Unternehmensbefragung

Stadt erarbeitet Plan für Gewerbeflächen

Die Nachhaltigkeitsstrategie der Stadt sieht vor, dass ab 2030 keine unversiegelten Flächen mehr für gewerbliche Nutzung bebaut werden dürfen. Brachflächen wie das ehemaligen Rasspe-Gelände in Stöcken haben deshalb eine besondere Bedeutung. Archivfoto: Christian Beier
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Die Nachhaltigkeitsstrategie der Stadt sieht vor, dass ab 2030 keine unversiegelten Flächen mehr für gewerbliche Nutzung bebaut werden dürfen. Brachflächen wie das ehemaligen Rasspe-Gelände in Stöcken haben deshalb eine besondere Bedeutung.

Mehr als 3000 Unternehmen sollen an einer Befragung teilnehmen.

  • Bis zum 24. Januar läuft die Unternehmensbefragung.
  • Ergebnisse fließen in einen Masterplan ein.
  • Der Masterplan ist einer der Grundbausteine des neuen Flächennutzungsplans für Solingen.

Von Manuel Böhnke

Solingen. Mit einem auftauchenden Wal vergleicht Geschäftsführer Frank Balkenhol die aktuelle Aufgabe der Wirtschaftsförderung. Die Gesellschaft kommt allerdings nicht zum Atmen an die Wasseroberfläche. Vielmehr sammelt sie in Zusammenarbeit mit dem Stadtdienst Stadtentwicklung Informationen bei mehr als 3000 Solinger Firmen mit mindestens fünf Mitarbeitern. Sie erhielten Anfang des Jahres eine Mail mit der Bitte, an einer Befragung zur „nachhaltigen Entwicklung von Gewerbeflächen“ teilzunehmen. Die Ergebnisse fließen in einen Masterplan ein.

Das Projekt ist Teil des Themenfelds Arbeit und Wirtschaft der im September 2018 vom Stadtrat verabschiedeten Nachhaltigkeitsstrategie, erklärt Elmar Jünemann. Er ist Prokurist der Wirtschaftsförderung. Der Grundgedanke des Vorhabens: Die Wirtschafts- und Arbeitswelt befindet sich in einem Wandel. Dadurch ergeben sich neue Anforderungen an Gewerbeflächen. Die Befragung soll dazu beitragen, diese zu erfassen.

„Es macht Spaß, Gewerbegebiete ganz neu zu denken.“
Elmar Jünemann, Prokurist der Wirtschaftsförderung

Die Untersuchung erfolgt in Kooperation mit der Kölner CIMA Beratung + Management GmbH. Erfasst wird unter anderem, welche „flächenrelevanten Veränderungen“ die befragten Unternehmen planen. Es gehe darum, Flächenpotenziale im Bestand aufzuspüren und die Flächennachfrage nachhaltig zu lenken, erklärt die Wirtschaftsförderung. Gleichzeitig sind Aspekte wie Energieeffizienz und Nachhaltigkeit Thema. So sei etwa denkbar, dass der fertige Plan Empfehlungen zur veränderten Anbindung an den ÖPNV und zu erneuerbarer Energie enthält, erklärt Stadtdirektor Hartmut Hoferichter.

Der Masterplan hat noch eine weitere Dimension. Er ist einer der Grundbausteine des neuen Flächennutzungsplans für Solingen. Dieser steckt den Rahmen für die städtebauliche Entwicklung der Stadt ab. Der aktuelle stammt aus dem Jahr 2004 – alle 15 bis 20 Jahre ist eine Neugestaltung nötig. Im Flächennutzungsplan spielen nicht nur Wohn- und Gewerbegebiete, sondern auch Grün- sowie Freiflächen eine Rolle. „Vor diesem Hintergrund ist es wichtig zu wissen, wie sich der Flächenbedarf für die Wirtschaft entwickelt“, sagt Hoferichter.

Einen neuen Flächennutzungsplan zu erstellen, ist ein langwieriger Prozess. Ab 2022 könnten die Solinger Bürger und Politik über erste Entwürfe diskutieren. „Wir haben die Absicht, dass der Stadtrat im Laufe des Jahres 2024 darüber entscheidet“, sagt Hartmut Hoferichter.

