Solingen wird neuer Standort

Telenotarzt schaltet sich in Solingen digital zu

Der Mediziner Jan Hoffmann von der Feuerwehr ist Leiter des Solinger Rettungsdienstes.
+
Der Mediziner Jan Hoffmann von der Feuerwehr ist Leiter des Solinger Rettungsdienstes.

Jan Hoffmann, Leiter des Rettungsdienstes, freut sich über medizinische Unterstützung für das bestehende System.

Von Simone Theyßen-Speich

Solingen. Neben dem klassischen Notarzt-System baut das Land NRW derzeit ein Telenotarztsystem auf. Die Stadt Solingen wird im Verbund mit Wuppertal, Remscheid, Leverkusen sowie dem Kreis Mettmann und dem Ennepe-Ruhr-Kreis einer der neuen Telenotarzt-Standorte. Der Mediziner Jan Hoffmann ist Leiter des Solinger Rettungsdienstes und bei der Feuerwehr nicht nur für die Notarzt-Koordination, sondern auch für Rettungsmittel, Ausbildung, die Notfallsanitäter-Schule und die Koordination mit den Kliniken verantwortlich.

Was bedeutet es, wenn Solingen an das Telenotarzt-System angeschlossen ist?

Solingen wurde im Verbund mit den anderen Städten und Kreisen als Telenotarzt-Standort anerkannt. „Damit erfüllen die Gebietskörperschaften zusammen die Kriterien, die das NRW-Gesundheitsministerium vorgegeben hat“, erklärt Jan Hoffmann. „So sollen zwischen 1 und 1,5 Millionen Einwohner erreicht werden, um das System sinnvoll zu betreiben.“ Ziel der Landesregierung ist es, bis 2025 das System in ganz NRW auszubauen.

Wie greift das mit dem bestehenden Notarztsystem ineinander?

Die Versorgung der Bevölkerung wird wie bisher auch weiterhin durch den Rettungsdienst und die Notärzte sichergestellt. „Der Telenotarzt wird dabei eine Qualitätsverbesserung darstellen, weil er das nicht-ärztliche Rettungsdienstpersonal beim Einsatz unterstützen kann. Die physisch vorhandenen Notärzte bleiben dabei einsatzbereit für Notfälle, in denen sie dringender gebraucht werden“, so Jan Hoffmann. Kleinere Anfragen der Notfallsanitäter vor Ort könne hingegen der Telenotarzt beantworten.

Wie funktioniert das in der Praxis?

Technisch kann der Telenotarzt den Notfallsanitätern, die mit dem Rettungswagen beim Einsatz vor Ort sind, zugeschaltet werden. „Herzfrequenz und EKG können beispielsweise in Echtzeit auf den Monitor des Telenotarztes zugespielt werden“, erklärt der Mediziner. Über ein hochleistungsfähiges Kamerasystem, das im Rettungswagen eingebaut ist, kann er Diagnosen stellen und den Notfallsanitätern vor Ort Tipps geben. „Der Telenotarzt kann aber auch einen Patiententransport ,digital begleiten‘, da müsste dann kein anderer Notarzt physisch dabei sein“, erklärt Hoffmann.

Ersetzt der Telenotarzt den Mediziner vor Ort auch mit Blick auf die rechtliche Situation?

Das könne etwa bei der Vergabe von Medikamenten wichtig sein, nennt Jan Hoffmann ein Beispiel. „Die Sanitäter sind bei Medikamenten an strenge Vorgaben gebunden. Der Telenotarzt könnte individuell entscheiden und etwa eine höhere Dosierung anordnen, eine Infusion schneller stellen oder die Sauerstoffrate erhöhen lassen.“

Welche Aufgaben hat der Telenotarzt?

Hauptsächlich geht es um Diagnostik, Überwachung oder die Anweisung von Medikamenten. „Der Telenotarzt soll auf jeden Fall digital ,dabei bleiben‘, bis der physische Notarzt vor Ort übernimmt.“

Wie funktioniert das bestehende Notarzt-System aktuell?

Derzeit sind in Solingen zwei Notärzte im Einsatz, beide sind am Klinikum stationiert, weil von dort der beste Erreichungsgrad für die meisten Bewohner in Solingen besteht. Als Regelzeit sollte der Rettungswagen in acht Minuten vor Ort sein. Rettungswagen (RTW) sind in den Feuerwachen Katternberger Straße, Wald und Ohligs sowie beim DRK und beim Arbeiter Samariterbund stationiert, die auch eigene Notfallsanitäter haben. Zudem besetzen Malteser Hilfsdienst und Johanniter RTW der Feuerwachen.

Reicht ein Telenotarzt für sechs Städte und Kreise?

Die Telenotarzt-Position ist rund um die Uhr besetzt, er wird gezielt hinzugerufen, erklärt Hoffmann. „Er kann sich bei verschiedenen Einsätzen zu- und ausschalten und mehrere Einsätze gleichzeitig betreuen. Das ist ein ausgefeiltes System.“

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Solingerin prallt gegen Lieferwagen
Solingerin prallt gegen Lieferwagen
Solingerin prallt gegen Lieferwagen
Nur ein wetterbedingter Einsatz - Sperrmüll und Tonnen nicht rausstellen
Nur ein wetterbedingter Einsatz - Sperrmüll und Tonnen nicht rausstellen
Nur ein wetterbedingter Einsatz - Sperrmüll und Tonnen nicht rausstellen
Verstärkung fürs Notfallseelsorge-Team
Verstärkung fürs Notfallseelsorge-Team
Verstärkung fürs Notfallseelsorge-Team
Lennestraße in Ohligs: Ärger über gesperrte Parkbuchten
Lennestraße in Ohligs: Ärger über gesperrte Parkbuchten
Lennestraße in Ohligs: Ärger über gesperrte Parkbuchten

Kommentare