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Gastronomen kämpfen mit vielen Baustellen

Lukas van Hove will mit seinem Café Zum Burgnarr die Gastronomieszene in Burg beleben. Von dem Hochwasser blieb er in Oberburg – anders als viele andere Betriebe in Unterburg – weitgehend verschont. Foto: Christian Beier
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Lukas van Hove will mit seinem Café Zum Burgnarr die Gastronomieszene in Burg beleben. Von dem Hochwasser blieb er in Oberburg – anders als viele andere Betriebe in Unterburg – weitgehend verschont.

Hochwasser, Corona-Pandemie und wechselhaftes Wetter haben Restaurants und Cafés in Burg schwer zugesetzt

Von Kristin Dowe

Solingen. Geöffnet, geschlossen. Nur draußen geöffnet, wieder geschlossen. Diesem ständigen Wechselspiel waren die Gastronomen in Burg im Zuge der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie ohnehin in den vergangenen Monaten ständig ausgesetzt. Ausgerechnet in diese schwierige Zeit krachte zu allem Überfluss vor mehr als drei Wochen die Hochwasserkatastrophe hinein, die gerade im völlig überschwemmten Unterburg Restaurants und Betriebe vor existenzielle Probleme stellte. Im Café Meyer an der Schloßbergstraße etwa stand das Wasser mehr als zwei Meter hoch und hatte die komplette untere Etage unter sich begraben.

„Wir konnten uns nur noch auf die Brücke retten und dabei zusehen, wie 14 Jahre zunichtegemacht werden“, sagt Inhaber Olaf Meyer resigniert. Schon die jahrelange Sperrung der Eschbachstraße im Zuge der Hochwasserschutzmaßnahmen und später die Corona-Pandemie hätten die Gastronomie im Ort schwer zugesetzt. Bei den Wupperterrassen vernichtete das Wasser Inventar im Wert von rund 150 000 Euro. Sowohl Inhaber Cedu Makric als auch Olaf Meyer rechnen nicht damit, vor Frühjahr 2022 wieder Gäste empfangen zu können.

Betriebe in topographisch höheren Lagen wie der von Thomas Willis betriebene Rittersturz kamen vergleichsweise glimpflich davon. „Wir haben großes Glück gehabt“, ist sich der Gastronom bewusst. „Viele Kollegen hat es dagegen sehr schwer getroffen. In ihren Gesichtern war am Tag des Hochwassers keine Hoffnung mehr zu finden.“

„Es wäre schön, wenn die Restaurants und Cafés abends noch länger geöffnet hätten.“

Dominik Boeddinghaus vom Frittenschmied

2020 hatte Willis, der übrigens um ein paar Ecken mit Schauspieler Bruce Willis verwandt ist, das Haus gemeinsam mit Frau Banu übernommen und den Namen beibehalten, um frischen Wind in die größtenteils alteingesessene Burger Gastroszene zu bringen. Bis heute war das Waffelhaus noch keinen einzigen Tag geöffnet. „Weil wir das Haus Ende 2019 gekauft und während des ersten Lockdowns im März 2020 übernommen haben, haben wir quasi überhaupt keine Corona-Hilfen erhalten. Auch die Banken hatten zu diesem Zeitpunkt nicht gerade Freude daran, Gastronomie zu finanzieren.“ An seinem Traum eines eigenen Cafés hält er dennoch fest. „Wir hoffen, dass wir in Kürze öffnen können.“

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Ebenfalls relativ neu zu den Burger Gastronomen ist Lukas van Hove zugestoßen, der im vergangenen Jahr das Café Zum Hofnarr, ehemals Café Voigt, auf Schloss Burg eröffnet hat. Als das Wasser in Unterburg heranrauschte, wurde der junge Belgier zum Helfer in der Not: So versorgte er in den Tagen nach dem Unwetter die gebeutelte Bevölkerung in Unterburg mit frisch gekochten Speisen und Getränken.

Während viele seiner Berufsgenossen den zähen Fluss von Hilfsgeldern und mangelnde Unterstützung während der Pandemie beklagen, könne er diesen Vorwurf überhaupt nicht nachvollziehen, betont er. „Ich muss wirklich sagen, dass uns der deutsche Staat sehr unterstützt hat. Wir haben umfassende Hilfen erhalten und dafür bin ich auch sehr dankbar.“ Auch er habe wegen der Pandemie erst vier Monate öffnen können. Die unfreiwillige Pause hätten seine Frau und er aber für umfangreiche Renovierungsarbeiten genutzt und beispielsweise die Außenterrasse von 28 auf 56 Plätze erweitert.

Was die lange ansässigen Traditionsbetriebe in Burg betrifft, warnt van Hove davor, den Tourismus im Ort für einen Selbstläufer zu halten. „Die Gastronomen hier haben es lange sehr gut gehabt und mussten nie um ihre Kunden kämpfen. Diese Zeiten haben sich geändert.“ So wünsche er sich von einigen seiner Mitstreiter mehr Freundlichkeit und Service.

Wegen wechselhaften Juliwetters blieben die Besucher oft aus

Wenngleich auch Dominik Boeddinghaus vom Frittenschmied die durch das Hochwasser entstandenen Nöte der Gastronomen keineswegs kleinreden will, schließt er sich der Kritik van Hoves in Teilen an. „Es wäre schön, wenn die Restaurants und Cafés auch abends noch länger geöffnet hätten, wenn Schloss Burg schon geschlossen ist“, regt der ehemalige Krankenpfleger an, der die Pommesbude am Schloßplatz im April übernommen hat. Er kenne sie schon seit seiner Kindheit. Gerade an den Wochenenden würden viele Schlossbesucher gerne noch den Abend irgendwo gemütlich ausklingen lassen, stießen aber bei den vorhandenen gastronomischen Angeboten nach 18 Uhr meist auf verschlossene Türen.

Von dem Hochwasser sei sein Geschäft nur mittelbar betroffen, da die Gäste zurzeit ausblieben, wenn sie für den Weg entweder durch das schwer gezeichnete Unterburg fahren oder einen Umweg über Remscheid in Kauf nehmen müssten. In den Tagen nach der Katastrophe habe auch er die Unterburger mit Essen versorgt. „Das war doch selbstverständlich.“ Das durchwachsene Juliwetter der vergangenen Wochen habe die Situation für alle zusätzlich erschwert. Umso mehr wirbt Dominik Boeddinghaus dafür, einfach mal auf eine Pommes oder Bratwurst bei ihm vorbeizuschauen. „Die gibt’s übrigens auch glutenfrei!“

Hintergrund

Über Facebook bedankte sich Olaf Meyer, für die große Unterstützung vieler freiwilliger Helfer nach dem Hochwasser. Wie für viele andere hochwassergeschädigte Betriebe kann auch für das Café Meyer gespendet werden. Weitere Infos gibt es auf der Homepage des Cafés.

cafe-meyer.de

Alle Teile der ST-Stadtteilserie finden Sie hier.

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