Stolperstein für Zeuge Jehovas

Gunter Demnig verlegt den Stolperstein für Erich Hammesfahr , der als Zeuge Jehovas verfolgt wurde und 1940 im KZ Sachsenhausen starb. Fotos (2): Uli Preuss

STOLPERSTEINE Gestern verlegte der Kölner Künstler Gunter Demnig in Solingen weitere 14 Steine.

Mit dem Flammenwerfer heizt der Künstler Gunter Demnig den festgefrorenen Steinen mächtig ein – so lange, bis sie sich aus dem harten Boden endlich lösen. Dann kann er die nächsten Stolpersteine in Solingen verlegen. Gestern versenkte er 14 weitere Steine in der Klingenstadt, begleitet von Bürgern, die als Pate die Kosten von 95 Euro übernommen hatten und Mitgliedern des Unterstützerkreises Stolpersteine.

Insgesamt 65 der kleinen Messing-Quadrate regen nun in Solingen zum Nachdenken, Innehalten und Erinnern an. An Menschen, die während des Dritten Reiches ihre Häuser verlassen mussten, in Konzentrationslager deportiert und ermordet wurden, weil sie Juden oder Roma waren, Kommunisten oder Zeugen Jehovas.

Erich Hammesfahr beispielsweise: Der Eisendreher und Werbevertreter gehörte den „Zeugen Jehovas“ an, die von den Nationalsozialisten „Internationale Bibelforscher Vereinigung“ genannt wurden. Im Sommer 1933 wurden diese verboten. Die Lehre der „Zeugen Jehovas“, insbesondere die prinzipielle Verweigerung des Wehrdienstes und die Ablehnung der nationalsozialistischen Rassenlehre, wurden als eine nicht zu unterschätzende Gefahr angesehen. Daher wurden Mitglieder aber auch Unterstützer strafrechtlich verfolgt.

Erich Hammesfahr zog nach Viersen, um seine in Solingen lebende Mutter zu schützen. Dort wurde er mehrfach verhaftet, misshandelt und zu Gefängnisstrafen verurteilt. Kaum ist er draußen, wird er schon wieder in Schutzhaft genommen. Im Januar 1940 wird er ins KZ Sachsenhausen eingeliefert. Dort stirbt er am 18. Februar 1940 – angeblich an einer Herzschwäche.

Die weiteren Steine wurden für Karl Wallach (Düsseldorfer Straße), Walter und Herta Brauer sowie Friederike Blondine Strauss (Am Neumarkt), Carl-Friedrich Goerdeler (Birker Straße), Anna Reiche-Coppel und Martha Fanny Coppel (Kurfürstenstraße), Josef und Anna Kupperschlag (Klemens-Horn-Straße), Emil Heyer, Josef Becker, Paul de Grote und Erich Hammesfahr (Kirschbaumer Straße) und Willi Reeks (Bergerstraße) verlegt. kc

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