Zahlen entwickeln sich erfreulich nach unten

Solingen wagt vorsichtigen Blick auf Lockerung

Die Kirche St. Clemens in Solingen Mitte.
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Die Kirche St. Clemens in Solingen Mitte.

Fragebogen-Aktion bei Genesenen soll Erkenntnisse über Covid-Langzeitfolgen bringen.

Solingen. Am heutigen Freitag treten – nach fünf Werktagen unter einer Corona-Inzidenz von 150 – erste Lockerungen in Kraft, etwa die Öffnung von Geschäften, in denen mit Termin und Test, Impf- oder Genesenennachweis eingekauft werden kann. Und Solingen darf auch einen vorsichtigen Blick auf die nächste Stufe der Lockerungen werfen. Bleibt die Inzidenz, wie am Mittwoch und gestern, insgesamt fünf Werktage unter dem Schwellenwert von 100, so gäbe es am dann übernächsten Tag weitere Lockerungen. Das könnte frühestens kommenden Donnerstag der Fall sein – wenn alles gut läuft.

„Die Zahlen entwickeln sich derzeit erfreulich nach unten. Aber das ist noch keine Gewissheit“, mahnte Oberbürgermeister Tim Kurzbach (SPD) gestern bei der digitalen Pressekonferenz der Stadt. „Die anstehenden Feiertage dürfen uns nicht zu Leichtsinnigkeit verführen.“

In einem nächsten Schritt würde dann die nächtliche Ausgangsbeschränkung zwischen 22 und 5 Uhr wieder entfallen. Zudem stünden Lockerungen bei den Kontaktbeschränkungen an. Bis zu fünf Personen aus zwei Haushalten (plus Kinder bis 14 Jahre) könnten sich wieder treffen. Dazu kämen Öffnungen im Handel, in der Außen-Gastronomie und in Hotels.

„Bei alledem gilt aber weiter das 3-G-Prinzip“, betont Ordnungsdezernent Jan Welzel (CDU), also die Voraussetzungen „genesen, geimpft oder getestet“. Als Impfnachweis gilt der Eintrag im Impfbuch – neben dem gelben Impfpass natürlich auch Einträge in älteren Impfbüchern – sowie Ersatzbescheinigungen. Die derzeit noch 24 Stunden gültigen Testergebnisse sind dann 48 Stunden lang gültig.

Solingen: Ordnungsamt will mit Augenmaß kontrollieren

Auch könnten bis zu 20 Personen draußen wieder kontaktfrei Sport treiben und die Freibäder zumindest die Schwimmer-Becken wieder öffnen – eine detaillierte Übersicht über die Regeln unter einer Inzidenz von 100 veröffentlicht das ST in der nächsten Woche. Man sei für die Umsetzung der neuen Regeln „gut gerüstet“, betont Guido Baron-Buß vom Ordnungsamt, und werde „mit Augenmaß kontrollieren“.

Der Rückgang der Inzidenzzahl und der aktuell Infizierten lässt die Stadt aber nicht die 9067 Menschen aus dem Blick verlieren, die an Covid-19 erkrankt waren. Den wieder Genesenen hat das Gesundheitsamt jetzt einen ausführlichen Fragebogen unter dem Motto „Wie geht es Ihnen jetzt?“ zugeschickt. „Der Brief wurde zusammen mit dem Laborbefund versandt, der für diese Menschen ja ein wichtiges Dokument bei anstehenden Lockerungen ist“, erklärt Dr. Annette Heibges, Leiterin des Stadtdienstes Gesundheit.

Fragen zu Umfang und Verlauf der Krankheit werden darin gestellt. „Vor allen Dingen geht es uns aber darum zu erfahren, ob und in welchem Umfang Menschen noch unter Spätfolgen, dem sogenannten Long-Covid, leiden“, so Heibges. „Wir möchten wissen, wie es ihnen geht.“ Schon 700 Fragebögen sind ausgefüllt zurückgekommen. „Das ist ein gutes Ergebnis, ich hoffe aber, dass noch mehr Solinger die Fragen beantworten“, so Heibges. Nach Auswertung der Antworten wolle man abklären, ob die Ergebnisse statistisch veröffentlicht werden. Zudem möchte die Stadt daraus auch ableiten, ob beispielsweise spezielle Sport- oder Rehaangebote für diese Gruppe vorgehalten werden müssen.

Aktuell bleibe die Situation auf den Corona-Stationen der Kliniken weiter „vorsichtig entspannt“. 27 Solinger werden derzeit stationär behandelt, zusammen mit Auswärtigen sind derzeit 50 Corona-Patienten in den drei Kliniken, 22 davon auf der Intensiv- und 28 auf der Isolierstation.

Bei den ausgewerteten positiven Testergebnissen liegt der Anteil der Mutationen bei 89 Prozent, die meisten davon die britische Mutation. „Die indische Variante ist in Solingen noch nicht nachgewiesen worden, aber drei zusammengehörende Personen mit der peruanischen Variante“, skizziert Dr. Annette Heibges die aktuelle Situation.

Standpunkt: Sieg nicht verstolpern

Von Simone Theyßen-Speich

simone.theyssen-speich@solinger-tageblatt.de

Inzidenzzahlen, Schwellenwerte für Lockerungen und unzählige Regeln mit noch mehr Details, die derzeit noch oder bald wieder gelten werden – den Überblick zu behalten, was man wann darf und was nicht, ist derzeit nicht einfach. Dabei ist der Wunsch vieler Solinger nach kleinen Schritten hin zu mehr Freiheiten deutlich spürbar – bei Diskussionen im Privaten ebenso wie bei Verhandlungen um Impftermine. Der Blick Richtung Sommer macht Hoffnung, weckt aber auch Begehrlichkeiten. Ein Bier im Biergarten, Sport unter freiem Himmel oder ein Museumsbesuch, das alles könnte – wenn auch zunächst nur mit Test-, Impf- oder Genesenen-Nachweis – bald schon wieder möglich sein. Gelingen werden diese kleinen Schritte hin zu mehr Freiheiten aber nur dann, wenn nicht alle auch alles, was irgendwie möglich ist, wieder bis an die Grenzen – oder darüber hinaus – ausnutzen. Kurz vor der Zielgeraden den Sieg jetzt noch zu verstolpern, wäre für alle ein Desaster. Es gilt also weiterhin, vorsichtig zu sein, sich über kleine Schritte zu freuen und diese zu genießen und das große Ziel für uns alle weiterhin im Blick zu behalten.

Welche Beschränkungen wegen des Coronavirus gelten aktuell in Solingen? Das haben wir für Sie in einem Artikel zusammengefasst, den Sie hier finden: Ein Überblick über die Corona-Regeln in Solingen.

Sie wollen einen Corona-Schnelltest machen? Hier finden Sie in Solingen die Kontaktdaten und Adressen der Praxen, Apotheken und Testcenter.

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