Betreuung

Stadt Solingen will Kita-Ausbau beschleunigen

Bei der Einweihung der neuen Kita herrschte fröhliche Stimmung.
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Bei der Einweihung der neuen Kita am Argonner Weg herrschte vergangene Woche fröhliche Stimmung.

Das Rathaus will innerhalb von drei Jahren 490 neue Kindergartenplätze schaffen – 1000 werden benötigt.

Von Andreas Tews

Rund 750 Kinder stehen derzeit auf der Warteliste für einen Solinger Kindergartenplatz. Und der Bedarf wird laut Christoph Steinebach noch steigen. Rund 1000 neue Plätze will der städtische Abteilungsleiter mittelfristig schaffen. Eine spürbare Entlastung verspricht er ab dem Kindergartenjahr 2023/24.

Steinebach sieht die Ausbauplanung des Jugendamtes trotz etlicher Hindernisse auf einem guten Weg. In den Kindergartenjahren 2023/24 und 2024/25 will er neue Kitas mit 490 Plätzen bauen lassen. Im folgenden Kita-Jahr sollen es 140 sein. Auch Vorläufergruppen sollen bereits vor Fertigstellung neuer Einrichtungen Entlastung bringen.

Der Bedarf an 1000 Plätzen ist seit Monaten bekannt. Zuletzt hatten die Grünen mehr Tempo beim Ausbau der Kinderbetreuung gefordert. Stadtdirektorin Dagmar Becker (Grüne) warb am Mittwoch gegenüber Pressevertretern um Verständnis. Viele Städte seien von den steigenden Kinderzahlen überrascht worden.

Hindernisse: Derzeit laufen laut Becker viele Gespräche mit möglichen Betreibern und Investoren, die Kitas bauen. Allerdings tun sich nach ihren Angaben auch immer wieder Hindernisse auf. So seien in Solingen keine Grundstücke mehr zu finden, auf denen ein Kindergarten leicht zu realisieren sei. Zudem klage die Baubranche über Lieferkettenprobleme und dadurch über Verzögerungen, ergänzte Steinebach. Auch Bedenken von Anwohnern über Kitas in ihrer Nachbarschaft seien zu beachten. Ist eine Kita fertig gebaut, drohe ein neues Problem: Es sei schwer, Personal zu finden. Die Träger haben laut Steinebach reagiert und bilden inzwischen in jeder zweiten Gruppe aus. Insgesamt seien 140 Nachwuchskräfte in der Ausbildung. Auch im Mildred-Scheel-Berufskolleg werden laut Becker seit Jahren Erzieherinnen ausgebildet.

Ausbau in Kitas und Tagespflege: Trotz aller Schwierigkeiten verfolge die Verwaltung das Ziel, 10 bis 14 neue Kindertagesstätten bauen zu lassen, erklärte Steinebach. Außerdem solle die Tagespflege ausgeweitet werden.

Mitte: Die meisten Kita-Plätze (447) werden nach Steinebachs Angaben in Solingen-Mitte benötigt. Anfang 2024 soll eine neue Kita der Diakonie an der Margaretenstraße mit fünf Gruppen eröffnen. Sechs Gruppen sollen es im August 2023 in einer Einrichtung des Frankfurter Trägers Bethanien an der Schwabenstraße sein. Zudem zieht die Kita vom Altenberger Weg im Oktober 2023 mit sechs Gruppen in einen Neubau auf der anderen Straßenseite am Höher Weg um. Mittelfristig werden in Mitte noch drei weitere Einrichtungen mit sieben Gruppen angestrebt.

Ohligs/Aufderhöhe/Merscheid: Für das erste Quartal 2023 strebt die Verwaltung die Eröffnung der Kita einer Elterninitiative am Kuckesberger Weg (eineinhalb neue Gruppen) an. Im August nächsten Jahres soll eine Einrichtung des Paritätischen mit vier Gruppen am Goldberger Weg folgen. Die Diakonie lässt an der Hochstraße für vier, die Stadt an der Schwanenstraße für zwei Gruppen bauen. Beide Kitas sollen im übernächsten Jahr eröffnen. Zwei weitere Kindergärten mit vier Gruppen sind in Planung.

Burg/Höhscheid: Bereits eröffnet ist die Kita der Awo am Argonner Weg. Dort wurden zum April vier neue Gruppen geschaffen. Zudem strebt das Rathaus den Neubau der Burger Kita an. Sie soll in städtischer Trägerschaft ab Frühjahr oder Sommer 2024 drei statt zuvor zwei Gruppen bieten. Eine weitere Kita mit vier Gruppen werde darüber hinaus im Stadtbezirk benötigt.

Wald und Gräfrath: Vier neue Gruppen sind ab August 2023 an der Wuppertaler Straße vorgesehen. Auch an der Rembrandtstraße und am Klinikum sollen es jeweils vier sein. Die Eröffnung ist in beiden Fällen für 2024/25 geplant. Zwei Kitas mit zusammen acht Gruppen sollen ab 2025/26 am Nümmener Feld (unter anderem Awo) sein. In Gräfrath werden darüber hinaus keine, in Wald eine weitere Kita mit zwei Gruppen angepeilt.

Entlastung sollen unter anderem Vorläufergruppen bringen. In denen können Träger laut Christoph Steinebach vom Jugendamt Gruppen für Kitas, die noch im Bau sind, langsam hochfahren. Insgesamt gibt es sechs solcher Gruppen an den Standorten Fürker Irlen, Beethovenstraße und Elsa Brändström-Straße. Weitere Gruppen sind in Planung.

Standpunkt von Andreas Tews: Tempo ist gefragt

andreas.tews@solinger-tageblatt.de

Wenn 750 Kinder auf einen Kindergartenplatz warten, bedeutet dies, dass ein halber Jahrgang nicht versorgt ist. Das ist definitiv zu viel. Und der Bedarf wird nach den Zahlen der Stadtverwaltung noch wachsen. Jugenddezernentin Dagmar Becker hat sich mit den zuständigen Stadtdiensten auf den Weg gemacht, die Lücke zu schließen.

Doch nachdem jahrelang abgebaut wurde, ist das kein leichtes Unterfangen. Untätigkeit ist der Stadtverwaltung nicht vorzuwerfen. Sie plant neue Kindertagesstätten und hat bereits in den vergangenen Jahren einige neue Einrichtungen entweder selbst errichten lassen oder ermöglicht.

Wenn Solingen weiterhin für potenzielle Zuzügler attraktiv bleiben will, muss es die nötige Infrastruktur schaffen. Viele Familien brauchen jetzt einen Betreuungsplatz, weil Vater und Mutter berufstätig sind. Ihnen hilft es nichts, dass neue Kitas eröffnet werden, wenn die Kinder der aktuellen Wartelisten in die Schule kommen. Darum ist neben Gründlichkeit auch Tempo gefragt.

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