Gesundheitsamt

Telefonischen Nachverfolgung: Täglich werden hunderte Solinger angerufen

In einem früheren Besprechungsraum arbeiten Dr. Annette Heibges (vorne) und ihre Mitarbeiter an der telefonischen Nachverfolgung.
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In einem früheren Besprechungsraum arbeiten Dr. Annette Heibges (vorne) und ihre Mitarbeiter an der telefonischen Nachverfolgung.

Verstärktes Team des Stadtdienstes Gesundheit arbeitet an der Eindämmung des Coronavirus.

  • Die Mitarbeiter des Gesundheitsamts sind derzeit sieben Tage pro Woche im Einsatz.
  • Mitarbeiter aus anderen Ämtern unterstützen das Gesundheitsamt.
  • Die größte Herausforderung ist die Ermittlung von Kontaktpersonen der Neu-Infizierten.

Von Simone Theyßen-Speich

Solingen. Sieben Tage pro Woche, täglich von 7 bis nach 19 Uhr, sind die Mitarbeiter des Gesundheitsamts derzeit im Einsatz. Am Donnerstag hatten sie besonders viel zu tun. Ein neuer Corona-Fall bei einem Kind der Grundschule Kreuzweg war bekanntgeworden. Das Rechercheteam setzte ein, um Mitschüler, Lehrer, Freunde und andere Kontaktpersonen zu ermitteln.

„Donnerstags, freitags und samstags ist es immer extrem viel, weil dann die Ergebnisse der laufenden Woche aus den Laboren kommen“, erklärt Dr. Annette Heibges, Leiterin des Stadtdienstes Gesundheit. Mit ihrem etwa 40-köpfigen Team ist sie seit einem halben Jahr im Einsatz, das Coronavirus in der Stadt einzudämmen.

Mit Erfolg. Während die Testungen von Reiserückkehrern, Menschen mit Symptomen oder Lehrern, die sich freiwillig testen lassen können, im Krankenhaus Bethanien oder bei den niedergelassenen Ärzten durchgeführt werden, stehen im Gesundheitsamt am Rathausplatz die Telefone nicht still.

Solingen: Spezielle Mitarbeitergruppe für Reiserückkehrer eingerichtet

Eine Hauptaufgabe ist es, täglich die Menschen, die in Quarantäne sind, anzurufen – täglich derzeit knapp 400. „Die meisten halten sich an das Ausgehverbot, aber es gibt auch immer mal Personen, die wir nicht zu Hause erreichen“, so Heibges. Da sei auch manchmal Spürsinn gefragt, um an Hintergrundgeräuschen zu erkennen, dass jemand trotz Quarantäne unterwegs ist. Deshalb werde auch „unsystematisch“ von verschiedenen Mitarbeitern zu unterschiedlichen Zeiten angerufen. Ist jemand mehrfach nicht zu Hause erreichbar, stattet das Ordnungsamt einen Hausbesuch ab.

Neben dem Rechercheteam, das Kontaktpersonen ermittelt, und dem Telefonteam, das die Menschen in Quarantäne betreut, sind noch eine spezielle Mitarbeitergruppe für die Reiserückkehrer, ein Team für die Einrichtungen wie Kliniken, Altenheime und Schulen und ein Team, das die Ordnungsverfügungen an die Quarantäne-Personen verschickt, eingerichtet.

Solingen: Mitarbeiter aus anderen Ämtern unterstützen Gesundheitsamt

„Das sind großartige Mitarbeiter“, freut sich Dr. Annette Heibges über das gute Miteinander, zumal nach wie vor etwa die Hälfte der aktuell im Gesundheitsamt Beschäftigten aus anderen Stadtdiensten „entliehen“ sind. „Teilweise unterstützen sie uns beim Abtelefonieren der Listen auch stundenweise schon wieder aus ihrem eigentlichen Amt.“

Aufwendig sei es manchmal, den Betroffenen die unterschiedlichen Quarantäne-Bedingungen zu erklären. Wer Kontakt zu einem mit Sars-CoV-2 Infizierten hatte, muss 14 Tage in häusliche Quarantäne, auch wenn er ein negatives Testergebnis hat, da dieses nur einen gewissen Test-Zeitpunkt widerspiegelt. Reiserückkehrer allerdings können die Quarantäne mit einem Negativ-Testergebnis abkürzen. Auch wer etwa Erkältungssymptome hat, muss nur zu Hause bleiben, bis das negative Corona-Testergebnis vorliegt.

Die größte Herausforderung ist die Ermittlung von Kontaktpersonen der Neu-Infizierten. Die Gespräche erforderten oft psychologisch-seelsorgerisches Geschick. „Es ist für die Betroffenen ja erstmal ein Schock, wenn ein Mitarbeiter einer Behörde anruft und private Dinge abfragt“, schildert die Stadtdienstleiterin. „Da hat man manchmal das Bedürfnis, die Menschen durch das Telefon hindurch in den Arm zu nehmen.“ Teilweise komme die ganze Wahrheit auch erst in einem weiteren Anruf heraus – etwa wenn es um sexuelle Kontaktpersonen gehe. „Wenn wir dann mit allen Kontaktpersonen gesprochen haben, nähern sich die Wahrheiten meist an.“

Neben der telefonischen Mitteilung, dass man sich in Quarantäne begeben muss, erhalten die Betroffenen auch eine schriftliche Ordnungsverfügung. Die ist beispielsweise notwendig, um die Lohnfortzahlung für die 14 Tage vom Landschaftsverband Rheinland (LVR) zu erhalten. „Grundsätzlich sind wir bemüht, die Quarantäne-Kreise möglichst klein zu halten. Je besser beispielsweise Sitzgruppen in den Schulklassen dokumentiert sind, desto einfacher ist das.“ Zur Unterstützung des Stadtdienstes Gesundheit sind jetzt 17 zusätzliche Stellen für zwei Jahre ausgeschrieben. „Denn auch alle unsere anderen Aufgaben laufen ja weiter“, so Heibges.

Corona-Zahlen

Aktuell sind in Solingen 46 Personen nachgewiesen infiziert. Sieben Patienten werden stationär behandelt. In Quarantäne befinden sich 406 Personen. In den letzten sieben Tagen sind 26 Corona-Neuinfektionen festgestellt worden. Dies entspricht einer Quote von 16,0 auf 100 000 Einwohner. Insgesamt wurden seit Ausbruch der Pandemie 463 bestätigte Fälle gemeldet. 13 mit dem Virus infizierte Menschen sind gestorben.

Aktuelle Nachrichten zur Corona-Lage in Solingen finden Sie in unserem Coronavirus-Liveblog. Er wird laufend aktualisiert.

Das Ordnungsamt kontrollierte am Montag an den Bushaltestellen die Einhaltung der Maskenpflicht. Fünf Verweigerer müssen zahlen.

Seit zwei Wochen läuft auch an den Solinger Schulen wieder der Unterricht: mit vollen Klassen, Maskenpflicht ab Jahrgangsstufe fünf und Hygieneregeln. Die Schulleiter loben die Disziplin.

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