Flüchtlinge

Stadt sucht verstärkt Wohnraum für Ukrainer

51 Geflüchtete sind aktuell in den Wohncontainern am Roten Esel untergebracht.
+
51 Geflüchtete waren im Mai in den Wohncontainern am Roten Esel untergebracht.

Bereitschaft der Solinger für die Aufnahme Geflüchteter aus dem Kriegsland habe leicht nachgelassen.

Von Kristin Dowe

Solingen. Die Stadt wirbt derzeit verstärkt dafür, Wohnungen für geflüchtete Menschen aus der Ukraine oder anderen Ländern zur Verfügung zu stellen. Sei die Bereitschaft dazu zu Beginn des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine noch sehr groß gewesen, lasse sie inzwischen etwas nach, berichtet Rathaussprecher Thomas Kraft auf ST-Anfrage. „Es ist ratsam, über gewisse Reserven zu verfügen, denn je nach Kriegsverlauf und mit Blick auf den Winter kann sehr schnell weiterer Bedarf entstehen.“

Passend dazu: Ukrainerin in Solingen: „Wir sind Deutschland sehr dankbar“

Trotz zahlreicher positiver Erfahrungen bei der Aufnahme geflüchteter Menschen erhalte die Stadt zuweilen auch Rückmeldungen zu Problemen. Hierzu gehörten etwa Platzmangel und eine „generelle Überforderung der Aufnehmenden durch hohen Betreuungsbedarf“, so Kraft. Zudem sei die Unterbringung in einzelnen Fällen nur für einen begrenzten Zeitraum vorgesehen gewesen. Eine weitere Herausforderung für die Stadt bestehe darin, dass diese an das vorhandene Angebot gebunden sei, das nicht immer dem individuellen Bedarf entspreche. „Dabei ist zudem zu berücksichtigen, dass die angebotene Wohnung zu einem angemessenen Mietpreis angeboten werden muss, der sich am Solinger Mietpreisspiegel orientiert.“

Derweil sei die Hilfsbereitschaft der Solingerinnen und Solinger gegenüber den geflüchteten Menschen aus der Ukraine nach wie vor enorm. „Oftmals werden die aufgenommenen Menschen im Alltag und im Haushalt als Bereicherung empfunden“, berichtet Kraft. Auch für die gute Unterstützung und Beratung durch Wohlfahrtsverbände, Ehrenamtliche und städtische Angebote gebe es für die Verantwortlichen viel Lob – etwa mit Blick auf die Vermittlung von Wohnungen: So sei es den Beschäftigten im Stadtdienst Soziales gelungen, rund 560 Menschen in Wohnungen zu vermitteln.

Großteil der Geflüchteten istin Wohnungen untergebracht

Aktuell sind laut Rathausangaben 1232 Geflüchtete aus der Ukraine in Solingen gemeldet – zwischen dem 7. März und dem 1. August seien 1330 Personen in der Klingenstadt registriert worden. Ein Teil der 98 verbleibenden Personen sei wieder in die Ukraine zurückgekehrt, in anderen Fällen habe man aufgrund von Mehrfacheintragungen Datensätze bereinigen müssen, erklärt Thomas Kraft die Zahlen.

Neben den in Wohnungen vermittelten Geflüchteten seien aktuell gut 300 weitere Personen in städtischen Unterkünften untergebracht. Geschätzt 370 weitere Menschen haben sich entweder selbst Wohnraum organisiert oder wurden privat von Solingerinnen und Solingern aufgenommen oder vermittelt. Über eine exakte Zahl verfügt die Stadt bei dieser Gruppe nicht.

Lesen Sie auch: Vier Häuser für Geflüchtete: Initiative sorgt für Wohnraum

Wenngleich sich die Zahlen nicht mehr mit den ersten Wochen vergleichen ließen, kämen weiterhin Menschen nach Solingen – an den Meldetagen würden zwischen einer und 15 Personen registriert.     Neben der Nachfrage nach Wohnraum sehen Hilfsorganisationen auch einen wachsenden Bedarf an materiellen Gütern wie etwa Haushaltsgegenständen. „Wir laufen leer“, sagt Stefan Nippes, stellvertretender Kreisgeschäftsführer des DRK-Kreisverbandes Solingen, über die Kleiderkammer in Mitte. Kleidung, Töpfe, Pfannen und Haushaltsgeräte würden dringend benötigt. Gut erhaltende Stücke könnten von Montag bis Freitag, von 8 bis 13 Uhr, an der Burgstraße 105 abgegeben werden.

Hilfsinitiative: Eine Abgabe von Hilfsgütern ist bei der privaten Hilfsorganisation „Gräfrath hilft“ donnerstags von 14 bis 16 Uhr in den Räumen an der Schulstraße 2 möglich. Info unter Tel. 01 60 95 61 20 78 oder: graefrath.hilft@t-online.de

Standpunkt von Kristin Dowe: Probleme ansprechen

kristin.dowe@solinger-tageblatt.de

Eines vorweg: Die Hilfsbereitschaft, die Solingerinnen und Solinger in den vergangenen Monaten gegenüber den geflüchteten Menschen aus der Ukraine an den Tag gelegt haben, verdient größten Respekt. Neben Spenden haben sich viele in besonderer Weise für die vornehmlich Frauen und Kinder eingesetzt, indem sie Familien bei sich aufnahmen und großzügig Wohnraum zur Verfügung stellten.

Es ist nur menschlich und ganz normal, dass es einige Monate nach dem ersten Andrang im März auch organisatorische Probleme geben kann. Ob und wie lange die Geflüchteten untergebracht werden können, hängt vor allem von der individuellen Lebenssituation der jeweiligen Gastgeber ab. Auch ist der Betreuungsbedarf für die Neuankömmlinge nicht zu unterschätzen.

Umso wichtiger ist es, Probleme offen anzusprechen, um für alle Seiten eine zufriedenstellende Lösung zu finden. Wer einmal Menschen wie die Ukrainerin Olena Semerenska kennengelernt hat, weiß, wie dankbar die Betroffenen sind – und wie viel ihnen die Hilfe bedeutet.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Strom und Gas: Stadtwerke werden Preise erhöhen
Strom und Gas: Stadtwerke werden Preise erhöhen
Strom und Gas: Stadtwerke werden Preise erhöhen
Solinger bei Unfall in Haan schwer verletzt
Solinger bei Unfall in Haan schwer verletzt
Solinger bei Unfall in Haan schwer verletzt
Ordnungsdienst in Solingen wird neu organisiert
Ordnungsdienst in Solingen wird neu organisiert
Ordnungsdienst in Solingen wird neu organisiert
Gemischte Bilanz zur Corona-Impfpflicht in Solingen
Gemischte Bilanz zur Corona-Impfpflicht in Solingen
Gemischte Bilanz zur Corona-Impfpflicht in Solingen

Kommentare