Masterplan

Städtisches Klinikum investiert 120 Millionen Euro 

Das Haus G des Städtischen Klinikums, rechts des Haupteingangs gelegen, ist nicht wirtschaftlich zu sanieren. Es wird abgetragen und durch einen Neubau ersetzt, der die Gebäude besser vernetzen soll.
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Das Haus G des Städtischen Klinikums, rechts des Haupteingangs gelegen, ist nicht wirtschaftlich zu sanieren. Es wird abgetragen und durch einen Neubau ersetzt, der die Gebäude besser vernetzen soll.

Zwei Drittel fließen in einen Neubau: Das Haus strukturiert um und schließt betriebsbedingte Kündigungen aus.

Von Björn Boch

Solingen. 120 Millionen Euro will das Städtische Klinikum Solingen bis 2025 investieren. Allein rund 80 Millionen Euro sollen in einen Neubau fließen, da das bisherige Gebäude G nicht wirtschaftlich zu sanieren sei. Das gaben die Stadt als Gesellschafterin, vertreten durch Oberbürgermeister Tim Kurzbach (SPD) und Gesundheitsdezernent Jan Welzel (CDU), gemeinsam mit den Geschäftsführern des Klinikums, Dr. Martin Eversmeyer (kaufmännisch) und Prof. Dr. Thomas Standl (medizinisch), am Dienstag in einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz bekannt.

Neben Neubau und Sanierungen stehen Investitionen in Medizin- und Informationstechnik an. Alle Fachkliniken bleiben erhalten, allerdings wird es neue Schwerpunkte geben. Stadtverwaltung und Geschäftsleitung des Klinikums haben rund ein Jahr an diesem Masterplan gearbeitet – zusammen mit Führungskräften der Fachabteilungen, dem Betriebsrat, politischen Gremien sowie verschiedenen externen Beratern.

„Alle Abteilungen und Kliniken haben eine Überlebenschance – es muss sich aber einiges ändern.“

Prof. Dr. Thomas Standl, medizinischer Geschäftsführer

Betriebsbedingte Kündigungen wurden am Dienstag ausgeschlossen. Allerdings kündigte Geschäftsführer Martin Eversmeyer an: „Bis zu 100 Vollzeitkräfte sind im Klinikum zusätzlich aufgebaut worden – ohne Leistungssteigerung. Da muss eine Anpassung erfolgen.“ Das werde vor allem Bereiche wie Speisenversorgung, Reinigungsdienst sowie Hol- und Bringdienste betreffen. Medizinische Stellen und Pflegestellen sollen aufgrund des geplanten Ausbaus von Leistungen ebenso wie die Ausbildung eher ausgebaut werden – zumal von einer besseren Finanzierung von Pflegestellen durch Bund und Land auszugehen sei.

Die Wäscherei wird wie geplant aufgegeben, die Mitarbeiter werden in anderen Bereichen eingesetzt. Die Pathologie wird bereits von einer externen Firma betrieben. Radiologie und Labor bleiben in der Verantwortung des Klinikums, werden aber externe Partner erhalten.

Finanziert werden sollen die Investitionen unter anderem durch Kredite von rund 50 Millionen Euro. Grundlage dafür sei ein tragfähiges Geschäftsmodell. „Da wurde in diesem Jahr unter äußerster Kraftanstrengung bereits Außerordentliches geleistet“, betonte OB Tim Kurzbach, der auch eine „nach wie vor ungerechte Gesundheitsfinanzierung in unserem Land“ beklagte. Um so wichtiger sei es, neben dem Klinikum in kommunaler Hand als Ganzes auch defizitäre Bereiche wie die Kinderklinik zu erhalten. Das Klinikum als Maximalversorger sei für die Stadt „unverzichtbar“ – der neue Plan ein „Meilenstein für das Haus“.

Im Falle einer Bürgschaft für den Kredit ans Klinikum müsse die Stadt zwar die Bezirksregierung einschalten. „Wir sind als Gesellschafterin aber deutlich freier, weil wir mit den neuen Plänen die Refinanzierung aufzeigen“, so Kurzbach.

Bereits 2020 seien die Zahlen des Klinikums besser: Es sei nur von einem sehr geringen Defizit auszugehen. Für die Wirtschaftspläne bis 2025 sind schwarze Zahlen, also Gewinne, fest eingeplant, erklärte Eversmeyer. Dem Klinikum, das laut Dezernent Jan Welzel „vor der Zahlungsunfähigkeit“ stand, werde es gelingen, Überschüsse zu erwirtschaften. „Das Team an der Spitze bringt zusammen, was zusammengehören muss: die Finanzierung zu sichern und Entwicklungen aufzuzeigen“, so Welzel. Die Fünf-Jahres-Planung werde eng überwacht.

