Amtshilfe

Zum Tanztee mit dem Oberstleutnant

Bernhard de Fries (stehend, v.l.), David Köthe, Marc Polley, Frank Seidel und Carsten Fricke vom Kreisverbindungskommando Solingen helfen genauso im Elisabeth-Roock-Haus mit wie Daniel Ritter (sitzend, v.l.) und Jan Braun aus Ahlen, die hinter dem Empfangstresen arbeiten. Foto: Christian Beier
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Bernhard de Fries (stehend, v.l.), David Köthe, Marc Polley, Frank Seidel und Carsten Fricke vom Kreisverbindungskommando Solingen helfen genauso im Elisabeth-Roock-Haus mit wie Daniel Ritter (sitzend, v.l.) und Jan Braun aus Ahlen, die hinter dem Empfangstresen arbeiten.

Bundeswehr hilft im Elisabeth-Roock-Haus aus.

  • Sechs Soldaten unterstützen die Arbeit im Elisabeth-Roock-Haus in Solingen.
  • Bewohner nehmen die Helfer mehrheitlich positiv auf.
  • Bundeswehr übernimmt Aufgaben wie Spazierengehen.

Von Timo Lemmer

Solingen. Im Elisabeth-Roock-Haus auf der Wiener Straße bietet sich momentan ein ungewöhnliches Bild. Am Empfang sitzen zwei junge Soldaten, vier weitere Angehörige der Bundeswehr verrichten in ihrer Montur Dienst: Der Sozialdezernent und Leiter des städtischen Krisenstabs, Jan Welzel (CDU), hatte um Amtshilfe gebeten. Seinem Anliegen wurde stattgegeben.

Sechs Soldaten eines Aufklärungsbataillons aus Ahlen unterstützen daher aktuell das Altenzentrum in Höhscheid. Sie haben Ende der Woche die ersten Kameraden abgelöst – bis zum 21. Mai sind sie vorerst abgestellt, übernachten im Schwesternheim. Auch danach hoffe man, dass die Hilfe noch weiter geleistet werden darf, betonen Peter Knoch als Leiter der Altenzentren der Stadt und Sonja Hüskens, Leiterin des Pflegedienstes im Roock-Haus.

Welzel selbst erklärt: „Das Kreisverbindungskommando KVK ist mehrfach an die Stadt herangetreten, um zu betonen, dass es helfen will. Gerade in den Altenzentren hatten wir eine schlimme Isolation.“ Diese sei nun zumindest gelindert: „Wir sind dem KVK sehr dankbar für die Hilfe.“

Solingen: Ahlener Soldaten entlasten das Personal

Die jungen Soldaten – zum zweiten Sechser-Trupp zählt auch eine Frau – vermitteln einen freundlichen Eindruck. Dennoch wirkt die Szenerie erst einmal wie in einem Science-Fiction-Film. Bei den Bewohnern aber, so war auch im Vorfeld eine Sorge, hätten die uniformierten Herren noch ganz andere Assoziationen wecken können. Das sei aber selbst bei der Kriegsgeneration nicht der Fall.

Oberstleutnant Bernhard de Fries, der als Chef des KVK Solingen für die Organisation Sorge trägt, sagt: „Von den älteren Leuten werden wir mehrheitlich sehr positiv aufgenommen. Sie sind überwältigt, aus dieser Richtung Hilfe zu erhalten.“ De Fries ist daran nicht ganz unschuldig, wie Bewohnerin Karola Herder erzählt: Beim Tanztee innerhalb ihrer Gruppe hatte sie das Vergnügen mit dem Oberstleutnant. „Der konnte sich nicht wehren“, scherzt sie. „Er hat gut Rücksicht auf mich genommen.“ Die Anekdote der Bewohnerin ist nur eine von vielen Begegnungen, die in Zeiten der Kontakt-Entbehrungen für Freude sorgen. „Die kümmern sich gut“, weiß sie.

„Es ist ein wahrer Segen. Die Bewohner strahlen und zehren wirklich sehr davon.“

Sonja Hüskens, Leiterin Pflegedienst

Heimleiterin Sarah Grawunder betont: „Sie haben die Stimmung klar gehoben. Die Bewohner dürfen jetzt wieder nach draußen, weil sie in Begleitung eines Soldaten einen Spaziergang machen dürfen.“ Darauf kommt es letztlich an: Freilich übernehmen die Ahlener Soldaten, die große Wertschätzung für das Personal äußerten, keine Pflege-Maßnahmen. Sie sind vielmehr dafür da, um zu entlasten. „Alle Dinge, die nun dazu kommen, bedeuten unheimlichen Mehraufwand. Beispielsweise unser Besucherzimmer, das die Bundeswehr regelt.“

80 Bewohner gibt es im Roock-Haus, und für die übernehmen die Soldaten allerhand „kleinere Aufgaben“. Desinfizieren gehört da genauso dazu wie Spaziergänge. Sonst sind die Soldaten andere Einsätze gewohnt. Die Ahlener Truppe war schon zweimal in Afghanistan, ist gerade aus Mali zurück – in das Krisengebiet geht es auch am 1. Oktober wieder. Der Bundeswehr ist dazwischen sehr daran gelegen, im Inland zu helfen – und das freundliche Gesicht zu zeigen. In Solingen klappt das wunderbar, finden die Verantwortlichen im Elisabeth-Roock-Haus. Hüskens: „Es ist ein wahrer Segen. Für die Mitarbeiter hier, für die Soldaten selbst, in erster Linie aber für die Bewohner. Die strahlen, und zehren wirklich sehr davon.“

Altenzentren

Die Stadt betreibt drei Altenzentren: Neben dem Elisabeth-Roock-Haus sind dies das Eugen-Maurer- sowie das Gerhard-Berting-Haus.

Corona-Fälle: Bisher habe es weder beim Personal noch bei den Bewohnern einen Corona-Fall gegeben, erklärt Geschäftsführer Peter Knoch. „Da wollen wir gerne dran festhalten.“

Auch interessant: Besucherzimmer mit Trennwand – Altenzentren finden kreative Lösungen in der Krise.

Solinger Firma präsentiert sicheres Besuchskonzept für Altenheime: eine kontaktlose, sichere Zelt-Begegnungsstätte mit zwei je drei mal drei Meter großen Räumen.

In unserem Live-Blog finden Sie aktuelle Informationen zu Entwicklungen rund um das Coronavirus in Solingen.

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