Mobilitätstag

Stadtwerke bieten neue Gurte für Rollatoren

Hannelore Ohligser hat den Rollator noch nicht so lange. Peter Guck von den Verkehrsbetrieben zeigt ihr den neuen Gurt, damit die Gehhilfe während der Fahrt sicher steht. Foto: Christian Beier
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Hannelore Ohligser hat den Rollator noch nicht so lange. Peter Guck von den Verkehrsbetrieben zeigt ihr den neuen Gurt, damit die Gehhilfe während der Fahrt sicher steht.

Trotz Regen nutzten viele ältere Solinger die Chance, sich auf dem Neumarkt Tipps zu holen.

Von Kathrin Schüller

Freunde sind Hannelore Ohliger und ihr Rollator noch nicht. Die Solingerin, die morgen 87 Jahre alt wird, hat die Gehhilfe erst seit zwei Tagen. Bis zu einer schweren Rückenoperation war sie noch gut zu Fuß unterwegs. „Das ist jetzt schon eine Umstellung“, meint sie, bevor sie sich das erste Mal daran wagt, mit dem Rollator in den Bus zu kommen.

Zum dritten Mal luden die Stadtwerke Solingen am Mittwoch zum Mobilitätstag auf den Neumarkt ein: „Vorsicht an der Bahnsteigkante“. Partner des Verkehrsbetriebs waren unter anderem die Polizei, die Beiräte für Senioren und Menschen mit Behinderungen sowie die Verkehrswacht. Deren Vorsitzender Jürgen Dahlmann zeigte Hannelore Ohliger wie das klappt mit dem Einstieg in den Bus.

Zusammen üben die beiden das Ankippen des Rollators. Dahlmann zeigt ihr, wie die Füße nacheinander aufgesetzt werden, wann die Bremse zum Einsatz kommt. „Das machen wir gleich noch mal, damit es besser wird“, ermuntert er zum zweiten Anlauf. Der klappt. Rund 100 Busse der Stadtwerke sind inzwischen mit Rampen ausgestattet, die vom Fahrer ausgelegt werden.

Neue Haltegurte fixieren den Rollator sicher im Bus

Im Bus muss der Rollator irgendwie befestigt werden. Hannelore Ohliger hat vorgebaut und von zu Hause ein Spanngummi mitgebracht. „Gar nicht schlecht“, kommt sofort das Lob. „Aber wir haben noch etwas Besseres“, sagt Peter Gluck, der Sicherheitsbeauftragte der Verkehrsbetriebe und präsentiert eine Neuheit: Haltegurte, mit denen Rollatoren sicher fixiert werden können (» Kasten).

Wenig später kann ein energisches „Stopp“ Hannelore Ohligser gerade noch rechtzeitig bremsen. Den Rollator vor sich, will die Rentnerin den Bus vorwärts verlassen. „Auf keinen Fall“, warnt Dahlmann, „sondern mit dem Rollator immer rückwärts aussteigen“.

Bei Schwierigkeiten sollten sich Fahrgäste an den Fahrer wenden, ist am Stand der Verkehrsbetriebe zu hören. Anregungen würden in jedem Fall mitgenommen. So wurde unter anderem der Wunsch nach einem Taxi auf Zuruf laut, dass direkt an der Bushaltestelle für den Anschluss sorgt.

Ein paar Schritte weiter absolviert Lothar Schenk den Rollatorparcours. Erst danach macht das Übungsprogramm in Sachen Bus Sinn. Seit eineinhalb Jahren hat Schenk den Rollator schon in seiner Wohnung stehen. „Aber ich habe ihn lange nicht nutzen wollen“, gibt er zu. Das komme häufig vor, sagt Dahlmann. Oft seien die Rollatoren auch gar nicht richtig eingestellt.

Das zeigt auch das Beispiel Schenk. Für den 1,80 Meter großen Senior sitzen die Griffe zu tief. „Sie müssen so gut es geht aufrecht gehen“, sagt Dahlmann. Nachdem die Griffposition optimiert ist, geht Schenk los. Vor dem ersten Hindernis, das eine Gehsteigkante simuliert, gerät der Senior ins Stocken. Zu helfen weiß er sich nur, indem er den Rollator einfach hochhebt. Dahlmann greift ein – „bloß nicht“ – und erklärt, wie es richtig geht, durch Einsatz der Bremsen oder der Kipphilfe.

Trotz des Dauerregens kommen immer wieder Besucher zum Neumarkt. Sie lassen am Stand des Sanitätshauses Köppchen den Rollator oder den Rollstuhl checken und bekommen bei der Stadt Hilfe, wenn es um Papierkram geht. Silke Rampe, Sprecherin der Stadtwerke, ist „überwältigt von der Resonanz“.

SICHERHEIT IM BUS

REGELN Verkehrsexperten empfehlen: Mit Rollator vorwärts ein- und rückwärts aussteigen. In Bussen immer einen Sitz nutzen, nie auf den Rollator setzen. Mit dem Aufstehen warten, bis der Bus angehalt hat. Möglichst einen Platz am Fenster wählen, um sich im Notfall anlehnen zu können. HALTEGURTE Ab heute sind die Gurte für 10 Euro in den Kundencentern der Stadtwerke in Mitte, Kölner Straße 131, und in Ohligs nahe dem Hauptbahnhof, Wilhelmstraße 1, erhältlich.

Zum ersten Mal mit von der Partie ist der Verein „Die Transportbotschafter“. In Solinger Grundschulen haben die Mitglieder besonders mit Blick auf den toten Winkel schon einiges an Aufklärungsarbeit geleistet. Jetzt widmen sie sich vermehrt der Gruppe der Älteren. „Viele Unfälle mit Senioren werden verursacht, weil der tote Winkel unterschätzt wird“, sagt Feuerwehrmann Markus Uebel und zeigt auf die rote Dreiecksfolie. Neben dem großen Truck markiert sie den gefährlichen Bereich, der für den Fahrer nicht einsehbar ist. Grundsätzlich gelte die Regel „Sehen und gesehen werden“. Will heißen: „Der Fahrer kann dich erst sehen, wenn auch du ihn sehen kannst.“

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