Neben Krediten und eigenen Überschüssen werde es auch Fördermittel geben. Fest eingeplant seien 30 Millionen Euro vom Land als Zuschuss für den Neubau. Rund 14 Millionen Euro stünden in diesem Jahr von Bund und Land zur Verfügung, die Kliniken in diesem Pandemie-Jahr zusätzlich unterstützen. Weitere rund 6 Millionen Euro stammten aus jährlichen, pauschalen Fördermitteln, die das Klinikum nicht komplett abgerufen habe.

Der Umbruch werde sicher nicht einfach, so der kaufmännische Geschäftsführer Eversmeyer: „Wir bauen auf die Mitarbeiter und die Führungskräfte.“ Sein medizinisches Pendant Thomas Standl blickte in eine „gute Zukunft“, fügte aber hinzu: „Alle Abteilungen und Kliniken haben eine Überlebenschance – es muss sich aber einiges ändern.“

Auch interessant: Im Bettenhaus E werden nach und nach die Stationen umfangreich saniert. Im August konnten Vertreter von Klinikum und Stadtspitze die renovierten Stationen E 42 (Unfallchirurgie) und E 52 (Allgemein- und Gefäßchirurgie) im vierten und fünften Obergeschoss offiziell eröffnen.

Bundesweit häufen sich Meldungen von Mitarbeitern in Krankenhäusern, die aufgrund von Personalnot freiwillig arbeiten gehen – trotz einer Corona-Infektion. In Solingen ist das in den Kliniken noch kein Thema, wohl aber die sogenannte Arbeits- oder Pendlerquarantäne.

Standpunkt: Der große, späte Wurf

Von Björn Boch

bjoern.boch@solinger-tageblatt.de

Das Städtische Klinikum soll von Verlusten, die in den Vorjahren teils mehr als drei Millionen Euro betrugen, nicht nur in die Gewinnzone kommen. Es soll auch umfassend saniert und in vielen Bereichen neu aufgestellt werden. Falls das gelingt, woran die Beteiligten gestern keine Zweifel aufkommen ließen, ist das in der Tat der große Wurf, auf den die Menschen gewartet haben. Die Klingenstadt hängt an ihrem Klinikum. Es ist auch eine gute Nachricht, dass die Vollversorgung erhalten bleibt. Allerdings blieb bei der gestrigen Pressekonferenz der Eindruck hängen, dass der Masterplan spät kommt. Investitionen stauen sich schon länger als ein Jahr, Fördergeld wurde nicht abgerufen, Personal im dreistelligen Bereich zusätzlich aufgebaut. Und es wurde betont, dass das Klinikum „jetzt eine gute Leitung hat“. Heißt: In den Vorjahren war das nicht so. Zu lange gezögert zu haben bei notwendigen Veränderungen: Das ist schon lange ein Vorwurf derer, die in den Gremien keine Mehrheit hatten. Auch der neue kaufmännische Geschäftsführer hatte direkt bei Amtsantritt augenscheinliche Defizite benannt. Er muss nun mit Stadtspitze, Aufsichtsrat und allen im Klinikum beweisen, dass die Wende nicht zu spät kommt. Helfen könnte, dass Gesundheitsversorgung in Zeiten der Pandemie auch bei Bund und Land eine politisch wichtigere Rolle eingenommen hat.

Erstmeldung vom 24. November, 15.40 Uhr: Städtisches Klinikum Solingen präsentiert Masterplan 

Solingen. 120 Millionen Euro: Diese Summe soll in den kommenden Jahren in das Städtische Klinikum Solingen investiert werden. Das gaben die Verwaltungsspitze in Person von Oberbürgermeister Tim Kurzbach (SPD) und Gesundheitsdezernent Jan Welzel (CDU) gemeinsam mit den Geschäftsführern des Klinikums, Dr. Martin Eversmeyer (kaufmännisch) und Prof. Dr. Thomas Standl (medizinisch), bekannt. 

Rund 80 Millionen Euro sollen dabei in einen Neubau fließen - das bisherige Gebäude G sei nicht mehr wirtschaftlich zu sanieren. Außerdem stehen große Investitionen in Medizin- und Informationstechnik an. 

Betriebsbedingte Kündigungen wurden am Dienstag ausgeschlossen, allerdings sei über die Jahre mit Anpassungen in diesem Bereich zu rechnen, vor allem im Servicesektor. Medizinische Stellen und Pflegestellen sollen eher ausgebaut werden. Alle Fachkliniken am Klinikum bleiben erhalten, allerdings wird es teils neue Schwerpunktsetzungen geben. 

Die Wäscherei wird wie geplant aufgegeben, die Pathologie wird bereits von einer externen Firma betrieben. Radiologie und Labor bleiben in der Verantwortung des Klinikums, werden aber Kooperationspartner erhalten. Stadt und Städtisches Klinikum haben rund ein Jahr an diesem Masterplan gearbeitet, der nun in den politischen Gremien beraten werden muss. bjb

(Ausführlicher Bericht folgt)

Auch interessant: Geschäftsführer Dr. Martin Eversmeyer im Interview über den Umbau, schwarze Zahlen und Spitzenmedizin.

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