Gedenken

Stolpersteine erinnern an Euthanasie

Die Enkelin des früheren Solinger Bürgermeisters Albert Müller, Martina Bötig, legt eine Rose an seinem Stolperstein nieder. Foto: Uli Preuss
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Die Enkelin des früheren Solinger Bürgermeisters Albert Müller, Martina Bötig, legt eine Rose an seinem Stolperstein nieder.

Für elf weitere Nazi-Opfer wurden am Mittwoch Gedenksteine durch Gunter Demnig verlegt.

Von Philipp Müller

Routiniert lässt der Künstler Gunter Demnig einen „Stolperstein“ an der Potsdamer Straße 9 im Bürgersteig einsinken. „Geschafft.“ Mit diesem Wort kommentierte erleichtert Martina Bötig die Aktion am Mittwochmittag. Sie ist die Enkelin von Albert Müller. Er lebte im Haus mit der Nummer 9, gehörte der kommunistischen KPD an und war während der Nazizeit oft verhaftet worden. Aber er überlebte, wurde 1946 für einige Monate Bürgermeister von Solingen. An solche und noch viel tragischere Schicksale erinnern nun 117 Gedenksteine im Solinger Straßenbild. Am Mittwoch wurden aber auch „Stolpersteine“ für Solinger Opfer der verschiedenen Euthanasie-Programme der Nazis gesetzt. Das Stadtarchiv hat mit der Aufarbeitung der Geschichte dazu begonnen.

Die „Stolpersteine“ sind ein Projekt des Künstlers Gunter Demnig. Über 61 000 hat er selbst bereits in den vergangenen zehn Jahren vor die früheren Wohnorte der Opfer gesetzt. Das sei eine „Soziale Plastik“, die sich über viele Länder in Europa verteile, erklärte er. Daher werde es auch niemals zur Routine, solche Steine zu verlegen. Er mache das, weil er der jungen Generation historische Orientierung geben wolle. „Es ist wichtig, handfeste Bezüge zur Geschichte zu haben, zu dem, was in der eigenen Nachbarschaft passierte.“

Die Stolpersteine schaffen berührende, erinnernde Momente

Als zweiten Grund nannte der in Köln arbeitende Künstler, dass er bei der Verlegung der „Stolpersteine“ oft Familien zusammenbringe. Da entstehe Neues und Berührendes. Wie recht er damit hat, zeigte sich an der Potsdamer Straße. Martina Bötig erinnerte an das Schicksal des Großvaters, der direkt nach der Machtergreifung der Nazis immer wieder verhaftet worden sei, viele Konzentrationslager und Gestapo-Gefängnisse durchlaufen musste. Am Ende sei er so geschunden und krank gewesen, dass seine eigene Frau ihn nur noch am Kehlkopf erkannt habe. Nur 59-jährig starb er 1951 an einem Herzleiden.

Es gehöre zur Erinnerungskultur, sich dieser Vergangenheit zu stellen, betonte Oberbürgermeister Tim Kurzbach (SPD) in seiner Ansprache. Er habe nach seiner Amtsübernahme den Leiter des Stadtarchivs, Ralf Rogge, gebeten, gerade die Nazis-Zeit nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. So sei er froh, dass nun die Geschichte der Solinger Opfer der Euthanasie aufgearbeitet werde. In ihrem Rahmen wurde „unwertes“ Leben vieltausendfach zerstört. Mehr: www.stadtarchiv.solingen.de

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