Verbraucherzentrale

Telefon- und Internetverträge: Experten mahnen zu Wachsamkeit

Dagmar Blum leitet die Solinger Beratungsstelle der Verbraucherzentrale. Archivfoto: Tim Oelbermann
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Dagmar Blum leitet die Solinger Beratungsstelle der Verbraucherzentrale. Archivfoto: Tim Oelbermann

Verbraucherzentrale gibt Tipps – neue gesetzliche Vorgaben stärken die Rechte von Kunden.

Von Manuel Böhnke

Solingen. Eigentlich wollte die Solingerin ihren Handyvertrag kündigen. Das Datenvolumen reichte nicht mehr aus. Sie verließ den Mobilfunkshop mit einem neuen Tarif. Das Problem: Dieser umfasste, wie die Solingerin nach einigen Wochen überrascht feststellte, keine Verbesserung in Sachen Datenvolumen. Mit Hilfe der Verbraucherzentrale gelang es ihr, den 24 Monate gültigen Vertrag vorzeitig zu beenden.

Fälle wie dieser landen immer wieder auf dem Schreibtisch von Dagmar Blum und ihren Kollegen. „Der Telekommunikationsbereich macht einen erheblichen Anteil unserer Beratung aus“, sagt die Leiterin des Solinger Standorts der Verbraucherzentrale. Blum berichtet von intransparenten Angeboten, Druck, ungewollt abgeschlossenen Verträgen und unzureichenden Informationen seitens der Anbieter.

Aus diesem Grund nimmt die Beratungsstelle das Thema am heutigen Weltverbrauchertag in den Fokus. Dafür spricht, dass seit Ende 2021 neue Regeln gelten. „Wenn die richtig umgesetzt werden, ist das eine große Verbesserung für die Verbraucher“, betont Johanne Voß, zu deren Schwerpunkten die Medien- und Telekommunikationsberatung zählt. Zu den Vorteilen gehören kürzere Kündigungsfristen und jährliche Informationen zum individuell optimalen Tarif.

„Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen.“

Dagmar Blum, Leiterin der Verbraucherzentrale Solingen

Eine weitere Neuerung: Die Anbieter sind verpflichtet, eine schriftliche Vertragszusammenfassung vorzulegen, bevor es zur Unterschrift kommt. Die Kunden sollen genau aufgeführt bekommen, worauf sie sich einlassen. Gewissermaßen konkretisiert das Dokument die im ebenfalls verpflichtenden Produktinformationsblatt enthaltenen Angaben. Dadurch erhofft sich Voß zwei Effekte: Zum einen sinke die Gefahr, dass Konsumenten Vertragsinhalten irrtümlicherweise zustimmen. Andererseits erleichtern die Zusammenfassungen den Vergleich von Tarifen.

Zumindest theoretisch. In der Praxis hat sich herausgestellt, dass die neuen Vorgaben in vielen Shops bislang kaum Berücksichtigung finden. 198 hat die Verbraucherzentrale laut eigenen Angaben im Januar in NRW kontrolliert. Nur sechs händigten eine Vertragszusammenfassung aus, davon fünf auf Nachfrage.

Das Ergebnis in Solingen: In nur einem von fünf Geschäften wurde eine Zusammenfassung in Aussicht gestellt – vorausgesetzt, es kommt zu einem Abschluss. „Es gab zwar überall schriftliche Infos“, berichtet Johanne Voß. Doch was per Hand auf einem Zettel notiert werde, entfalte im Gegensatz zur Vertragszusammenfassung keine Rechtswirkung.

Das Fazit der Verbraucherschützer: Das neue Instrument schütze die Kunden derzeit nicht vor ungewollten Verträgen. Auch ein Vergleich verschiedener Tarife werde erschwert, weil den Anbietern nicht vorgeschrieben ist, wann sie die Zusammenfassung aushändigen müssen. Meist geschieht das kurz vor Unterschrift, wenn bereits viele Kundendaten erfasst wurden.

Für Dagmar Blum erwächst daraus die Forderung, dass es wie im Online-Bereich auch im lokalen Handel ein 14-tägiges Widerrufsrecht für Verträge wie im Telekommunikationsbereich braucht. Zudem rät sie Verbrauchern zu Wachsamkeit. Vor Abschluss eines neuen Tarifs sei es ratsam, den persönlichen Bedarf und gängige Preise zu ermitteln. Darüber hinaus sei es sinnvoll, die Vertragsunterlagen eingehend zu prüfen, und auf die Informationspflichten des Anbieters zu pochen. „Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen.“

www.verbraucherzentrale.nrw/beratungsstellen/solingen

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