Tangping: Made in China – und Solinger Verwandtschaft

Was chillende Jugendliche in Asien mit Mundart im Bergischen Land zu tun haben

Von Wilhelm Rosenbaum

Blickt man in diesen letzten Tagen des Jahres zurück, zwischen dem „selbstgedrehten“ Spritzgebäck auf dem fast leer gefegten Weihnachtsteller und der angenehmen Erwartung auf das erste Gläschen Sekt zu Neujahr, so gleichen sich die prägenden Bilder in der Erinnerung doch sehr.

Einige Überraschungen, Sensationen gar, politische wie sportliche Top-Ereignisse, Freud und Leid, wie das Leben halt so spielt.

Doch es gibt andererseits auch Tage im Jahreslauf, die man nicht so schnell vergisst. Nehmen wir als Beispiel einen besonderen Freitag, den 23. Juli 2021, den Eröffnungstag der nachgeholten olympischen Sommerspiele im japanischen Tokio.

Da erzählte der Fernost-Korrespondent im Tageblatt, auf einer überörtlichen Seite, von einem asiatischen Spezialthema, dem Chillen der chinesischen Jugendlichen, die für das ganz private Aussteigen und Nichtstun ein natürlich chinesisches Wort gefunden hatten. Im Reich der Mitte hieß das aktuell nämlich „Tangping“.

Bei der Lektüre dieser launigen Reportage, so wird hinter vorgehaltener Hand kolportiert, sollen heimatkundliche Kenner der Klingenstadt, die sich zur Pflege der Solinger Mundart in der Autorengruppe „De Hangkgeschmedden“ zusammengefunden haben, trotz Corona-Masken gemeinsam ein Fläschchen Sekt geköpft haben. Galt es doch an der Wupper zu begießen, was selbst der renommierte Sprachforscher Rudolf Picard wohl nicht hätte ahnen können: Das urchinesische Wort Tangping hat im Bergischen Land in der Tat ja einen akademisch bisher noch gar nicht bearbeiteten Ableger, sozusagen einen kernig-deutschen Verwandten. Im bekannten „Sprachschatz“ ist er auf Seite 267 schwarz auf weiß, im Kapitel für den Buchstaben T, dokumentiert, der Solinger „Tangkpinn“. Zwar ist wissenschaftlich diese offenbar euro-asiatische Wortfamilie bislang noch nicht schlüssig belegt, weil das Solinger Dialektwort bekanntermaßen für „Zahnschmerz“ steht, aber das kriegen wir sicher noch irgendwie hin.

Wer hat schließlich von den jugendlichen Chinesen beim fröhlichen Faulenzen in Peking denn nicht ganz überraschend, woher auch immer, plötzlich mal „Tangkpinn“? Eben.

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