Keine Fenster zum Lüften

Stadt Solingen schafft 20 Luftfiltergeräte für Schulen an

Andrea Schaumlöffel, Leiterin des Gymnasiums Vogelsang, zeigt einen Computerraum, der mit einem Luftreiniger ausgestattet wird, weil sich keine Fenster zum Lüften öffnen lassen. Foto: Christian Beier
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Andrea Schaumlöffel, Leiterin des Gymnasiums Vogelsang, zeigt einen Computerraum, der mit einem Luftreiniger ausgestattet wird, weil sich keine Fenster zum Lüften öffnen lassen.

Ein Vater fordert eine flächendeckende Ausrüstung aller Solinger Grundschulen.

Von Anja Kriskofski

Solingen. Am kommenden Montag startet der Präsenzunterricht für Abschlussklassen und Grundschüler wieder. In den Klassenzimmern ist dann wieder Lüften angesagt. Für Räume, in denen das nicht möglich ist, hat die Stadt Solingen mobile Raumluftfilter angeschafft. Die 20 bestellten Geräte sollen in dieser Woche geliefert werden, teilt Oliver Vogt, Leiter des Stadtdienstes Schulen, mit. Allein am Schulzentrum Vogelsang sollen 13 zum Einsatz kommen.

„Restliche Geräte werden auf andere Schulen verteilt.“

Oliver Vogt, Leiter des Stadtdienstes Schulen

Finanziert werden die mobilen Luftreiniger über ein Förderprogramm, das das Land im Herbst 2020 aufgelegt hat. „Die Geräte werden, gemäß der Förderrichtlinien, in Räumen eingesetzt, die nicht zu lüften sind“, erklärt Vogt. Die meisten solcher Räume gebe es am Schulzentrum Vogelsang. Am Gymnasium Vogelsang werde mit dem mobilen Luftfilter unter anderem ein Computerraum ausgestattet, der nur Oberlichter, aber keine Fenster habe, berichtet Direktorin Andrea Schaumlöffel. „Die restlichen Geräte werden auf andere Schulen verteilt, sobald von dort der konkrete Bedarf angemeldet wird“, erläutert Vogt.

Der Solinger Jan Lintermann fordert hingegen, alle Grundschulen flächendeckend mit Luftreinigungsgeräten auszustatten. „Die aktuellen Schutzkonzepte für Schulen sind vor dem Hintergrund der gefährlicheren Virus-Mutationen nicht mehr ausreichend“, sagt der zweifache Vater. Sein Sohn besucht die erste Klasse und wird ab Montag wieder im Wechselunterricht zur Schule gehen. „Ich mache mir Sorgen. Die Politik macht viel zu wenig für den Infektionsschutz in Schulen.“

Solingen: Stadtverwaltung hält Lüften für das geeignetste Mittel

Lintermann hat Oberbürgermeister Tim Kurzbach (SPD), die Stadtverwaltung sowie Vertreter der Ratsfraktionen angeschrieben. Er verweist auf ein Konzept des Physikers Prof. Dr. Christian Kähler von der Bundeswehr-Universität München. Dieser empfiehlt für einen sicheren Schulbetrieb den Dreiklang aus Lüften, Luftfiltergeräten und Acrylschutzwänden zwischen den Schülerplätzen. Lintermann führt zudem als Beispiel die Stadt Stadtlohn im Münsterland an, die alle Grundschulen mit Luftreinigern ausgestattet habe – mit Fördermitteln des Landes. „Dies sollte entsprechend auch für Solinger Schulen möglich sein.“

Solingen plant keine weiteren Luftreinigungsgeräte

Die Stadt Solingen plane derzeit jedoch nicht, weitere Luftreinigungsgeräte anzuschaffen, sagt Oliver Vogt. Das Förderprogramm des Landes sei ausgelaufen. Und für die Anschaffung aus dem städtischen Etat gebe es keine Mittel: „Eine flächendeckende Ausrüstung aller Klassenräume in Solingen würde einen Betrag von rund 128 Euro pro Schüler ausmachen.“ Bei rund 18.000 Schülern wären das 2,3 Millionen Euro. Vogt verweist zudem darauf, dass der Nutzen von Luftfiltergeräten in Räumen, die natürlich zu lüften sind, nicht nachgewiesen sei. „Da alle Empfehlungen von Experten das Lüften der Räume für das geeignetste Mittel halten, müssen die Schulen weiter regelmäßig für frische Luft und Luftaustausch sorgen.“

Jan Lintermann hält die Empfehlungen des Umweltbundesamtes für fahrlässig. „Man sollte mal hinterfragen, warum immer mehr Ministerien mobile Luftreiniger beschaffen und gleichzeitig Schüler bei offenen Fenstern Kälte und Zugluft ausgesetzt werden.“ Die Stadt solle sich für eine Verlängerung der Antragsfrist für Fördermittel einsetzen oder andere Projekte zurückstellen, um Luftreiniger selbst zu finanzieren.

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