Digitaler Vortrag

Stadtarchivar sprach über „Das rote Solingen“

Ralf Rogge beleuchtete das linke Solingen ab 1870. Foto: Christian Beier
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Ralf Rogge beleuchtete das linke Solingen ab 1870.

Ralf Rogge war Gast der Bergischen Volkshochschule.

Von Philipp Müller

Am 21. Januar 1930 wähnte sich die Solinger KPD (Kommunistische Partei Deutschlands) am Ziel. Mit Hilfe der SPD war der KPD-Funktionär Hermann Weber im Stadtrat zum Oberbürgermeister der erst wenige Monate alten Stadt Groß-Solingen gewählt worden. „Damit war Weber der bis heutige einzige Kommunist, der in einer Stadt demokratisch zum Stadtoberhaupt gewählt worden war“, erklärte dazu Ralf Rogge. Der Historiker und Leiter des Stadtarchivs hielt auf Einladung der Bergischen Volkshochschule (VHS) einen digitalen Vortrag zum Thema „Das rote Solingen“.

Doch Rogge goss auch sofort Wasser in den Wein der kommunistischen Glückseligkeit. Denn die SPD hatte im Ränkespiel der Macht auf das preußische Innenministerium gesetzt. Dieses kassierte die Wahl Webers und setzte schließlich Josef Brisch – von der SPD – als OB ein. Das blieb er bis zu seiner Entmachtung durch die Nazis am 10. März 1933.

50 Jahre industrieller Nährboden für starke Arbeiterbewegung

Dem KPD-Höhepunkt 1930 sei eine rund 50-jährige Entwicklung des „roten Solingens“, vorausgegangen. Beginnend mit den Arbeitervereinen und Gewerkschaften in den 1870er Jahren und dem Aufstieg Solingens zum Weltmarkführer der Stahlwarenindustrie in den 1890er Jahren sei der Nährboden für eine starke SPD entstanden, erklärte Rogge in seinen detaillierten Ausführungen. Die SPD habe vor dem Ersten Weltkrieg bereits mehr als 60 Prozent der Stimmen bei Wahlen geholt.

Dann aber hätte sie sich ab 1914 über die Frage der Kriegsfinanzierung zerlegt: Die SPD spaltete sich. Die Solinger Akteure schlossen sich der linken Seite an. Die USPD übernahm in Solingen das Ruder – auch der berühmte für Solingen im Reichstag sitzende Philipp Scheidemann, der 1918 in der Novemberrevolution die Republik ausrief, wurde vor Ort ausgebremst und nicht mehr erhört, erläuterte Rogge.

Befeuert und dokumentiert worden sei diese Entwicklung von der „Bergischen Arbeiterstimme“. Die genossenschaftlich organisierte Zeitung wurde in den frühen 1920er Jahren auch Sprachrohr der KPD, die nach allen Machtkämpfen der Linken in Solingen stärkste politische Kraft wurde. Daran änderten auch der Niedergang der Weltmarktführerschaft der Stahlindustrie und harte, im Ergebnis wirkungslose Streikaktionen nichts.

Welche Zäsur die Weltwirtschaftskrise in Solingen brachte und warum im Jahr 1932 die Nazis bereits 30 Prozent der Stimmen in Solingen holten – das will Rogge in einem weiteren Vortrag untersuchen.

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