Wald

Stadt ersetzt 16.000 verdorrte Bäume

Michael Knebel ist Forstwirt bei der Stadt Solingen. Er pflanzt gerade eine junge Eiche in der Ohligser Heide. Erst im Frühjahr wurden dort 1000 neue Eichen gepflanzt. Doch viele Eichen sind durch die Dürre im Sommer verdorrt, so dass jetzt 400 Setzlinge neu eingesetzt werden müssen. Langfristig sollen die Eichen abgestorbene Fichten ersetzen. Fotos: Tim Oelbermann
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Michael Knebel ist Forstwirt bei der Stadt Solingen. Er pflanzt gerade eine junge Eiche in der Ohligser Heide. Erst im Frühjahr wurden dort 1000 neue Eichen gepflanzt. Doch viele Eichen sind durch die Dürre im Sommer verdorrt, so dass jetzt 400 Setzlinge neu eingesetzt werden müssen. Langfristig sollen die Eichen abgestorbene Fichten ersetzen.

Trockenheit der Böden setzt dem Wald zu – viele der neuen Setzlinge überleben nicht.

Von Philipp Müller

Solingen. Drei trockene Sommer in Folge haben die Böden nicht nur auf bis zu 180 Zentimeter Tiefe abtrocknen lassen. In der Folge sind viele Bäume gestorben. Sie werden jetzt ersetzt. Der Stadtdienst Natur und Umwelt hat in diesem Jahr bereits 16 000 Setzlinge ausgebracht – ein Teil ist schon wieder verdorrt und wird gerade ersetzt.

Zuletzt hatte der Wupperverband beklagt, dass die Talsperren nicht volllaufen würden, weil die trockenen Waldböden das Wasser zunächst aufsaugten. Die Untere Wasserbehörde Solingen erklärt dazu, sie habe in den letzten drei „Dürrejahren“ eine Verschlechterung des Wasserhaushaltes aufgrund von ausbleibenden Niederschlägen festgestellt. Das teilt Matthias Sinn, der Leiter des Stadtdienstes Natur und Umwelt, mit.

Revierförster Michael Conrad und das Team vom Stadtdienst Natur und Umwelt haben seit dem Frühjahr stadtweit 16 000 neue Bäume gepflanzt.

„Es werden allerdings keine Bodenfeuchtemessungen durchgeführt, sondern die Wirkungen im Naturhaushalt beobachtet“, sagt er. Mit diesen Ergebnissen: Befinde sich der Wasserhaushalt normalerweise in einem Gleichgewicht aus Niederschlägen, Versickerung, Verdunstung sowie Grundwasserneubildung und oberirdischen Gewässerabfluss, könne das Gleichgewicht durch ausbleibende und zu geringe Niederschläge kippen.

„Für den Wald ist die Situation weiterhin dramatisch.“
Matthias Sinn, Stadt Solingen

Zudem sei eine Verschiebung der Niederschlagsmengen im Jahresverlauf mit abnehmenden Regenmengen in den Wintermonaten und heftigen punktuellen Niederschlägen in den Sommermonaten zu beobachten. Daher führten vereinzelte Steigerungen in den Niederschlägen wie zuletzt im Oktober um 30 Prozent zu keinem wirklichen Ausgleich der fehlenden Wassermengen. „Für den Wald ist die Situation weiterhin dramatisch“, erklärt Matthias Sinn. In der Folge der Dürre sterben Bäume ab und müssen ersetzt werden.

Am Beispiel der Ohligser Heide lässt sich die Strategie der Wiederaufforstung gut beschreiben, aber auch die Probleme, auf die Revierförster wie Michael Conrad und sein Team stoßen. Auf dem Gebiet, das das Solinger Tageblatt jetzt besichtigte, standen vorher Fichten. Sie zerstörte der Borkenkäfer. Im ersten Schritt wurden im Frühjahr 1000 neue Eichen gepflanzt. Doch die Trockenheit im Sommer zerstörte viele der grünen Setzlinge. Daher werden nun 400 Stück neu eingesetzt. Eichen werden bevorzugt, denn sie sind tiefwurzelnde Bäume. Bis zu mehreren Metern gehen die Wurzeln in den Boden. In der Gesamtbilanz schaut das dann so aus: 16 000 neue Bäume wurden im Frühjahr 2020 ausgesetzt, doch 6000 müssen wieder ersetzt werden.

Zugleich kommt es der Stadt aber auch auf Artenvielfalt an. Die Waldränder werden mit seltenen Wildgehölzen wie Wildbirnen, Wildäpfeln, Weißdorn und Schlehe besetzt. Dies fördert die heimischen Insekten, hilft Vögeln und schafft Artenreichtum im Landschaftsbild. Das aktuelle Pflanzgebiet in der Ohligser Heide erstreckt sich von der Bonner Straße entlang der Langhansstraße bis über die Autobahn A 3 hinaus.

Solingen: Sinkender Grundwasserspiegel gefährdet Amphibien

Für die Artenvielfalt der Tiere wäre aber auch ein Anstieg des Grundwasserspiegels in der Heide wichtig. Aber das Gegenteil ist der Fall: Seit mehr als zehn Jahren sinke er stetig, wie der Biologe Dr. Jan Boomers erklärt. Als Leiter der Biologischen Station Mittlere Wupper macht er auf diesen Zusammenhang aufmerksam: Schon im Frühjahr würde in vielen Gewässern der Wasserstand schnell absinken. „Das betrifft dann natürlich auch in besonderem Maße zahlreiche Amphibien, deren Reproduktion nicht mehr funktioniert.“ Boomers führt auch „wassergebundene Insekten“ wie Libellen an, deren im Wasser lebende Nachfolgegeneration in den ausgetrockneten Gewässern absterbe. 

Trockenheit

Bereits seit 2019 muss die Stadt in ihren eigenen Wäldern viele ausgetrocknete Bäume fällen lassen. Die Lichtungen sind kaum noch zu übersehen. Neben Fichten und Eschen sind auch Laubbäume betroffen. Sie sterben in den Kronen ab. Das Totholz droht etwa an Wanderwegen zur Gefahr zu werden. Für die Wiederaufforstung wird flächendeckend ein Mischwald angestrebt.

Standpunkt

philipp.mueller@ solinger-tageblatt.de

Ein Kommentar von Philipp Müller

Objektiv ist es so, dass den Böden in Solingen Wasser fehlt. Im Sommer merkte das jeder Gartenbesitzer. Es musste viel gegossen werden, denn oft war der Boden staubtrocken. Das sieht in den Solinger Wäldern nicht anders aus. Dort können aber nicht täglich die Spritzwagen ausrücken und dass Wasser ersetzen, was vom Himmel fehlt beziehungsweise nicht zur rechten Zeit fällt. Doch mehr zu gießen, beschleunigt den Teufelskreis des sinkenden Grundwasserspiegels. In der Ohligser Heide ist das gut zu beobachten. Wenn 40 Prozent der 1000 neu gepflanzten Eichen den Sommer nicht überlebt haben, dann stimmt etwas nicht. 

Biologe Dr. Jan Boomers spricht von alarmierenden Zeichen des Klimawandels. Der Experte der Stadt, Matthias Sinn, berichtet von einem flächendeckenden Drama, das sich im Wald abspiele. Objektiv ist auch das sichtbar an den vielen Stellen, wo die Kettensäge verdorrte Bäume gerodet hat. Jeder einzelne kann einiges tun. Viele Vorschläge, die es in Sachen Klimaschutz gibt, kann man persönlich umsetzen. Wenn es alle machen, hilft es auch.

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