51 Jahre Arbeit im Rat der Stadt

Still wird es um Bernd Krebs nicht werden

Bernd Krebs in seinen Privaträumen: Er liest viel. Viel mehr Zeit als bisher wird er dafür aber wohl nicht haben. Foto: Christian Beier
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Bernd Krebs in seinen Privaträumen: Er liest viel. Viel mehr Zeit als bisher wird er dafür aber wohl nicht haben.

Nach 51 Jahren scheidet das dienstälteste Mitglied aus dem Stadtrat aus – und will sich weiter einmischen.

Von Andreas Tews

Solingen. Seine letzte Rede nach 51 Jahren im Stadtrat hat Bernd Krebs am 1. Oktober gehalten. Ab November wird er dem neu gewählten Gremium zwar nicht mehr angehören. Aber, und das betonte er zum Abschied gegenüber den verbleibenden Ratsmitgliedern: „Ich werde mich äußern, bei anderer Gelegenheit und das hinreichend.“ Politisch zur Ruhe setzen will sich der 79-Jährige nicht. Er wird sich weiter engagieren. „Was wäre die Alternative?“ sagt der frühere langjährige Vorsitzende der CDU-Ratsfraktion. „Ich im Ohrensessel? Dafür gibt es zu viele Dinge, die noch zu erledigen sind.“

Der Stadtrat steht vor einer personellen Zäsur. 34 der 52 Mitglieder werden der neuen Bürgervertretung nicht mehr angehören. Einige der altgedienten Politiker haben sich nicht mehr aufstellen lassen, andere scheiterten am Votum der Bürger, wieder andere wurden von ihren Parteien bei der Aufstellung der Kandidaten nicht berücksichtigt.

Zu den Letzteren gehört Bernd Krebs. Nicht diese Entscheidung kritisiert er, wohl aber die Art, wie sie zustande kam. Allgemein habe sich die politische Diskussionskultur „sehr zum Negativen“ verändert, seit er 1969 erstmals in den Stadtrat gewählt wurde. Dies gelte vor allem für Auseinandersetzungen innerhalb der Partei. Dies habe sich auf den Wahlkampf ausgewirkt und in dem schlechten Wahlergebnis für die CDU niedergeschlagen.

Erkennbar positivere Erinnerungen hat Krebs, der im Dezember 80 Jahre alt wird, an die Anfänge seiner politischen Arbeit. Seine Wurzeln liegen in der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald. Baum- und Naturschutz sei auch der Antrieb gewesen, in die Kommunalpolitik zu gehen, erklärt Krebs.

„Die politische Diskussionskultur hat sich sehr zum Negativen verändert.“

Bernd Krebs, scheidendes Ratsmitglied

In der überparteilichen Europa-Union engagierte er sich unter anderem zusammen mit dem späteren ehrenamtlichen Bürgermeister Bernd Paßmann. Zusammen beschlossen sie, sich parteipolitisch einzubringen. Paßmann ging in die FDP, Krebs in die CDU.

Entsprechend seiner Wurzeln im Umweltschutz sieht Bernd Krebs die Einführung der Solinger Baumschutzsatzung 1977 als einen seiner größten Erfolge. Es war die erste ihrer Art in Nordrhein-Westfalen und wurde bei der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald entwickelt – von Bernd Krebs. Oft sei versucht worden, die Satzung abzuschaffen. Doch Krebs organisierte stets Mehrheiten für den Erhalt.

Auch an das Jahr 1981 erinnert sich Krebs zurück, als er eine Zwei-Drittel-Mehrheit für die Abwahl des wegen angeblicher Untätigkeit in Ungnade gefallenen Oberstadtdirektors Friedhelm Schmitz-Herscheidt, organisierte. Auch hier war es eine Premiere. Solingen war die erste Stadt, die einen Oberstadtdirektor abwählte. Und auch damals war Politik schon ein Geben und Nehmen. Als Gegenleistung für ihre Zustimmung zur Abwahl gestand CDU-Mann Krebs der SPD damals die Gründung der ersten Solinger Gesamtschule, der heutigen Alexander-Coppel-Gesamtschule, zu.

Als Zäsur betrachtet Bernd Krebs den Brandanschlag vom 29. Mai 1993. Im Sinne des gesellschaftlichen Friedens seien damals viele Entscheidungen nötig gewesen.

Als Ratsmitglied habe er vieles gelernt und sei immer mit neuen Menschen in Verbindung gekommen. Dies und die neuen Herausforderungen, denen man sich in der Kommunalpolitik immer wieder stellen müsse, habe für ihn immer den Reiz der ehrenamtlichen Arbeit im Rat ausgemacht.

Ganz fertig ist er politisch noch nicht. Krebs wird sich weiterhin im Naturschutzbeirat engagieren, dessen zweiter Vorsitzender er ist. In diesem Gremium wird er Mittel und Wege finden, auch auf die Arbeit des Rates Einfluss zu nehmen. Krebs: „Es gibt viele Mitstreiter, auch in anderen Parteien.“ Somit kann man sich sicher sein, dass sich der 79-Jährige weiterhin im Sinne des Naturschutzes Gehör verschaffen wird.

Viel zusätzliche Freizeit wird er wohl nicht haben. Weiterhin will er sich auch im Freundeskreis Ness-Ziona engagieren. Denn die Partnerschaft mit der israelischen Stadt ist neben dem Umweltschutz eine weitere Herzensangelegenheit des Bernd Krebs.

51 Jahre Arbeit im Rat der Stadt

Rat: Bernd Krebs gehört dem Rat der Stadt seit 1969 an. Die Wahlperiode endet am 31. Oktober.

Fraktionsvorsitz: Krebs führte die CDU-Fraktion im Rat von 1975 bis 1989 und von 2002 bis 2014.

Bürgermeister: Ehrenamtlicher zweiter Stellvertreter des Oberbürgermeisters war Krebs von 1979 bis 1984.

Ausschüsse: Seit 1969 war er in vielen Fachausschüssen des Rates aktiv. Unter anderem im Haupt- und Finanzausschuss (1969 bis 1984), Hauptausschuss (1984 bis 2014), Finanzausschuss (1984 bis 2014), Wirtschaftsausschuss (1977 bis 1984), Stadtentwicklungs- und Umweltausschuss (2006 bis 2020, Vorsitzender seit 2014), Umweltschutzausschuss (1984 bis 1994, ab 1989 als Vorsitzender), Umweltausschuss (1989 bis 1994), Werksausschuss Stadtwerke (1989 bis 1999), Beirat Untere Naturschutzbehörde (seit 1976, bis 2017 als Vorsitzender).

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