Lebensgeschichte

Suria schreibt über ihre Flucht

Suria hat die Geschichte über ihren langen Weg aus Afghanistan nach Solingen fertig geschrieben. Unterstützt von Heidi Meyer-Schäfer möchte sie sie jetzt veröffentlichen. Foto: Michael Schütz
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Suria hat die Geschichte über ihren langen Weg aus Afghanistan nach Solingen fertig geschrieben. Unterstützt von Heidi Meyer-Schäfer möchte sie sie jetzt veröffentlichen.

Die 13-Jährige kam vor drei Jahren mit ihrer Familie aus Afghanistan nach Solingen. Ihre Geschichte möchte sie jetzt veröffentlichen.

Von Simone Theyßen-Speich

Etwa 3000 Menschen kamen in den vergangenen Jahren aus den Kriegsgebieten dieser Welt nach Solingen – 3000 Schicksale – 3000 Geschichten. Eine dieser Lebensgeschichten bekommt jetzt ein konkretes Gesicht. Das der 13-jährigen Suria aus Afghanistan. Die Schülerin hat ihre Geschichte aufgeschrieben. Erst in ihrer Muttersprache Persisch-Dari mittlerweile in Deutsch. Jetzt möchte sie ihr Buch veröffentlichen.

2016 war die damals Zehnjährige mit ihrer Mutter und ihren drei jüngeren Geschwistern aus Afghanistan nach Deutschland gekommen. Suria erinnert sich an den zwei Monate langen Weg. „Wir sind über Pakistan, den Iran, die Türkei, Griechenland, den Balkan und Österreich zunächst nach Süddeutschland gekommen“, erzählt das Mädchen in perfektem Deutsch. Teilweise mit dem Zug, mal mit dem Bus oder zu Fuß.

Ehrenamtliche Betreuerin gehört mit zur Familie

Von dort gab es dann die Möglichkeit, vorübergehend bei einem Onkel, der schon lange in Nordrhein-Westfalen lebt, unterzukommen. „Ich konnte zunächst nicht zur Schule gehen, hatte viel Zeit, da bin ich auf die Idee gekommen, meine Geschichte aufzuschreiben“, erinnert sich Suria. Zunächst schrieb sie auf Persich-Dari. „Ich wollte meine Erinnerungen nicht vergessen, wollte aufschreiben, wer ich bin und was ich möchte.“

Auch als die Familie nach Solingen zugeteilt wurde, schrieb Suria weiter. Zuletzt waren sie im Walder Gemeindehaus an der Corinthstraße untergebracht. Dort begegnete ihr Heidi Meyer-Schäfer. „Ich habe als Ehrenamtlerin im Gemeindezentrum geholfen und mich auch weiterhin um die Familie gekümmert, als sie in eine eigene Wohnung ziehen konnten.“

Seitdem ist Meyer-Schäfer, die auch beruflich als Betreuerin arbeitet, gemeinsam mit zwei weiteren Ehrenamtlern für die Familie da – bei Behördengängen, Elternsprechtagen oder privaten Anlässen. Alle vier Kinder besuchen die Real- oder Gesamtschule. Auch die Mutter hat die deutsche Sprache gut gelernt. „Wir sind so etwas wie eine erweiterte Familie“, erzählt Meyer-Schäfer.

PERSICH-DARI

SPRACHE Persisch-Dari ist eine in Afghanistan gesprochene Variante der persischen Sprache. Dari ist der Begriff, der seit 1964 von der afghanischen Regierung offiziell für den persischen Dialekt anerkannt wird. Im Iran wird die persische Sprache mit Farsi bezeichnet.

Auch bei Surias Idee, ihre Geschichte zu veröffentlichen, hat sie das junge Mädchen gern unterstützt. Suria hat den Text übersetzt, Heidi Meyer-Schäfer die Eingabe in den Computer gemacht. „Der Weg zu einem neuen Leben“, so soll der Buchtitel wohl lauten.

„Als dann der letzte Satz getippt war, entstand der Wunsch, das Buch auch drucken zu lassen“, erinnert sich Meyer-Schäfer. Buchgestalter und Illustrator sind bereits gefunden. „Jetzt hoffen wir, dass wir das Buch auch zeitnah realisieren können“, so die Betreuerin. Erste Kontakte wurden geknüpft. Es gibt sogar schon zwei Anfragen für Lesungen mit Suria und ihrer Geschichte.

Das würde die 13-Jährige sehr freuen. Schriftstellerin zu werden, ist aber nicht ihr Berufswunsch. „Ich möchte Ärztin werden und als Orthopädin arbeiten. Mein Traum ist es, in Afghanistan den Menschen zu helfen. Aber meine Zukunft sehe ich hier in Deutschland. In Afghanistan bist du als Mädchen nichts wert.“

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