Ein Stolperstein auch für Franz Wenders

Franz Wenders bewundert den damaligen Mut seines gleichnamigen Großvaters – dieser ist hier zu sehen mit seiner Tochter Gerda. Foto: Christian Beier

AKTION Am Samstag werden zehn weitere Stolpersteine in Solingen verlegt. Der Enkel und weitere Verwandte von Franz Wenders sind dabei.

Von Daniela Neumann

„Für mich“, sagt Franz Wenders seine Meinung, „ist er erschossen worden.“ So wird es auch auf dem Stolperstein stehen, der heute an der Kotzerter Straße 25 zur Erinnerung an seinen gleichnamigen Großvater verlegt wird: „Wegen ,Heimtücke‘ 3 Jahre Zuchthaus. Ermordet 27. 3. 1945“. Wer war dieser 1903 in Aachen geborene Franz Wenders, der 1943 in Solingen verhaftet wurde? Was hatte er aus damaliger Sicht verbrochen? Und was ist mit ihm geschehen?

„Es ist für mich Neuland, dass er im Gefängnis Freiendiez aufgrund von Erfrierungen verstorben ist“, sagt sein Enkel Franz Wenders. Der 60-Jährige hat erst kürzlich von der Archivarbeit rund um seinen Großvater erfahren und nun in alten Unterlagen von seinem Vater noch einiges gefunden, was er dem Stadtarchiv zukommen lassen will.

Darunter ist ein Brief, in dem der Gefängnisdirektor behauptet, der Inhaftierte habe zu Ausbrechern gehört. Nach diesen drei Geschichten um seinen Tod bleibt eine behördliche Anzeige des Anstaltspfarrers, die Familie wird jedoch nicht unterrichtet. Sein Vater, sagt der in Solingen lebende Wenders-Enkel, habe den zuerst in Anrath Inhaftierten als 17-jähriger Soldat noch besuchen dürfen im Steinbruch: „Da muss er schon ziemlich abgemagert gewesen sein.“

„Mein Großvater hattetrotz der damaligenVerhältnisse den Mut,das auszusprechen, wassicher viele dachten.“

Franz Wenders

Sein Vater, der einzige Sohn unter vier Wenders-Kindern, habe einiges mitgekriegt im Solingen zur Nazi-Zeit, wo die Familie später keine Lebensmittelmarken bekommt: Kommunisten seien etwa in Kellern in Spinde geprügelt worden. „Und die Eltern sagten dann zu den Kindern, sie dürften das keinem erzählen.“ Für seinen aus den Niederlanden ausgewiesenen Großvater – dort hatte er nach seiner Zeit im kommunistischen Jugendverband von Wald als Bergmann gearbeitet – reichte letztlich ein Satz: „Es wird die Zeit kommen, wo auf jeden Nazi mit dem Finger gezeigt wird.“ Dafür wird er am Arbeitsort denunziert.

„Mein Vater hat Jahre später den Denunzianten zufällig in der Stadt getroffen“, meint der Enkel und fügt hinzu: „Dieser hat dann gesagt, er habe das nicht gewollt.“ 15 Monate hat er nach dem Krieg als Strafe fürs Melden bekommen. Den Stolperstein bekomme sein Großvater jetzt dafür, „dass er trotz der damaligen Verhältnisse den Mut hatte, das auszusprechen, was sicher viele dachten“. Was sein Vater noch erlebte, betont der Wenders-Enkel, dürfe nie wieder passieren: „Er hatte einen Lehrer, der die Kinder zu Beginn einer Stunde immer zwang zu sagen ,Judas verrecke‘“.

Dass so etwas geschehen ist, dürfe nicht in Vergessenheit geraten: „Nachbarn meines Opas sind jetzt die Paten für seinen Stolperstein. Ich werde für den nächsten freien Stein die Patenschaft übernehmen.“

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