Sternenkinderfeld ermöglicht Trauer und Begegnung

Das Sternenkinderfeld auf dem katholischen Friedhof in Ohligs. Ansprechpartner würden über das Pastoralbüro vermittelt, sagt Pastoralreferentin Simone Miklis. Kontakt: Tel. 2 31 40 00. Fotos: Miklis
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Das Sternenkinderfeld auf dem katholischen Friedhof in Ohligs. Ansprechpartner würden über das Pastoralbüro vermittelt, sagt Pastoralreferentin Simone Miklis. Kontakt: Tel. 2 31 40 00. Fotos: Miklis

Theologen machen sich Gedanken – heute die Pastoralreferentin Simone Miklis

Liebe Leserinnen und Leser,

letzte Woche Samstag habe ich mich zu Hause verabschiedet und bin zur Arbeit gefahren. Im Gepäck hatte ich eine Schaufel, eine Harke und meine Gartenhandschuhe. Dabei bin ich gar keine Gärtnerin, sondern Pastoralreferentin.

Wie ich dazu gekommen bin, Pastoralreferentin zu werden, hat vielschichtige Gründe. Zunächst einmal habe ich erkannt, dass mein Glaube mir in meinem Leben schon immer sehr wichtig war. In einer lebendigen Gemeindearbeit konnte ich als Kind und als Jugendliche viele Facetten pastoraler Arbeit kennenlernen. Das hat mich dazu bewogen, nach dem Abitur Theologie zu studieren.

Gegen Ende des Studiums entschied ich mich dann dazu, mich beim Erzbistum Köln um eine Stelle als Pastoralreferentin zu bewerben. Im Bewerbungsgespräch wurde ich gefragt, ob es denn auch eine Bibelstelle gäbe, die für mich eine besondere Bedeutung, vielleicht sogar eine besondere, spirituelle Tiefe habe. Das war für mich ganz klar eine Stelle, in der es darum geht, Gott in den Menschen zu entdecken. Ich entschied mich für das Kapitel 25 aus dem Matthäusevangelium. Dort spricht Jesus davon, dass, wann immer wir an der Seite eines Menschen stehen, der Not leidet, wir an seiner Seite stehen. In der Bibel heißt das: „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“ (Mt, 25,40)

Nun arbeite ich schon seit einigen Jahren im pastoralen Dienst und versuche als Seelsorgerin Gott und den Menschen nahe zu sein. Nicht immer geht es dabei um Not. Wenn ich Gottesdienste feiere, dann geht es ja erst einmal um eine Feier. Wenn ich die Kinder in unseren katholischen Kindertagesstätten besuche, dann geht es vorrangig darum, dass ich ihnen etwas von Gott erzähle. In vielen Gesprächen, die ich führe, geht es einfach auch um die Teilhabe am Leben der Menschen.

Wenn ich aber Menschen treffe, deren Angehörige ich beerdige, dann sehe ich oft eine Not. Manchmal geraten Hinterbliebene durch den Tod eines Familienmitgliedes in finanzielle Not. Oft geraten trauernde Menschen aber in eine emotionale oder auch soziale Not. Denn für viele ist es schwer, ohne einen geliebten Menschen weiterzuleben. Für viele ist es schwer, mit ihrer eigenen Trauer umzugehen, sie anzunehmen, aber auch gleichzeitig noch Momente ohne Traurigkeit zu erleben. Und oft erleben Trauernde eine absolute Hilflosigkeit in ihrem sozialen Umfeld.

„Eltern trauern oft im Heimlichen um ihr Kind.“

Simone Miklis, Pastoralreferentin

Ich glaube, viele von uns haben es einfach nicht gelernt oder es verlernt, mit Trauernden umzugehen, ihnen ihre Trauer und ihren Ausnahmezustand zuzugestehen, aber ihnen gerade deshalb nicht aus dem Weg zu gehen, sondern sie weiterhin ins Leben zu integrieren. Ja, ich erlebe Trauernde oft in einer gewissen Not, denn es fehlt ihnen ihre alte Normalität, aber es fehlen ihnen auch Gesprächspartner, die sich auf sie einlassen und die wissen, dass Trauer nicht irgendwann nach dem Ablaufen einer gewissen Frist abgehakt ist.

Im Laufe des letzten Jahres ist eine bestimmte Gruppe von Trauernden noch einmal in meinen Fokus geraten. Denn Ende letzten Jahres haben wir auf unserem katholischen Friedhof in Ohligs ein Feld für Sternenkinder eröffnet. Und im Zuge dessen bin ich einigen Eltern begegnet, deren Kinder schon vor oder während der Geburt verstorben und nun dort begraben wurden. Diese Eltern trauern oft im Heimlichen um ihr Kind. Weil sie vielleicht ihrem Umfeld noch gar nichts von der Schwangerschaft erzählt haben, oder weil sie böse Bemerkungen vermeiden wollen, die sich teilweise die Eltern auch heutzutage noch anhören müssen.

Vielen ist nicht klar, dass sie in Ruhe und ganz individuell von ihrem Kind Abschied nehmen können. Genau dafür haben wir das Sternenkinderfeld errichtet. Es soll ein Ort sein, an dem die Eltern trauern können. Der Verlust, den sie erlebt haben, soll einen Platz haben, ganz real, aber auch in ihrem Herzen. Zum Sternenkinderfeld können aber auch alle kommen, deren Kinder nicht dort bestattet wurden, die aber gerne eine Anlaufstelle hätten, an der sie an ihr verstorbenes Kind denken.

Ein paar Eltern habe ich am Samstag getroffen, als ich ausgestattet mit Schaufel, Harke und Gartenhandschuhen zur Arbeit gegangen bin. Dort hatten sich viele Menschen verabredet, um das Grab von Unkraut und Laub zu befreien. Für die Eltern ist es ein schöner Ort geworden. Das Sternenkinderfeld ist nicht mehr nur ein Ort der Trauer, sondern auch der Begegnung.

Ihre Simone Miklis

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