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Mitte: Neues Wohnen und weniger Handel kommen

Der Neubau zwischen Fronhof und Clemens-Galarien wird terrassenförmig sein. Er soll sich so an die Gebäude anpassen, die bereits stehen. Dachflächen und auch Terrassenflächen werden begrünt. Ins Gebäude kommen Wohnungen, Handel und Angebote für Seniorenwohngruppen. Foto: Christian Beier
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Der Neubau zwischen Fronhof und Clemens-Galarien wird terrassenförmig sein. Er soll sich so an die Gebäude anpassen, die bereits stehen. Dachflächen und auch Terrassenflächen werden begrünt. Ins Gebäude kommen Wohnungen, Handel und Angebote für Seniorenwohngruppen.

Die Grundstücke von Kaufhof und P & C werden bis 2024 neu entwickelt

Von Philipp Müller

Solingen. Anfang 2017 übernahm die Immobilien Solingen Projektgesellschaft mbH die Grundstücke, auf denen die Clemens-Galerien und Kaufhof und Peek & Cloppenburg stehen. Letztere beiden Gebäude sollen abgerissen werden und durch einen Mix aus viel Wohnen und weniger Handel ersetzt werden. Die Politik begleitet den Prozess bis zum Jahresbeginn 2022, um alles auf Basis des Baugesetzbuches zu planen.

Warum wird überhaupt dort ein neuer Gebäudekomplex gebaut?

Seit 2017 hatte der Frankfurter Geschäftsmann Jochen Stahl mit nur teilweisem Erfolg versucht, die Clemens-Galerien und die angrenzenden Gewerbeimmobilien neu zu beleben. Schon früh reifte die Erkenntnis, dass weniger Handelsfläche gebraucht wird oder diese mit Discountern zu füllen ist. Für Kaufhof zeigte nur Woolworth Interesse. Deshalb wurde der Standort neu geplant.

Wer baut das Wohn- und Geschäftshaus?

Die Projektgesellschaft ist auch der Bauherr. Aber zum Jahresende 2021 wurde in der Firmengruppe des Investors Norbert Ketterer, zu der die Solinger GmbH gehört, kräftig aufgeräumt. Jochen Stahl musste seinen Hut nehmen. Für den Komplex Neubau ist jetzt Alexander Scholl von der Hamburger Firma Athos zuständig. Zusammen mit Athos-Geschäftsführer Udo Stocker stellte er im Juni die Pläne dem Planungsausschuss und der Bezirksvertretung Mitte vor.

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Was wird gebaut werden?

Die Pläne basieren auf den Zeichnungen des Hamburger Architekturbüros Prasch Boken und Partner. Alf Prasch skizzierte in der Sitzung der Gremien dies: Die Nutzfläche soll 16 000 Quadratmeter umfassen. 5000 für Handel, 6000 für Wohnen und 5000 unter dem Stichwort „Senioren“.

Warum muss dafür das Baurecht geändert werden?

Grob formuliert erlaubt der mehr als 60 Jahre alte Bebauungsplan aus der Nachkriegszeit nur Gewerbeimmobilien. Will man mehr Wohnen möglich machen, gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder man schafft neues Baurecht mittels eines Bebauungsplans oder man verwirft das alte Baurecht einfach und setzt auf das Baugesetzbuch. Alf Prasch hatte der Politik ausdrücklich gratuliert jetzt letzteren Weg zu gehen, der zwei Jahre Zeit spare.

Wo liegen die Risiken?

Der Einfluss der Politik und auch des Rathauses schwindet, wenn kein Bebauungsplan existiert. Stocker als Vertreter der Investoren und Baudezernent Hartmut Hoferichter (parteilos) versicherten, deshalb eng alle Pläne im Vorfeld abzustimmen. Sie warben dafür, den beiden Seiten Vertrauen zu schenken. Dafür macht die Politik den Weg frei.

Die ebenerdige Passage reicht vom Klosterwall gegenüber des Fronhofes hinüber zur Kölner Straße. Fotomontage: Prasch Boken und Partner

Passt das Konzept zum Programm City 2030?

Alexander Scholl von Athos sagt, das als Mischnutzung geplante Projekte passe gut ins Konzept City 2030. Daher sei es auch so intensiv mit dem Rathaus geplant worden. Das fordere einige Dinge, die sich am Standort Kaufhof und P & C direkt umsetzen lassen. Zur Stärkung des Themas Wohnen biete die neue Immobilie Chancen für alle Generationen. „Die Konzentration des Handels findet schon dadurch statt, dass einige Tausend Quadratmeter weniger Handelsfläche Druck vom Markt nehmen“, betont Scholl. Die neuen Flächen im geplanten Objekt würden sich an den Bedürfnissen der Bewohner in der City orientieren und auch attraktiv für alle Solinger sein. Als dritten Punkt nennt der Betriebswirt die Passage zwischen Fronhof und Clemens-Galerien. Ein solcher Durchlass war schon von den Stadtentwicklern, die das Konzept City 2030 erstellt hatten, als wichtiger Baustein benannt worden. So konzentriert sich der Kundenverkehr stärker auf die Achse Clemens-Galerien, Fronhof, Alter Markt bis zum Neumarkt nebst Hofgarten.

Wer wird das Objekt betreiben?

Scholl erklärt, die Vermietung und Betreuung des Objekts laufe zunächst über die Projektgesellschaft. Einen späteren Komplettverkauf schloss er nicht aus. Ein Teilverkauf etwa von einzelnen Wohnungen sei dagegen nicht geplant.

Bauherr

Der Immobilien Solingen Projektgesellschaft mbH gehören auch die Clemens-Galerien. Zu Jahresbeginn wurde die Geschäftsführung ausgetauscht. Für das Einkaufszentrum zeichnet der Hamburger Kaufmann Udo Stocker als Dienstleister verantwortlich. Die Gesellschaft leitet Jan Hedding von Leipzig aus.

Alle Teile der ST-Stadtteilserie finden Sie hier.

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