Glück im Unglück

Tageblatt-Zusteller verhindern großen Brand

Haben Schlimmeres verhindert: Martina Groß (v. l.) und Ralf Weiß. Dr. Hanjo und Gabi Bergfeld hatten erst wenige Tage zuvor die Hausschlüssel erhalten.Foto: Tim Oelbermann
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Haben Schlimmeres verhindert: Martina Groß (v. l.) und Ralf Weiß. Dr. Hanjo und Gabi Bergfeld hatten erst wenige Tage zuvor die Hausschlüssel erhalten.

Martina Groß und Ralf Weiß rochen Rauch und alarmierten die Polizei.

Von Anna Lauterjung

Solingen. Im Leben entscheiden manchmal wenige Sekunden über den Ausgang einer Situation. Mit etwas Glück im Unglück kann Schlimmeres verhindert werden, wenn die Augen offen bleiben und mit kühlem Kopf schnell genug reagiert wird.

Als Ralf Weiß und seine Freundin Martina Groß in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch in der vergangenen Woche auf seiner Zeitungsroute für das Solinger Tageblatt rund um den Bülowplatz in Höhscheid unterwegs waren, kam es zu so einer Situation. Die beiden Zusteller entdeckten einen Brand bei Dr. Hanjo und Gabriele Bergfeld im Argonner Weg und riefen die Polizei.

„Lieber einmal zu viel die Polizei anrufen, als zu wenig.“
Gabi Bergfeld, Hausbesitzerin

Es war ungefähr drei Uhr morgens, als Ralf Weiß und Martina Groß das Tageblatt in der Argonner Weg verteilten. Trotz ihrer leicht verstopften Nase roch Martina Groß Rauch und machte ihren Freund darauf aufmerksam. „Es roch wie an Silvester“, erinnert sich Ralf Weiß. Nach kurzer Überlegung riefen die Zusteller die Polizei. Ralf Weiß: „Wir hatten Angst, dass da noch jemand im Haus ist. Da zählt jede Sekunde.“

„Sie versuchten zunächst, über die Garage einen Zugang zum Haus zu finden“, erzählt Weiß. Allerdings trug der Versuch keine Früchte. Als die Polizei die Situation unter Kontrolle hatte, setzten Ralf Weiß und Martina Groß ihre Route fort. Ein paar Straßen weiter hörten sie schließlich ein lautes Klirren: Die Polizei hatte das Küchenfenster eingeschlagen. Später kamen die beiden Zusteller dann noch einmal am Argonner Weg vorbei. „Überall standen Feuerwehr, Polizei und Krankenwagen. Es war alles abgesperrt.“

Zeitgleich wurden die Hausbesitzer Dr. Hanjo und Gabi Bergfeld von ihrer Türklingel aus dem Schlaf gerissen. Es gehe um das neue Eigentum am Argonner Weg, erklärte die Polizei Gabi Bergfeld. Obwohl das Ehepaar nicht wusste, was sie beide am Ort ihres neuen Hauses erwartete, ließen sie sich nicht aus der Ruhe bringen. Das habe sich auch nicht geändert, als sie an ihrem neuen Zuhause ankamen. Durch die Arbeiten der Feuerwehr konnten sie den Schaden zunächst nicht begutachten.

Doch die Bergfelds blieben nicht lange allein in der Situation: Ihre Nachbarn versorgten sie mit Tee. „Wir freuen uns schon, hierher zu ziehen“, betont Gabi Bergfeld.

Mittlerweile steht auch die Brandursache fest. Ein alter Halogenstrahler hatte einen Schwelbrand in der Kassettendecke ausgelöst. Diese Art von Brand sei besonders gefährlich, denn sobald erste Flammen sichtbar sind, geht es sehr schnell. „Wäre die Feuerwehr 30 Minuten später da gewesen, hätte das Haus lichterloh gebrannt“, erklärt Dr. Hanjo Bergfeld. Nun sei nur das obere Geschoss betroffen und sie könnten seit Ende der vergangenen Woche das Haus bereits wieder betreten.

Dr. Hanjo und Gabi Bergfeld haben erst drei Tage vor dem Brand die Schlüssel zu ihrem neuen Haus erhalten. Wegen der Renovierung war niemand zu Hause, als in der Nacht das Feuer ausbrach. Auch wenn kein Leben in Gefahr gewesen ist, wäre ohne das Eingreifen von Ralf Weiß und Martina Groß der Schaden viel größer gewesen. „Lieber einmal zu viel die Polizei anrufen als zu wenig“, betont Gabi Bergfeld.

Feuerwehr ist bei Brand die erste Adresse: In unserer Berichterstattung über die zwei Zeitungszusteller, die im Bereich Argonner Weg Rauch bemerkt und zunächst die Polizei verständigt hatten, ist uns ein Fehler unterlaufen. Die Solinger Feuerwehr weist darauf hin, dass bei einem Brand immer zuerst die Feuerwehr verständigt werden sollte, die dann automatisiert auch die Polizei informiert, und nicht umgekehrt. „Es geht bei einem Brand um jede Sekunde, vor allem wenn Menschen in Gefahr sind. Ein falsch adressierter Notruf könnte diese Sekunden kosten“, betont Michael Einhoff von der Solinger Berufsfeuerwehr. Daher sollte sofort die Tel. 112 gewählt werden. Anrufer sollten angeben, wer anruft, wo es brennt, was passiert ist, ob es Verletzte gibt und wie die Situation ist und auf Rückfragen warten. Im Falle des Brandes am Argonner Weg konnten die beiden Zusteller zwar tatsächlich Schlimmeres verhindern, indem sie die Polizei riefen, die dann die Feuerwehr verständigt hat. Doch grundsätzlich sei die Feuerwehr in solchen Fällen die erste Anlaufstelle, appellieren die Brandschützer. Weiterhin raten sie im Brandfall, Ruhe zu bewahren und sich niemals in einen verrauchten Bereich zu begeben.-akl/KDow-

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