Tageblatt-Vortrag

Rektor Lambert T. Koch: Was die Bergische Uni so stark macht

Nicht auf die Tageblatt-Lektüre, wohl aber auf die grandiose Aussicht vom Rektorat auf dem Grifflenberg, muss Lambert T. Koch künftig verzichten. Sein neues Büro befindet sich am Arrenberg, unten an der Wupper.  
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Nicht auf die Tageblatt-Lektüre, wohl aber auf die grandiose Aussicht vom Rektorat auf dem Grifflenberg, muss Lambert T. Koch künftig verzichten. Sein neues Büro befindet sich am Arrenberg, unten an der Wupper.  

Wenn Prof. Dr. Lambert T. Koch am Mittwoch, 31. August, seinen letzten Arbeitstag als Rektor der Bergischen Universität hat, kann er auf eine echte Erfolgsgeschichte zurückblicken.

Von Knut Reiffert

„So ein Wachstum haben nur wenige Hochschulen hingelegt“, stellt Prof. Dr. Lambert T. Koch für die Zeit seit 2008 fest. Und kann das beispielhaft mit drei Zahlen belegen: Bei seiner Amtseinführung zählte die Uni 13 000 Studierende, aktuell sind es 23 000. Die für Forschungszwecke von öffentlichen und privaten Geldgebern zur Verfügung gestellten Drittmittel haben sich in den zurückliegenden 14 Jahren mehr als verdreifacht: von 15 auf 50 Millionen Euro. „Auch die Zahl der Studiengänge ist mit derzeit 109 rasant gestiegen“, kann der mehrfach von seinen Kollegen zu Deutschlands „Rektor des Jahres“ gekürte Volkswissenschaftler berichten.

Die Gründe für diese außergewöhnliche Dynamik erläutert er am Montag, 23. Mai, um 19 Uhr bei seinem Vortrag „Wie tickt unsere Bergische Universität: Strukturen, Themen, Erfolge“, der wie gewohnt im Solinger Gründer- und Technologiezentrum stattfindet.

Weil der Rektor größten Wert darauf legt, dass eine derart positive Entwicklung nur im Team erreicht werden kann, erklärt er mit aufschlussreichen Power-Point-Präsentationen auch den Aufbau und die Gremien der Hochschule. „Damit sie funktioniert, muss ein Rad ins andere greifen“, stellt er klar.

Premiere feiert beim Vortrag in Solingen eine dreiminütige Filmdokumentation, die aus Anlass des diesjährigen Jubiläums – 50 Jahre Bergische Universität – produziert worden ist. „Die ist rasant geschnitten und geht auf die Historie ebenso ein wie auf das nach der Pandemie jetzt endlich wieder erwachende Leben auf dem Campus“, kündigt Koch selbst voll Vorfreude an.

Mittlerweile gibt es auch eine Radfahr-Professur

Ebenso wichtig wie das quantitative Wachstum ist ihm die Spitzenforschung. „Gerade bei den Themen Künstliche Intelligenz und Neue Mobilität sind wir hervorragend aufgestellt.“ Das mache sich auch bei der Anwerbung des entsprechenden Personals bemerkbar. „Spannende Leute finden hier zueinander“, findet er. So werde der Uni in Wuppertal immer öfter der Vorzug vor Exzellenz-Hochschulen wie Aachen oder Zürich gegeben. „Erfolg kreiert Erfolg“ ist Kochs feste Überzeugung. Eine besondere Stärke der Bergischen Universität sieht ihr Rektor im interdisziplinären Ansatz. Ein Beispiel hierfür: der Klimawandel. „Wir haben Naturwissenschaftler, die die Folgen mit objektiven Zahlen belegen und die Trumps dieser Welt Lügen strafen können“, weiß Koch. „Und wir haben Ingenieure, die Lösungen etwa für nachhaltiges Bauen und optimierte Energieversorgung liefern.“ Dazu kämen Sozialwissenschaftler, die erforschten, wie sich die unausweichliche Transformation zu einer ökologisch ausgerichteten Wirtschaft auf die Gesamtbevölkerung auswirke. „Und schließlich gibt es die Erziehungswissenschaftler, die den Studierenden vermitteln, wie man Kindern nachhaltiges Denken beibringt.“

