Montagsinterview

Interview: Das hat der neue Planungsdezernent Andreas Budde vor

Andreas Budde hat sein Amt als Bau-, Planungs-, Verkehrs- und Umweltdezernent Mitte Januar angetreten. Auf ihn kommt viel Arbeit zu. Foto: Christian Beier
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Andreas Budde hat sein Amt als Bau-, Planungs-, Verkehrs- und Umweltdezernent Mitte Januar angetreten. Auf ihn kommt viel Arbeit zu.

Der neue Planungsdezernent Andreas Budde spricht über Stadtplanung, Verkehr und Umwelt. Er sagt: „Die Stadt muss wichtige Weichen stellen.“

Von Andreas Tews

Herr Budde, Sie sind erst seit einigen Wochen in Solingen. Gibt Ihnen der Job als Planungsdezernent überhaupt die Gelegenheit, schon in der Stadt anzukommen?

Andreas Budde: Ja, natürlich gab es dazu schon Gelegenheit. Ich hatte mich während des Bewerbungsprozesses schon mit der Stadtstruktur beschäftigt und sie kennengelernt. Auch habe ich vor meinem Dienstantritt bereits viele Gespräche geführt. Ich habe die Mitglieder des Verwaltungsvorstandes und meine engsten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kennengelernt. Ich wurde im Rathaus offen aufgenommen und habe schon viele gute Fachgespräche geführt.

In Ihrem Ressort gibt es viele große Baustellen, zum Beispiel die ISEKs, die Integrierten Stadtteilentwicklungskonzepte für Mitte, Ohligs, Wald und Burg. Wo ist der größte Handlungsbedarf?

Budde: Es gibt viele Aufgaben. Da möchte ich jetzt keine hervorheben. Die Stadt Solingen steht vor wichtigen Weichenstellungen. Mit den vier integrierten Stadtentwicklungskonzepten sind wir hervorragend aufgestellt, um die Zukunft zu gestalten. Weitere wichtige Themen sind die Verkehrswende, die Klimaanpassung und insgesamt die Attraktivierung der Lebensbedingungen.

Wohin muss sich Solingen-Mitte entwickeln?

Budde: Wir müssen hier zunächst auf die Struktur schauen. Die Aufgabe einer Innenstadt hat sich in den vergangenen Jahrzehnten gewandelt – unter anderem, weil sich das Einkaufsverhalten der Menschen grundlegend verändert hat. Hier gilt es, die Strukturen an den Bedarf anzupassen. Es ist ein guter Ansatz, die Einzelhandelsachse zwischen Clemens-Galerien und Hofgarten zu stärken. Das wird auch gelingen. In den anderen Bereichen sehe ich Chancen für Wohnen in Kombination mit Dienstleistungen.

Zu der möglichen Arena Bergisch Land am Weyersberg gibt es unterschiedliche Meinungen. Wie wollen Sie die zusammenführen?

Budde: Es liegt in der Natur der Sache, dass es bei solch großen Projekten unterschiedliche Sichtweisen gibt. Die gilt es auszutauschen und am Ende eine Lösung zu finden.

Welche Vision haben Sie für die anderen Stadtteile?

Budde: Ich habe die Stadtteilzentren so wahrgenommen, dass sie durchaus unterschiedliche Strukturen haben. Ich sehe eine Chance darin, für jeden Stadtteil eine Eigenart und damit eine Attraktivität herauszuarbeiten. Alle Stadtteile haben ihre Chancen und Strukturen, auf denen man aufbauen kann. Wir werden dies im Rahmen der Neuaufstellung des Flächennutzungsplans aufgreifen.

Gräfrath bekommt als einziger Stadtbezirk kein Integriertes Stadtteilkonzept. Gerät es dadurch aus dem Blick der Stadtplanung?

Budde: Es ist nicht zwingend nötig und möglich, für alle Stadtteile ein ISEK aufzustellen. Gräfrath ist gut strukturiert. Das heißt nicht, dass man dort nichts tun muss. Aber die Notwendigkeit für ein ISEK war in den anderen Stadtteilen größer.

Hier geht´s zu den vorherigen Montagsinterviews des ST.

Ziel der Stadt ist, dass bei Neubauten 30 Prozent günstiger Wohnraum geschaffen wird. Ist das zu erreichen?

