Die Stadt braucht große Quartierslösungen

Dr. Norbert Zimmermann will mit nachhaltigem und ökologischem Bauen Akzente setzen.  Foto: cb
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Dr. Norbert Zimmermann will mit nachhaltigem und ökologischem Bauen Akzente setzen.  Foto: cb

Dr. Norbert Zimmermann, Onus Consulting

Als Erstes muss man sicherlich den Erfolg für Solingen herausstellen, wenn es dem OB Tim Kurzbach und Stadtdirektor Hartmut Hoferichter einerseits gelungen ist, unsere Stadt für Großinvestoren und institutionelle Anleger zu gewinnen, andererseits gerade auch brachliegende Flächen wohnbaulich zu entwickeln. Andererseits zeigen die Befürchtungen, wie notwendig eine differenzierte und zukunftsorientierte Sichtweise im Bereich des Immobilienmarktes ist.

Schon aus diesem Grund bin ich im Bereich der Immobilienentwicklung immer ein Befürworter von größeren Quartierslösungen mit Anstoßcharakter gewesen. Denn hier haben Verwaltung und Politik eine größere Einflussnahmemöglichkeit als bei den kleineren Insellösungen; aber beides ist in Solingen wichtig und muss sorgfältig geplant und reglementiert werden. 100 Wohneinheiten in einem Ortsteil unserer Stadt schaffen im wahrsten Sinne des Wortes Bewegung.

Wohnungen werden verlassen, neue bezogen – und das setzt sich dann fort; je nachdem, ob der Anstoß etwas Positives oder etwas Negatives geschaffen hat. Ich halte daher 1000 neue Wohnungen in den nächsten fünf oder sechs Jahren keineswegs als eine im kommunalwirtschaftlichen Sinne gefährliche Masse. Man muss unter anderem vielmehr betrachten, in welchem Verhältnis Mietwohnungen zu eigengenutzten Wohnungen stehen.

Bei Erstellung des Bebauungsplans müssen diese Fragen aus meiner Sicht wesentlich politischer untersucht werden. Wir sind in Solingen mit dem Handlungskonzept Wohnen den völlig richtigen Schritt gegangen und müssen ihn jetzt nur konsequent weitergehen.

„Die Qualität und die Zielsetzung sind maßgebliche Faktoren.“

Benötigt Solingen 1000 Wohnungen, die Menschen mit durchschnittlichem oder darunter liegendem Einkommen bezahlen können? Selbstverständlich – und das würde nicht einmal reichen. Benötigen wir mindestens 400 neue, moderne und dem geänderten Umweltverständnis angepasste Wohnungen, die nicht schon bei der Erstellung veraltet sind und deren ökologische Lebensdauer ein Desaster sein wird? Selbstverständlich, die dürfen auch 15 Euro pro Quadratmeter Miete kosten und selbst dann würde das nicht reichen, um den Bedarf zu sättigen.

Allein diese Beispiele zeigen, dass die Anzahl der Einheiten nicht so sehr entscheidend ist. Die Qualität und die Zielsetzung sind die maßgeblichen Faktoren. Eine Immobilienblase wie in den USA wird bei uns jedenfalls im Wohnbereich nicht entstehen. Die Gefahr, die ich in Bezug auf Wohnimmobilien sehe, liegt darin, dass auch in Solingen ein Immobilien-Boom in Zusammenhang mit den älteren Bestandsimmobilien entstanden ist. Wenn internationale Unternehmen sich für Solinger Altimmobilien interessieren, dann stimmt mich das nachdenklich und macht mich auch ein wenig zum Systemgegner.

Das macht Sorgen und muss beobachtet werden. Und hier scheint es mir von Nachteil zu sein, dass wir keine kommunalen Wohnungsbaugesellschaften mehr haben, die notfalls eingreifen und helfen können.

Ich kann nur dazu ermuntern, im Bereich der neuen Quartiere die Diskussion bei der Aufstellung der Bebauungspläne mit gegenseitigem Respekt zu führen und nicht nur alles in klimaschädlichen Beton zu gießen, wenn wir die Innenstädte mit neuen Wohnkonzepten beleben wollen. Dann ist Zahl der neuen Wohneinheiten eine Erfolgsgröße und nicht eine Zahl, vor der wir Angst haben müssen.

Wir müssen eine Vielzahl von unterschiedlichen Angeboten und Entwicklungschancen schaffen und diese gemeinsam mit den Baukonzernen und Projektentwicklern umsetzen.

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