Die Tageblatt-Uni-Vorträge gehören zum Jubiläumsprogramm der Uni

Ebenso vielfältig wie der Klimawandel werde in Wuppertal das Verkehrswesen behandelt. „Die thematische Bandbreite reicht vom autonomen Fahren bis hin zur Leitung von Fußgängerströmen“, zählt der Hochschulleiter auf, der selbst mit dem E-Bike quer durch Wuppertal ins Rektorat auf dem Grifflenberg fährt. „Und seit letztem Jahr haben wir auch eine Professorin, die den Radverkehr erforscht.“ Aus dem Bereich Verkehr stammt auch eines von mehreren Beispielen, mit denen der Professor belegt, wie alle Menschen in der Region von der Bergischen Universität profitieren: der batteriebetriebene Oberleitungsbus „Bob“, der zusammen mit den Solinger Stadtwerken auf die Straße gebracht worden ist.

Lambert T. Koch ist zuversichtlich, dass Deutschland bei der Abkehr von tradierten Technologien Vorreiter als Innovationsland sein kann. „Die bergische Region und seine Universität könnten hier sogar Keimzelle sein“, ist er optimistisch und erinnert an die erste industrielle Revolution, die an der Wupper und ihren Zuflüssen ihren Ursprung hatte. „Mit Projekten zur Wiederverwertung und einer Kreislaufwirtschaft wie dem Circular Valley passiert hier schon einiges.“

Entscheidend für den Erfolg der Bergischen Universität ist seines Erachtens auch die Kooperation mit den Unternehmen in der Region, insbesondere der Vielzahl mittelständischer Weltmarktführer, sogenannter „Hidden Champions“. „Wissenstransfer ist hier nicht einseitig“, stellt Koch klar. Die Firmen profitierten von der Forschung an der Universität, andererseits seien die Wissenschaftler – beispielsweise im Bereich der Künstlichen Intelligenz – auf die Unternehmen angewiesen, um Erkenntnisse in der praktischen Anwendung zu gewinnen.

„Es gibt immer mehr gut funktionierende Netzwerke auch mit Solinger oder Remscheider Firmen“, weiß Koch, der immer wieder unterstreicht, dass die Bergische Universität zwar ihren Hauptsitz in Wuppertal habe, aber eine Einrichtung für die ganze Region sei. Und in der plant er, langfristig zu bleiben. Am 1. September, wenn die von ihm schon jetzt hoch gelobte Professorin Brigitta Wolff nach sechs Männern die erst Rektorin wird, beginnt für Koch aber erstmal eine einjährige Freistellung für Forschungszwecke, in der er sich unter anderem in den USA in seinem Fachgebiet Innovation und Unternehmensgründung auf den neuesten Stand bringen will.

Uni-Vortrag

Thema: „Wie tickt unsere Bergische Universität: Strukturen, Themen, Erfolge.“

Referent: Prof. Dr. Lambert T. Koch ist seit 1999 an der Bergischen Universität, von 2005 bis 2008 als Dekan der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät (Schumpeter School), seitdem als als Rektor. Der in Würzburg aufgewachsene Volkswissenschaftler hat an den Universitäten in Mainz und Würzburg studiert. Die Habilitation erfolgte an der Universität Jena. Er ist 55 Jahre alt, verheiratet und Vater von drei studierenden Söhnen. In seiner Freizeit spielt er Orgel und Klavier und läuft dreimal die Woche.

Termin: Montag, 23. Mai, 19 Uhr, Gründer- und Technologiezentrum Solingen, Grünewalder Straße 29-31. Es stehen zahlreiche kostenlose Parkplätze zur Verfügung. Der Eintritt ist frei. Es gilt die 3G-Regel. Um das Tragen der Maske am Platz wird gebeten“.

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