42.630 Solinger haben mindestens eine Impfung erhalten

Solingen sieht „kleines Pflänzchen Hoffnung“

Das Impfen nimmt in Solingen weiter Fahrt auf.
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Das Impfen nimmt in Solingen weiter Fahrt auf.

Wenn die Inzidenz nicht wieder steigt, können die Schulen am 10. Mai mit dem Wechselunterricht starten.

So verteilen sich die Corona-Infektionen in Solingen.

Solingen. Die Sieben-Tage-Inzidenz lag am Donnerstag bei 163,3 und damit unter dem für die Schulöffnung wichtigen Schwellenwert von 165. Von Mittwoch auf Donnerstag wurde mit dem Rekord von 1968 Impfungen im Impfzentrum und in den Hausarztpraxen ein neuer Tageshöchstwert erreicht. 42.630 Solinger haben schon mindestens eine Impfung erhalten. Und die mittlerweile 63 Teststellen in der Stadt werden mit 15.000 Bürgertests pro Woche sehr gut angenommen.

„All das lässt ein kleines Pflänzchen Hoffnung wachsen“, betonte Oberbürgermeister Tim Kurzbach (SPD) am Donnerstag auf der digitalen Pressekonferenz der Stadt „Es ist das Ergebnis von vielem, das wir gut machen in Solingen.“ Aber es sei eben auch weitere Achtsamkeit notwendig, damit das Pflänzchen weiter gedeihe.

Positives konnte auch Dr. Annette Heibges, Leiterin des Stadtdienstes Gesundheit, vermelden. „Die Lage auf den Intensivstationen der Krankenhäuser, mit denen wir in engem Austausch stehen, entspannt sich ganz leicht.“ Einen wachsamen Blick hat man weiter auf die Virus-Mutationen. Mit 84 Prozent macht die britische Mutation den Hauptteil der Infizierten aus. „Wir haben aber auch die südafrikanische und die neue UK-Variante schon in Solingen entdeckt, aber noch nicht die indische Mutation“, so Heibges.

Zu zusätzlichen Impfaktionen in dicht besiedelten Quartieren, wie auf Bundesebene vorgeschlagen, gebe es bislang vom NRW-Gesundheitsministerium noch keine Hinweise. Es sei logisch, dass es dort, wo man enger wohnt, auch mehr Ansteckungen gibt, so Kurzbach. Einige Stadtteile bevorzugt zu impfen, widerspräche aber der Priorisierung, gibt Schuldezernentin Dagmar Becker (Grüne) zu bedenken.

Ansteckungen fänden weiterhin vorwiegend im privaten Bereich statt, so Heibges. Es gab auch vereinzelte positiv getestete Abiturienten. Die müssen in Quarantäne und die anstehenden Abitur-Klausuren nachschreiben. Schüler aus ihrem Umfeld, die als Kontaktperson aber weiter negativ sind, dürfen in „Pendel-Quarantäne“ die Klausuren in separaten Räumen schreiben.

Für das Thema Schule hat Dagmar Becker die Inzidenz genau im Blick. am Donnerstag lag sie erstmals unter dem Schwellenwert von 165. „Bleibt sie an fünf Werktagen in Folge unter 165, das wäre also am Mittwoch, dürfen die Schulen am übernächsten Tag mit dem Wechselunterricht beginnen“, erklärte sie die Regelung. Da das ein Freitag wäre, hat man sich mit den Schulen auf einen möglichen Start am Montag, 10. Mai, verständigt.

Auch die Kitas, die im Moment in der „erweiterten Notbetreuung“ von etwa 50 Prozent der Kinder besucht werden, könnten dann wieder auf den eingeschränkten Regelbetrieb hochfahren.

Steigt die Inzidenz wieder, muss aber auch wieder geschlossen werden. „Wenn die Inzidenz dann an drei Tagen über 165 liegt, gehen Schulen und Kitas am übernächsten Tag wieder in den Lockdown-Modus“, ergänzte Rechtsdezernent Jan Welzel (CDU).

Impfangebote für Lehrer der weiterführenden Schulen

Das sei zwar ein kompliziertes aber zumindest einheitliches Regelwerk, räumte Tim Kurzbach ein. „Ich finde es gut, weil es Struktur bringt. Wir dürfen uns aber auch nicht wundern, wenn mit steigenden Schülerzahlen auch die Inzidenz wieder steigen könnte.“ Aber das Grundrecht auf Bildung sei ein ebenso wichtiges wie das Grundrecht auf individuelle Freiheit.

Das Impfen nimmt weiter Fahrt auf. Im Impfzentrum haben 34.498 Menschen eine Erstimpfung, 13.253 von ihnen schon eine Zweitimpfung bekommen. Zusammen mit den Impfungen in den Hausarztpraxen sind es 42.630 Erstimpfungen. „Da sich offensichtlich viele der jetzt impfberechtigten Über-70-Jährigen in den Praxen impfen lassen, haben wir für diese Gruppe noch Termine frei“, so Udo Stock, Leiter des Solinger Impfzentrums. Deshalb habe man jetzt auch Lehrer der weiterführenden Schulen zum Impfen eingeladen. Weil mehr Impfstoff erwartet wird, werden im Impfzentrum weitere Impfstraßen eingerichtet. Statt der zunächst geplanten 600 gibt es bereits bis zu 800 Impfungen täglich. „Bis zu 1000 sind machbar“, so Stock.

Standpunkt: Impfen und testen!

Kommentar von Simone Theyßen-Speich

simone.theyssen-speich@solinger-tageblatt.de

Von einem Durchbruch oder einer Kehrtwende beim Kampf gegen die Corona-Pandemie zu sprechen, dafür ist es noch zu früh. Aber die Tatsache, dass die Inzidenz und die Zahl der in Solingen Infizierten seit zehn Tagen sinken, ist ein gutes Zeichen. Und ein Grund zu vorsichtiger Hoffnung. Aber eben nur vorsichtiger – denn vor knapp drei Wochen lag die Inzidenz schon einmal bei nur 158. Aber seitdem sind die Zahlen der Impfungen und der Tests rasant gestiegen. Die Unkenrufe, dass man mit vielen Tests auch eine hohe Inzidenz quasi selbst hervorrufe, sind damit endgültig vom Tisch. Die Tests in den Kitas, den Schulen und Betrieben, die zu den zuletzt 15 394 Bürgertests in nur einer Woche noch dazukommen, helfen, frühzeitig Infizierte herauszufiltern – möglichst noch bevor sie andere angesteckt haben. Ein gutes Zeichen auch, dass die in den Solinger Kitas und Förderschulen schon lange eingesetzten, kindgerechten Lolli-Tests jetzt auch vom Land für die Grundschulen angeboten werden. Dafür will das Land auch die Kosten übernehmen, auf den Kosten für die Kita-Tests bleibt die Stadt aber weiter alleine sitzen.

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