Innenstadt

Stadt will Verkehr in der City neu regeln

Von der Kölner Straße und dem Neumarkt (im Hintergrund) wurde der Durchgangsverkehr vor Jahren verbannt. Jetzt gibt es Ideen, diesen Bereich weiter zu beruhigen.
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Von der Kölner Straße und dem Neumarkt (im Hintergrund) wurde der Durchgangsverkehr vor Jahren verbannt. Jetzt gibt es Ideen, diesen Bereich weiter zu beruhigen.

Politiker diskutieren über die Situation am Neumarkt.

  • Die Stadtverwaltung in Solingen erarbeitet zurzeit ein umfangreiches Mobilitätskonzept.
  • Die Ideen der Grünen sehen eine weitgehende Beruhigung für den Bereich rund um den Neumarkt vor.
  • Gegenwind kommt von der CDU und der FDP.

Von Andreas Tews

Solingen. Eine Neuordnung des Verkehrs in der Solinger Innenstadt ist mehr als ein Wahlkampfthema. Darin sind sich die Vertreter aller Fraktionen des Stadtrats einig. Wie die Verkehrsführung rund um den Neumarkt am Ende aussehen könnte, ist aber umstritten. Die Ideen reichen von einer weitgehenden Verkehrsberuhigung des zentralen Platzes bis zu einer grundlegenden Reform der Verkehrsströme in der gesamten Stadt. Mehr Klarheit soll ein umfassendes Mobilitätskonzept bringen, das von der Stadtverwaltung erarbeitet wird.

Die Diskussion um den Innenstadt-Verkehr war aufgekommen, nachdem die Stadt-Sparkasse ihre Neubaupläne für eine neue Hauptstelle am Neumarkt veröffentlicht hatte. Obwohl es zunächst nur um eine Bauleitplanung ging, die den Rahmen für den Neubau vorgibt, diskutierten die Politiker in der Bezirksvertretung Mitte und im Ratsausschuss für Stadtentwicklung mehr über den Verkehr rund um den geplanten Neubau, als um das Millionenprojekt selbst.

Die Verwaltung stellte als Diskussionsgrundlage mehrere Varianten vor. Ihnen ist gemeinsam, dass die Max-Leven-Gasse künftig verbreitert und in beide Richtungen befahrbar sein soll, die Peter-Knecht-Straße hingegen weitgehend vom Neumarkt abgebunden werden soll. Wie der Verkehr künftig genau gelenkt werden soll, ist noch nicht klar. Bei allen Varianten müssten auch die Auswirkungen auf die Straßen im weiteren Umfeld berücksichtigt werden, erklärte der zuständige Stadtdienst.

Pünktlich zur heißen Phase des Kommunalwahlkampfs stellten die Grünen jetzt Ideen für den Neumarkt vor. Die sehen eine weitgehende Beruhigung der Straßen rund um den Neumarkt – unter anderem mit Schritttempo für den rollenden Verkehr vor. Die Autofahrer, die vom Ufergarten in Richtung Parkhaus Hofgarten fahren, wollen sie über die Kölner Straße, Friedrichstraße und Weyerberger Straße lenken. Besonders berücksichtigen wollen die Grünen-Politiker Juliane Hilbricht und Dietmar Gaida die Interessen der Radfahrer und Fußgänger. Sie wollen die Aufenthaltsqualität auf dem Neumarkt steigern – und so unter anderem mehr Gastronomie ermöglichen. Für die Idee, den Neumarkt zu beruhigen, erhalten die Grünen vor allem von der Linkspartei Zustimmung. Deren Sprecher Erik Pieck fordert Vorrang für den Rad- und Fußverkehr.

Scharfe Kritik kommt von der CDU. Den Verkehr durch Beschränkungen vom Neumarkt „quasi zu verbannen“, würde sowohl Einzelhändlern, Gastronomie, Gewerbetreibenden und Arztpraxen als auch deren Kunden und Patienten das Leben unnötig erschweren, bemängeln die CDU-Politiker Waldemar Gluch und Carsten Becker. Eine bessere Aufenthaltsqualität ließe sich nach ihrer Meinung auch ohne die vorgeschlagenen Beschränkungen erreichen.

Diese Haltung teilt die FDP. Mit der von den Grünen geforderten Beruhigung des Neumarkts könne der Handel in der Innenstadt nicht überleben. Der Erarbeitung eines Verkehrskonzepts für die City will sich der FDP-Fachpolitiker Dieter Wagner aber nicht verschließen. Dies müsse von Fachleuten erstellt werden.

In diesem Zuge sollte die Innenstadt als Ganzes betrachtet werden, fordert die SPD-Verkehrspolitikerin Ramona Engels. Sie gibt auch zu bedenken, dass Verkehr nicht nur Autoverkehr sei. In der Diskussion sollten auch Ideen berücksichtigt werden, die Fußwegverbindung zwischen Hofgarten und Clemens-Galerien neu zu gestalten.

Noch weiter geht BfS-Fraktionsvorsitzender Jan Michael Lange. Er spricht sich für ein Verkehrskonzept aus, das sich auf das gesamte Stadtgebiet beziehe. Dies gehe nur zusammen mit Diskussionen über Kreisverkehre, Ampeln und den Öffentlichen Personennahverkehr. Einig ist er sich mit allen darin, dass den Beteiligten keine leichte Debatte bevorsteht.

Neubau der Stadt-Sparkasse am Neumarkt

Fakten: Der geplante Neubau der Stadt-Sparkasse zwischen Neumarkt, Kölner Straße, Peter-Knecht-Straße und Max-Leven-Gasse soll die Hauptstelle des Geldinstituts, weitere Büroflächen und Wohnungen enthalten.

Zufahrten: Weil der Neubau von der bisher in diesem Bereich überbauten Fläche abweichen soll, schlägt die Stadtverwaltung vor, die bisher schmale Max-Leven-Gasse so auszubauen, dass sie in beide Richtungen befahrbar sein wird und die Peter-Knecht-Straße am Neumarkt abzubinden. Neu geregelt werden müssen nicht nur die jeweiligen Abbiege-Regelungen, sondern auch die Zufahrt zur geplanten Sparkassen-Tiefgarage.

Standpunkt

andreas.tews@solinger-tageblatt.de

Ein Kommentar von Andreas Tews

Die Verkehrssituation in der Innenstadt bietet seit Jahren Stoff für ausführliche Diskussionen. Viele Autofahrer empfinden die Verkehrsführung als Zumutung, nicht wenige Fußgänger sehen sich trotz aller Beruhigungsversuche einem recht starken Auto-Verkehrsaufkommen ausgesetzt, und Fahrradfahrer trauen sich ohnehin nur selten in die City. Allen zu 100 Prozent gerecht zu werden, wird nicht gelingen. Aber fast allen ist klar, dass es nicht so bleiben kann, wie es ist. Angesichts der geplanten Neubauprojekte am Neumarkt und auf dem Evertz-Gelände und nicht zuletzt wegen der angestrebten Neuausrichtung der Innenstadt mit weniger Handel und mehr Wohnen, bietet sich eine Neuordnung der Verkehrssituation geradezu an. Allerdings haben die bisherigen Überlegungen noch zu viele unbekannte Größen.

Ein neues Verkehrskonzept muss deswegen gut durchdacht sein. Schnellschüsse oder ein Klein-Klein darf es genauso wenig geben wie Denkverbote. Die fünf Jahre nach der Wahl sollten Politik und Verwaltung nutzen, um den angestrebten „großen Wurf“ auf den Weg zu bringen.

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