Drittimpfung

Pandemie: Stadt baut Corona-Impfstelle aus

Vor der Impfstelle in den Clemens-Galerien bildete sich zuletzt regelmäßig eine Warteschlange. Foto: Christian Beier
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Vor der Impfstelle in den Clemens-Galerien bildete sich zuletzt regelmäßig eine Warteschlange.

Auffrischungsimpfungen werden verstärkt in den Clemens-Galerien angeboten. Eine zweite Einrichtung ist geplant.

Von Anja Kriskofski

Solingen. In der Impfstelle in den Clemens-Galerien werden ab sofort auch verstärkt Auffrischungsimpfungen gegen Corona angeboten. Das teilte die Stadt Solingen gestern mit. Grundlage ist ein neuer Landeserlass, der den Kommunen wieder mehr Verantwortung für die Impfungen überträgt – auch für die sogenannten „Booster“. Die Solinger Impfstelle soll künftig länger geöffnet sein und mit mehr Personal betrieben werden. Auch ein zweiter Standort sei geplant, hieß es aus dem Rathaus. Die Kosten für diese „Covid-Impfeinheiten“ würden laut NRW-Gesundheitsministerium von Bund und Land übernommen.

In Bethanien müssen vor allem Ungeimpfte mit schweren Verläufen behandelt werden.

Auf die Regelung haben die Verantwortlichen im Rathaus seit Tagen gewartet. Denn vor der Impfstelle in den Clemens-Galerien bildeten sich zuletzt regelmäßig lange Warteschlangen. Nachdem das Impfzentrum im ehemaligen Kaufhof auf Weisung des Landes geschlossen werden musste, hatte die Stadtverwaltung das Ladenlokal auf eigene Initiative eingerichtet, um dort niedrigschwellig Erst- und Zweitimpfungen anzubieten.

Solingen: Nachfrage nach Angebot für Drittimpfung ist gestiegen

Doch zunehmend kamen auch Solingerinnen und Solinger, um sich dort die dritte Spritze abzuholen. „Die Nachfrage nach einem Angebot für Drittimpfungen ist in der Bevölkerung spürbar gestiegen“, erklärt Stadtsprecher Thomas Kraft. Diese Aufgabe sollten vor allem Arztpraxen übernehmen, deren Angebot dafür derzeit offenbar nicht ausreiche. Nun hat die Landesregierung umgesteuert.

In der Impfstelle in den Clemens-Galerien sei bereits seit gestern ein zweiter Arzt im Einsatz. Die Öffnungszeiten sollen verdoppelt werden – von vier auf acht Stunden an den Werktagen. Im Moment wird an den Werktagen von 14 bis 18 Uhr geimpft. Samstags soll es bei der Öffnung von 10 bis 16 Uhr bleiben. Ab wann die neuen Zeiten gelten, werde noch mitgeteilt. „Vor allem muss dazu zusätzliches Personal gefunden werden, das die Ärzte unterstützt.“ Die Einrichtung braucht zudem mehr Platz, unter anderem für einen Wartebereich. Mit dem Management der Clemens-Galerien werde daher über die Anmietung eines weiteren Ladenlokals verhandelt.

Für eine zweite Impfstelle wird ein Standort gesucht

„Wir gehen davon aus, dass wir alle Personal- und Sachkosten durch das Land erstattet bekommen“, erklärt Gesundheitsdezernent Jan Welzel. So jedenfalls lese das Rathaus den jüngsten Erlass aus Düsseldorf. „Wir profitieren jetzt davon, dass wir schon früh vorhergesehen haben, dass es weiterhin Bedarf für ein städtisches Impfangebot geben wird.“ Solingen sei eine von vier Städten in NRW, die das bereits vorab umgesetzt habe.

Laut Welzel würden vier Ärzte durch das Land refinanziert, die nun für die Auffrischungsimpfungen eingesetzt werden können. Weil zwei Ärzte in der Einrichtung in den Clemens-Galerien arbeiten sollen, werde nun geprüft, welcher zusätzliche Standort in Frage komme, um zwei weitere Mediziner einzusetzen. „Wir haben Ideen und auch schon erste Vorgespräche geführt“, sagt Jan Welzel. Innerhalb dieses Monats soll die neue Struktur stehen, kündigt er an.

Über 70-Jährige bekommen Post von der Stadt

Mit Blick auf die steigende Nachfrage nach Booster-Impfungen rät der Gesundheitsdezernent den Solingerinnen und Solingern, die Drittimpfung frühzeitig zu planen. Die Impfung soll nach Empfehlung der Ständigen Impfkommission sechs Monate nach der Zweitimpfung aufgefrischt werden. Dazu sollte man sich rechtzeitig an seine Hausarztpraxis wenden. Die ältere Bevölkerung über 70 Jahre bekommt dazu in den kommenden Tagen Post von der Stadt.

In der Impfstelle würden auch weiterhin  Erst- und Zweitimpfungen verabreicht, betont Welzel. „Unser erklärtes Ziel bleibt es, die Impfquote zu erhöhen.“ Rathausspitze und Gesundheitsamt überlegten, ob sich die mobilen Impfungen noch ausweiten lassen. „Denn gerade bei den jungen Menschen zwischen 12 und 18 Jahren wollen wir noch viel mehr erreichen.“

In unserem Blog finden Sie die neuesten Informationen zu Entwicklungen rund um das Coronavirus in Solingen.

Auffrischung

Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt eine Auffrischungsimpfung sechs Monate nach der Zweitimpfung aktuell für folgende Gruppen: Menschen über 70 Jahre, Personen mit Immundefizienz, Pflegepersonal, Personal in medizinischen Einrichtungen mit direktem Patientenkontakt sowie Personen mit einer mindestens vier Wochen zurückliegenden Impfung des Impfstoffs der Firma Johnson & Johnson.

Standpunkt: Vorausschauend geplant

Ein Kommentar von Anja Kriskofski

anja.kriskofski@solinger-tageblatt.de

Vieles im Herbst 2021 ähnelt dem vor einem Jahr: steigende Infektionszahlen, Kliniken, die sich füllen, und eine Politik, die oftmals konfus agiert. Knapp einen Monat nach der verordneten Schließung der Impfzentren will die Landesregierung nun doch wieder kommunale Impflokale. Es war eine vorausschauende Entscheidung der Stadt, dass sie ein solches Angebot schon eingerichtet hat. Die Solinger können jetzt schon nutzen, was anderswo erst mühsam wieder aufgebaut werden muss. Dass es angenommen wird, zeigt die Warteschlange in den Clemens-Galerien. Es gibt genug Menschen, gerade Jüngere, die gar keinen festen Arzt haben, bei dem sie sich impfen lassen können. Sie erreicht man mit niedrigschwelligen Einrichtungen wie dem Impflokal oder dem Impfbus noch am ehesten. Für die niedergelassenen Ärzte sind diese Angebote zudem eine Entlastung. Denn die impfen derzeit nicht nur gegen Corona und die Grippe, sondern sind mit der Versorgung ihrer Patienten in der Viren-Hochsaison ohnehin am Limit. Dass Booster-Impfungen für Hunderttausende in dieser Phase eine kaum zu leistende Belastung sind, hätte die Politik auch früher erkennen können.

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