederum nur nach Deutschland eingeführt werden, wenn sie gegen Tollwut immunisiert sind.

Hundehalter können ihre Vierbeiner auch gegen Borreliose schützen lassen. „Das sollte man aber nicht ohne Blutuntersuchung machen.“ So könnten vorhandene Antikörper nachgewiesen werden.

Doch es gibt auch Hundekrankheiten, gegen die keine Impfung möglich ist. Ein großes Problem seien gerade in Solingen Giardien, erklärt Breithardt: „Das ist hier ganz extrem, und Sie können sich nicht davor schützen.“ Die Darmparasiten nehmen Hunde über das Schnüffeln an Hundekot auf. Sie verursachen Durchfall und sind auf den Menschen übertragbar. „Patienten, deren Immunsystem supprimiert ist, können richtig schwer erkranken.“ Festgestellt werde ein Befall beim Hund über Kotuntersuchungen. „Wir testen sehr viel auf Giardien, und im Schnitt ist jede zweite Kotuntersuchung positiv.“ Mit mehreren Kuren mit einem Antiparasitikum werde versucht, den Befall eines Vierbeiners zu drücken.

Generell rät Kristin Breithardt, Hunde drei bis vier Mal im Jahr zu entwurmen. „Bei Jagdhunden monatlich.“

Die Serie

In der Tageblatt-Serie „Unser Leben mit Hund“ berichtet ST-Redakteurin Anja Kriskofski in der kommenden Woche vom ersten Besuch im Hundesalon mit ihrer Mittelschnauzerhündin Mascha. Deren rauhaariges Fell muss nämlich regelmäßig getrimmt werden. Alle bisher erschienenen Artikel der Serie sind online zum Nachlesen abrufbar.

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