Digitale Rathaustür

Stadt bietet mehr Leistungen digital an

Das Kennzeichen am Auto muss man noch selbst wechseln, Vorgänge um die An- und Abmeldung eines Pkw sind aber bereits über das Service-Portal des Rathauses zu erledigen. Das Portal service.solingen.de soll bis zum Jahresende noch eine Fülle an weiteren Möglichkeiten bieten. Foto: Michael Schütz
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Das Kennzeichen am Auto muss man noch selbst wechseln, Vorgänge um die An- und Abmeldung eines Pkw sind aber bereits über das Service-Portal des Rathauses zu erledigen. Das Portal service.solingen.de soll bis zum Jahresende noch eine Fülle an weiteren Möglichkeiten bieten.

Onlinezugangsgesetz verlangt bis zum Jahresende 2022 von den Kommunen bessere Teilhabe.

Von Philipp Müller

Solingen. Schon jetzt können Solingens Bürgerinnen und Bürger Kontakt per E-Mail zum Rathaus aufnehmen oder online Termine buchen. Doch eine ganz andere Welt soll sich für alle öffnen, die sich künftig über die Seite service.solingen.de an die Stadt wenden. Bei dieser „digitalen Rathaustüre“ sollen noch in diesem Jahr immer mehr Leistungen angeboten werden. Aktuell können dort Dokumente digital hochgeladen und Anliegen rund um die An- und Abmeldung von Fahrzeugen erledigt werden. Ein sechsköpfiges Team um Nils Gerken, Leiter von „solingen.digital“, hat nach intensiver Vorbereitung begonnen, das Leistungspaket bis zum Sommer und darüber hinaus zu erweitern.

Förderung hilft beim Weg zur digitalen Stadt

Hintergrund für das digitale Portal ist das Onlinezugangsgesetz (OZG). Es verlangt bis zum Jahresende 2022 von den Kommunen mehr digitale Teilhabe. Dirk Wagner, Ressortgeschäftsführer für die Verwaltungssteuerung im Büro des Oberbürgermeisters, hatte schon im vergangenen Jahr von einer großen, technischen Aufgabe gesprochen, die im Hintergrund umzusetzen sei. Wagner hatte betont, dass die Servicedienste für den Bürger auch leicht umsetzbar sein müssen, damit sie zukünftig angenommen werden.

Nils Gerken erklärt, dass für die Nutzer alles auf der Plattform service.solingen.de beginnt. Dort können nach der Anmeldung (siehe unten) die einzelnen Dienste und Leistungen aufgerufen werden. Jeder bekommt dort ein persönliches Profil. Das hat zwei Gründe: Auf diese Weise können die einzelnen Verwaltungsschritte genau zugeordnet werden. Zugleich werde so Datensicherheit hergestellt, denn nur dafür autorisierte Mitarbeitende im Rathaus können die Vorgänge auch einsehen.

Portal-Zugang

  • Digitaler Zugang: Der einfachste Weg ist, sich Benutzername und Passwort im NRW-Portal zu besorgen. Das ist über das Service-Portal der Stadt (service.solingen.de) oder direkt zu erreichen unter servicekonto.nrw/serviceaccount
  • eID beantragen: Viele Leistungen sind aber nur nutzbar, wenn die eID-Funktion des Personalausweises freigeschaltet und aktiviert ist. Wie das geht, erklärt die Stadt hier.

Alles fängt damit an, dass es eine zentrale, digitale Poststelle gibt. Dort werden Anfragen, Anträge oder Formulare aus dem Portal den Fachdiensten und der zuständigen Stelle zugewiesen. Zugleich ist es dort möglich, analoge Schreiben zu digitalisieren. Auch wenn später ein Vorgang abgeschlossen ist, wird in der Poststelle entweder ein digitales Dokument verschickt – das heißt im Portal für den Betroffenen sichtbar gemacht – oder, sofern es eine schriftliche Urkunde braucht, wird diese dort erstellt und versendet.

Idealerweise sollen Bürgerinnen und Bürger diese Schritte kaum bemerken. Dazu hat „solingen.digital“ mit Partnern viel Software getestet, Simulationen mit den Stadtdiensten durchgeführt, Fragen der Datensicherheit betrachtet, die Schnittstellen zum Dienstleister Regio IT eingerichtet und solche zum Land NRW. Denn grundsätzlich sollen die Daten auch zwischen den Kommunen übersandt werden können, sofern das notwendig ist.

In einem nächsten Schritt wird das Service-Portal in die Solingen-App eingebunden. Dafür bedarf es noch einiger Vorbereitungen. Denn dazu muss eine Software geschrieben werden, die es auf dem Markt nicht gibt.

Der Mängelmelder ist ein wichtiges Instrument der Bürgernähe.

Nils Gerken, IT-Experte der Stadt

Ansonsten konnte das Projektteam für die Umsetzung des OZG auf viele vorhandene Software-Komponenten zurückgreifen. Über das Portal ist auch der Mängelmelder erreichbar. „Der ist ein wichtiges Instrument der Bürgernähe“, sagt Gerken. So komme die Stadt an Informationen, die sie sonst nicht erreichten. Künftig soll der Bürger auch erfahren, wie der Bearbeitungsstatus des Mangels ist.

Gerkens Rat ist, sich frühzeitig den eigenen Zugang zum Portal zu verschaffen. Bedürfnisse rund um Personenstandsurkunden, das Anwohnerparken oder Einbürgerungen laufen voraussichtlich bis zum Sommer über das Portal. Im Hintergrund wird im Rathaus der Umgang mit den künftig digitalen E-Akten geschult – und wie sie die Bürger dann erreichen.

Standpunkt: Die Zukunft ist digital

Ein Kommentar von Philipp Müller

philipp.mueller@solinger-tageblatt.de

Überall zieht die digitale Zukunft ein. War der Computer in den 1980er Jahren noch das Schreckgespenst „Kollege Computer“, der drohte, alle in die Massenarbeitslosigkeit zu stürzen, so sind PCs, Smartphones und die entsprechenden Software-Programme längst Alltagsbegleiter geworden. Kaum ein Toaster kommt heute ohne Chipsteuerung aus, soll das Weißbrot ein gleichmäßiges Röstaussehen bekommen. Einzig in Rathäusern, so scheint es, geht Papier vor Festplatte. Dafür gab und gibt es Gründe der Rechtssicherheit. Und doch war lange die Zukunft verpennt worden. Im Rathaus hat man die Sache gebündelt und „solingen.digital“ an den Start gebracht. Die Mischung aus alten Hasen und jungen Experten spuckt jetzt Zug um Zug die Ergebnisse aus. Spricht man mit dem Projektteam, herrscht ein Ton, den man sonst nur aus den viel gelobten Start-ups kennt. Uns Bürgern kann das am Ende egal sein, wenn die Leistung stimmt. Wir stellen schon jetzt fest: Das kann richtig gut werden. Solingen kann offenbar auch digital tüfteln – und nicht nur am Amboss.

Lesen Sie auch: Breitbandausbau nimmt in Solingen Fahrt auf

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