Modell keinesfalls gescheitert

Stadtspitze hält an „Solinger Weg“ fest

Noch sind die Stühle in den Schulen hochgestellt. Wie viele kommende Woche wieder genutzt werden, ist unklar. Offen ist auch, ob der „Solinger Weg“ des geteilten Präsenzunterrichts möglich sein wird. Die Stadt wünscht das und glaubt trotz Pannen im Dezember an einen Erfolg. Foto: Christian Beier
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Noch sind die Stühle in den Schulen hochgestellt. Wie viele kommende Woche wieder genutzt werden, ist unklar. Offen ist auch, ob der „Solinger Weg“ des geteilten Präsenzunterrichts möglich sein wird. Die Stadt wünscht das und glaubt trotz Pannen im Dezember an einen Erfolg.

Der digitale Unterricht in den Schulen der Klingenstadt läuft noch nicht optimal.

Von Philipp Müller

Solingen. Am Montag verdichteten sich die Nachrichten, dass der Lockdown für Handel, Gastronomie, Freizeit und Kultur bis zum Monatsende andauern wird. Doch was ist mit den Schulen? Wechselunterricht, also eine Mischform zwischen Unterricht vor Ort und zu Hause über digitale Kanäle, gilt da als ein möglicher Königsweg – seit Herbst auch „Solinger Weg“ genannt. Darauf setzt nach dem 10. Januar, dann enden die Winterferien, auch die Stadtspitze.

Trotz einiger Erfahrungen nach dem schulischen Teil-Lockdown ab 15. Dezember. Damals erreichten das Tageblatt ganz unterschiedliche Nachrichten. Wenige berichteten von einem reibungslosen Zuschalten der Schüler, die am heimischen Küchentisch saßen. Die Mehrzahl der Reaktionen waren Klagen. Server seien zusammengebrochen. Der Bildschirm sei schwarz geblieben. Oder auch: Unterrichtsmaterial habe die Schüler nicht erreicht und konnte nicht ausgetauscht werden.

Das ist auch im Rathaus bekannt. Dass der „Solinger Weg“ ein Selbstläufer sei, habe man nicht erwartet, räumt Oberbürgermeister Tim Kurzbach (SPD) ein – aber das Modell sei keinesfalls gescheitert. Es gehe jetzt darum, schnell aus den Fehlern zu lernen und koordinierter die digitalen Angebote der Stadt einzusetzen.

„Die Digitalisierung der Schulen war nicht auf eine Pandemie ausgerichtet.“
Dagmar Becker, Dezernentin

Im Detail erklärt Schuldezernentin Dagmar Becker (Grüne), woran es an den letzten Schultagen in 2020 gemangelt habe. In der Sitzung Lenkungsgruppe Digitalisierung am 12. November vergangenen Jahres sei beschlossen worden, den Schulen flächendeckend Microsofts MS Teams zur Durchführung von Videokonferenzen zur Verfügung zu stellen. „Eine begrenzte Anwendungsmöglichkeit bestand bereits seit dem ersten Lockdown im Frühjahr 2020 dadurch, dass wir Office 365 zur Verfügung gestellt haben“, ergänzt die Dezernentin.

Doch schon vor dem 15. Dezember sei es anders gekommen. Einige Schulen hätten datenschutzrechtliche Bedenken gehabt, diese Plattform zu nutzen. Um die Nutzung von MS Teams zu forcieren, habe die Stadt daher am 15. Dezember die Schulleitungen und IT-Beauftragten der Schulen per Videokonferenz zu dieser Frage eingeladen. Ein Fachanwalt habe darin dargelegt, dass die Nutzung dieses Tools selbst im Rahmen der europäischen Datenschutzgrundverordnung unbedenklich sei. „Ein entsprechendes Gutachten werden wir den Schulen in nächster Zeit zur Verfügung stellen“, versichert Dagmar Becker.

So sei nach dem 15. Dezember die Plattform Sdui eingesetzt worden. Auch das Koblenzer Start-up bietet Videokonferenzen an. Doch dessen Server konnten den Ansturm nicht bewältigen. Dazu erklärt Becker, dass die Sdui-Plattform „zum unkomplizierten Austausch und zur direkten Information von Eltern, Lehrkräften und Schülern“ gedacht sei und nicht für digitalen Unterricht. Da solle MS Teams zum Einsatz kommen.

OB Kurzbach verweist aber auch auf ein Dilemma der Stadt. Zwar könne die Stadt die digitale Infrastruktur bis hin zu den 10 000 Lizenzen für MS Teams zur Verfügung stellen und das Angebot machen, die Server des städtischen Dienstleisters it-regio zu nutzen. Doch welche Inhalte darüber wann verbreitet werden, sei als Träger der Unterrichtsdurchführung letztlich Sache das Landes und damit der Schulen selbst.

Kurzbach räumt ein, dass wenige Solinger Schulen aus dem gemeinsamen Weg, der am 27. Oktober mit den Schulen besprochen wurde, um vereint zu agieren, ausgeschert seien. Dem pflichtet Becker bei und sagt: „Ein wesentlicher Schritt ist aus meiner Sicht eine adäquate Fortbildung der Lehrkräfte. Inwieweit und wie derzeit digital unterrichtet wird, hängt noch stark von Engagement der Schule und der Affinität der Lehrkräfte ab“, erklärt die Dezernentin.

Wichtig sei jetzt, Erfahrungen zu sammeln und Möglichkeiten zu erproben und zu verbessern. Grundsätzlich gelte aber zur Digitalisierung der Solinger Schulen und dem bisher Umgesetzten: „Das war auch nicht auf eine Pandemie ausgelegt, mit der wir alle nicht rechnen konnten, sondern darauf, dass gutes, zeitgemäßes, digitales Unterrichten möglich wird.“

Glasfasernetz und Wlan in Schulen

Sachstand: Zur Versorgungssituation mit Glasfaseranschlüssen und dem Funknetz Wlan an den Solinger Schulen berichtet Dezernentin Dagmar Becker: „Alle Solinger Schulen sind ans Glasfasernetz angeschlossen. Coronabedingt konnte die endgültige Fertigstellung, das heißt die Versorgung mit Wlan, nicht an allen Schulen bis zum Jahresende 2020 erfolgen. Die fehlenden acht Schulen werden im ersten Quartal 2021 fertiggestellt. Zwei weiterführende Schulen, die über eigene Systeme verfügen und bereits digital unterrichten können, werden in diesem Zeitraum in das bereits aufgebaute System integriert. Damit wird ihr Standard deutlich verbessert. Alle weiterführenden Schulen sind aber bereits in der Lage, digital zu unterrichten.“

Auch der Datenschutz sorgt für Probleme

Der Solinger Weg in der Schulpolitik wäre aus Sicht der CDU-Ratsfraktion ein guter Weg, das Infektionsrisiko in den Schulen zu senken.

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