Zu Gast bei der Hauptprobe

Bergische Symphoniker verabschieden sich mit roten Rosen

Dirigent Daniel Huppert und alle Musiker müssen beim Corona-Konzept für Konzerte stehen. Durch vielen Proben wurde der akustisch neue Bühnenklang einstudiert. Das Ensemblespiel funktionierte entsprechend gut.
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Dirigent Daniel Huppert und alle Musiker müssen beim Corona-Konzept für Konzerte stehen. Durch vielen Proben wurde der akustisch neue Bühnenklang einstudiert. Das Ensemblespiel funktionierte entsprechend gut.

Nach der Corona-Pause erklingt zum Saisonabschluss ein eindrucksvolles „Auf bald – à bientôt“.

Von Philipp Müller

Solingen. Noch gefällt Generalmusikdirektor (GMD) Daniel Huppert bei der Hauptprobe am Morgen nicht, was Stunden später beim letzten Konzert erklingen soll. „Dididelbambam“, intoniert er. Er singt das in eine Runde von knapp 20 Mitgliedern des Orchesters. Nur so viele Musiker sind durch die Beschränkungen von Corona überhaupt auf der Bühne erlaubt. Und die Musiker spielen im Stehen – außer den zwei Cellisten, die nicht anders zu bedienen ist.

Konzertmeister Miki Kekenj erklärt: „Das dürfen wir nicht so verzögert spielen.“ Die Noten werden neu aufgeschlagen. Huppert hebt den Stab und diesmal sitzen Tempo und auch die Lautstärke. Die ist das Problem, denn die Musiker hören sich durch die neue Formation anders als gewohnt. Doch es läuft, Huppert lässt sich ein kurzes „Perfekt“ entlocken.

Hyeyoon Park spielte sich vor der Hauptprobe ein. Schon dort zeigte sie ihr großes Talent und ihre Leidenschaft für die Dynamik der Violine.

Mit Interesse beobachtet die Solistin des Abends, Hyeyoon Park, mit ihrer Violine im Arm die Szenerie. Sie reise extra aus London für die Konzerte in Solingen und im Remscheider Teo Otto Theater an, erzählt Orchester-Manager Stefan Schreiner. „Nach der Rückreise muss sie 14 Tage in Quarantäne.“ Entsprechend engagiert geht die gebürtige Südkoreanerin zu Werke. Man spürt ihre Lust an der Emotion eines Livekonzerts – das fehlt allen am Dienstagmorgen spürbar. So wird hochkonzentriert geprobt – und albern, die Pulte wurden oft mit großer Geste auf Sicherheitsabstand verrückt.

Wie das Streicherstück zu Beginn, stammt auch die Konzertpassage für die Solistin aus der Feder von Felix Mendelssohn Bartholdy. Es ist dessen erstes Violinkonzert, das er mit 13 Jahren schrieb. Das Stück sitzt schnell, die ungewöhnlich vielen Proben im Vorfeld zahlen sich aus.

„Wir haben große Lust, wieder vor unserem Publikum aufzutreten.“

Daniel Huppert, GMD

Nach 90 Minuten ist die Hauptprobe Geschichte. Die Musiker gehen schnell nach Hause, Huppert hat Zeit für ein paar Sätze. Er habe bewusst drei Stücke ausgesucht, die auch ein größeres Kammerorchester spielen könnte. So werde am Abend jeweils das Original erklingen, das sei ihm wichtig. Er bekennt auch: „Wir haben große Lust, wieder vor unserem Publikum aufzutreten.“

Die Konzertbesucher stehen am Abend in einer langen Schlange vor dem Eingang des Theater und Konzerthauses. Einzeln oder als Paar dürfen sie eintreten. 189 Tickets habe das Haus anbieten können, berichtet Sonja Baumhauer, die Leiterin des Kulturmanagements. Am Ende sind mehr als 170 gekommen.

Katherina Knees moderiert zum Start statt der üblichen Einführung. Die Zuschauer würden den jungen Mendelssohn Bartholdy erleben. Dazu eine Solistin, die die jüngste Hauptpreisgewinnerin des Internationalen Musikwettbewerbs der ARD gewesen sei.

„Das Leben ist kurz“, umso mehr freuten sich die Mitglieder der Symphoniker auf das Konzert nach langer Corona-Pause zum Saisonabschluss.

Fast düster klingen die Streicher zu Beginn, lassen erahnen, was die zur Untätigkeit verurteilten Musiker seit Mitte März erlebt haben. Um so voller klingt das Violinkonzert. Hyeyoon Park verzaubert mit ihrer Dynamik und ihrer Kraft am Instrument. Langer Applaus, Zugabe, Jubel und viel strahlendes Lächeln gibt es im Saal – und auf der Bühne.

Dann erklingt eindrucksvoll Jacques Iberts Divertissement. Huppert hat es auch als Narrativ ausgesucht. In sechs Sätzen ertönt die klassische Bandbreite einer ganzen Spielzeit. Das macht Lust auf den neuen Spielplan der noch verteilt wird. Außerdem gibt es eine rote Rose für die Besucher. Nicht umsonst hieß das Konzert „Auf bald – à bientôt“.

Neuer Spielplan zum Jubiläumsjahr

Mit dem letzten Konzert der Saison legten die Bergischen Symphoniker den neuen Spielplan vor. Los geht es am 1. September mit einem Philharmonischen Konzert auf den Tag genau 25 Jahre nach der Gründung des gemeinsamen Orchesters der Städte Solingen und Remscheid. Das Jubiläum selbst fällt aber weitestgehend aus. Mehr zum Spielplan und den Konzert-Ideen, die zum Jubiläum nachgeholt werden sollen, berichtet das Tageblatt am Samstag auf der Kulturseite.

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