Budde: Wenn man sieht, was auf dem Wohnungsmarkt passiert, halte ich das Ziel für angemessen. Es ist eine wichtige Aufgabe, eine Versorgung mit Wohnraum in allen Preissegmenten sicherzustellen. Dies müssen wir durch eine geschickte Mischung erreichen. Wir brauchen dabei die Unterstützung der Investoren, die Wohnraum schaffen. Und es gilt, das Potenzial an geeigneten Grundstücken zu heben. Wir brauchen intelligente Lösungen.

Zum Thema Mobilität: Zur Verkehrswende gibt es viele Ideen. In welche Richtung sollte es gehen?

Budde: Wir sind als Stadt bei der Verkehrswende natürlich nicht allein unterwegs. Das Thema Elektromobilität ist ja zum Beispiel auf Bundesebene gesetzt worden. Was uns auf kommunaler Ebene beschäftigt, ist, dass auch der elektrisch betriebene Verkehr Platz im öffentlichen Straßenraum benötigt. Zum Beispiel entschärft sich das Thema Parken nicht durch die Umstellung von Verbrenner- auf Elektroantrieb. Wir müssen schauen, wie Menschen Wege vermeiden können und wie wir erreichen, dass sie die Wege, die sie zurücklegen, mehr mit dem ÖPNV oder dem Fahrrad zurücklegen. Beim Schienenverkehr müssen wir mit dem Verkehrsverbund Rhein-Ruhr darüber sprechen, welche Angebote wir zusätzlich haben wollen. Eine Aufgabe der Kommune ist wiederum die Aufstellung des Nahverkehrsplans. Der erste Teil ist ja verabschiedet worden. Jetzt müssen wir Teil zwei zügig umsetzen, damit wir in den nächsten zwölf Monaten Klarheit über das Linienbusangebot haben. Das wollen wir verbessern. Im Blick haben wir auch den Radverkehr. Hier müssen wir die besonderen topographischen Rahmenbedingungen berücksichtigen, die hier im Bergischen nicht so komfortabel sind wie am Niederrhein.

Die Zukunft Bahnangebots wird beim Verkehrsverbund verhandelt. Was wollen Sie dort für Solingen erreichen?

Budde: Wir brauchen gute Anbindungen – auch in die Nachbarregionen – mit einem verlässlichen Takt. Dabei ist auch Pünktlichkeit wichtig. Das sind langfristige Projekte. Die Landesregierung hat ja ein Zielnetz erarbeitet. Hier müssen wir schauen, ob wir daran noch etwas verbessern können – zum Beispiel bei der Durchbindung der Züge nach Düsseldorf.

Im Umweltbereich sind derzeit der Klimawandel und seine Folgen akut. Wo muss die Stadt handeln?

Budde: Wir müssen versuchen, so viel wie möglich für den Klimaschutz zu tun, also einen kommunalen Beitrag dazu liefern. Aber der Klimawandel ist da. Das haben wir spätestens bei dem Hochwasser im vergangenen Jahr gesehen. Darum ist auch die Klimafolgenanpassung ein Thema. Hier müssen wir auch den Stadtumbau in den Fokus nehmen. Wir müssen zum Beispiel etwas gegen die Überhitzung der Innenstädte unternehmen.

Zur Person: Andreas Budde

Andreas Budde, geboren in Moers, ist 50 Jahre alt, verheiratet und hat drei Kinder. Budde ist seit dem 15. Januar städtischer Beigeordneter für Planung, Bauen, Verkehr und Umwelt. Zuvor war er zwölfeinhalb Jahre beim Kreis Viersen beschäftigt. Er war dort Technischer Dezernent und damit zuständig für die Kreisentwicklungsplanung sowie Bauaufsicht, Natur- und Umweltschutz, Vermessung und Kataster, digitale Infrastruktur und Verkehrsanlagen. Zusätzlich leitete er den Abfallbetrieb des Kreises Viersen und war Mitgeschäftsführer der dortigen Wirtschaftsförderungsgesellschaft.

Mit diesen Themen hatte sich der neue Dezernent im September vorgestellt: Neuer Dezernent Andreas Budde: Das sind seine Zukunftsthemen für Solingen

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