Erste Erkenntnisse auf den Unternehmensbefragungen liegen dagegen deutlich früher vor. Eine Teilnahme ist noch bis zum 24. Januar möglich. Frank Balkenhol rechnet damit, dass die Auswertung etwa vier bis sechs Wochen dauert. Bei der nächsten Nachhaltigkeitskonferenzen könnten die Ergebnisse Thema sein.

Klar ist bereits jetzt, dass ab 2030 keine unversiegelten Flächen für gewerbliche Nutzung mehr bebaut werden dürfen. Das sieht die Nachhaltigkeitsstrategie vor. Bedeutet im Umkehrschlusss: Brachflächen wie das Rasspe-Gelände in Stöcken rücken in den Fokus, wenn die grüne Wiese als Bauland ausscheidet. Grundstücke wie diese machen mehr als die Hälfte der vorhandenen rund 65 Hektar Reseverflächen für Gewerbe in Solingen aus, schätz Hartmut Hoferichter. „Das ist unser Pfund“, betont Frank Balkenhol.

Schritt für Schritt können mithilfe des Masterplans die Bedarfe der Unternehmen und das Flächenangebot zusammengebracht werden. „Jedes Gewerbegebiet hat einen eigenen Charakter“, sagt Jünemann. Balkenhol führt beispielhaft das Hansa-Quartier an. Insbesondere wegen der guten Bahn-Anbindung und der Nähe zu den rheinischen Großstädten habe sich herausgestellt, dass die Fläche in Ohligs sehr attraktiv für IT-Unternehmen ist.

Die vorhandenen Gebiete an die Anforderungen der Betriebe anzupassen, ist das Ziel. Das sei nicht immer die bequemste Lösung, betont Jünemann. Aber: „Es macht Spaß, Gewerbegebiete ganz neu zu denken.“  

Unternehmensbefragung

Noch bis zum 24. Januar läuft die Unternehmensbefragung zur nachhaltigen Entwicklung von Gewerbeflächen. Bisher sei die Rücklaufquote ausbaufähig, erklärt Elmar Jünemann, Prokurist der Wirtschaftsförderung Solingen. Deshalb erhielten Anfang dieser Woche noch einmal alle angeschriebenen Unternehmen mit mindestens fünf Mitarbeitern eine Erinnerung. Für Rückfragen steht Elmar Jünemann telefonisch unter Tel. (02 12) 2 49 41 30 oder per E-Mail zur Verfügung.

e.juenemann@solingen.de

Standpunkt: Zur rechten Zeit

manuel.boehnke@solinger-tageblatt.de

Ein Kommentar von Manuel Böhnke

Das Timing könnte auf den ersten Blick unglücklich erscheinen. Mitten in der Corona-Pandemie mit all ihren wirtschaftlichen Herausforderungen und Unsicherheiten sollen sich Unternehmen Gedanken über ihre Zukunft machen. Doch die Befragung für den Masterplan kommt zur rechten Zeit. Denn die Krise hat an vielen Stellen Potenziale, Chancen und Risiken, Stärken und Schwächen offenbart, an die vorher kaum zu denken war. Das zeigt das profane Beispiel Homeoffice, das in vielen Unternehmen vor März 2020 nur eine untergeordnete Rolle spielte. Ein Umdenken hat vielerorts – zum Teil bereits vor Corona – auch in anderen Belangen eingesetzt, etwa beim Thema Nachhaltigkeit. Diesen Schwung gilt es mitzunehmen. Die neu gewonnenen Erkenntnisse können einen wichtigen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung von Gewerbeflächen in Solingen leisten. Ein Vorhaben, das viele neugierig verfolgen dürften. Schließlich sind attraktive Gewerbeflächen in der Stadt rar. Nun kommt es auf die Unternehmen an. Damit die Umfrageergebnisse aussagekräftig sind, müssen möglichst viele ihre Erfahrung und Expertise einbringen.

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