Diskussion an der Klingenhalle

ST vor Ort bot kontroverse Debatte zur Arena

An der Klingenhalle diskutierten gestern Abend Vertreter aus Politik, Sport und Bürgerinitiativen über das Für und Wider einer Sport- und Veranstaltungs-Arena Bergisch Land.
+
An der Klingenhalle diskutierten gestern Abend Vertreter aus Politik, Sport und Bürgerinitiativen über das Für und Wider einer Sport- und Veranstaltungs-Arena Bergisch Land.

Befürworter und Gegner diskutieren sehr kontrovers, aber fair miteinander. Mit Videos.

Solingen. Wie groß der Diskussionsbedarf über eine neue Arena am Weyersberg ist - das zeigte am Donnerstag die Aktion „ST vor Ort“: Rund 80 Interessierte waren der Einladung des ST gefolgt und hatten sich zu der Podiumsdiskussion unter freiem Himmel vor dem Sportler-Eingang der Klingenhalle eingefunden.

An der Klingenhalle diskutierten gestern Abend Vertreter aus Politik, Sport und Bürgerinitiativen über das Für und Wider einer Sport- und Veranstaltungs-Arena Bergisch Land.

Moderiert von ST-Lokalchef Björn Boch und Redakteur Philipp Müller diskutierten dort Vertreter aus Politik, Sport und Bürgerinitiativen über das Für und Wider einer Sport- und Veranstaltungs-Arena Bergisch Land: kontrovers, aber sachlich. Diskutiert wurden auch Nutzen und Risiken des Projekts für Breitensport, Kultur und die Innenstadt.

Die Sicht der Befürworter

Befürworter betonten vor den vielen Gästen die Chancen und verwiesen auf den langen Prüfprozess, der erst am Anfang stehe. Neben dort stattfindenden kulturellen Großveranstaltungen soll die neue Arena am Weyersberg unter anderem die neue HEimat-Spielstätte für den Handball-Bundesligisten BHC werden.

Seit Jahren sucht der Verein händeringend nach einer Alternative zur marode werdenden Klingenhalle, die zudem längst nicht mehr die Standards für diese Spielklasse erfüllt. Dass inzwischen auch die Unihalle in Wuppertal als Spielstätte „wackelt“, macht den Druck für den Verein noch größer.

„Wir brauchen eine neue Halle mit mindestens 4500 Zuschauer-Plätzen schlichtweg aus wirtschaftlichen Gründen“, sagte Ralf Zimmermann von der BHC Marketing bei „St vor Ort“.

Dabei gehe es sowohl um die Notwendigkeit von Mehr-Einnahmen durch den Kartenverkauf als auch um die Sicherung von TV-Tauglichkeit. „Die Klingenhalle ist bundesweit die einzige Handball-Halle in der Liga, in der keine Kamera hinter den Toren installiert werden kann“, sagte Zimmermann. „Wir laufen Gefahr, abgehängt zu werden, für den Verein finanziell ein Fiasko.“

Die Sicht der Kritiker

Karsten Römling vom Jugendstadtrat und zugleich Sprecher der Bewegung „Fridays For Future“ wies auf die derzeit explodierenden Kosten im Bauwesen hin. Eine von ihnen erstellte Umfrage nach Bedarfen bei den Solinger Jugendlichen habe ergeben, dass mehr Basketball- und Bolzplätze und zuverlässige Schwimm-Möglichkeiten gewünscht wären. „Kann man die veranschlagten 50 Millionen nicht lieber für solche Projekte plus einer Sanierung der Klingenhalle inklusive Ertüchtigung für Bundesliga-Handball investieren?“ fragte er.

Michael Scharmann von der Bürgerinitiative „Solingen Gehört Uns!“ erläuterte, was hinter dem so genannten „Bürgerantrag“ gegen die Planungen für den Bau der Arena steckt: Ein solcher Antrag sei juristisch unkomplizierter als ein Bürgerbegehren und zeige die Vielzahl der Stimmen gegen das Projekt sehr gut auf, sagte er. „Solch eine Halle ist zu teuer für unsere Stadt, weil sie ein Zuschussgeschäft bleibt.“

In der Tat sei dem so, hakte Carsten Becker (Vorsitzender des Ausschusses für Städtebau, Stadtentwicklung und Digitale Infrastruktur) an dieser Stelle ein. Kultur- und Sportstätten schrieben nirgends schwarze Nullen, so etwas sei immer ein Zuschussgeschäft. „Der Sinn der Prüfungen ist, zu klären, wie man langfristig weniger Geld ausgeben müsse: Bau und Unterhalt einer neuen Halle oder Sanierung und Unterhalt der alten Klingenhalle.“

Kritisch äußerte sich auch der Präsident des Fußballvereins DV Solingen, Mehmet Tunc: „Wir sind ein Innenstadtverein“, sagte er. „Ausweichplätze am Rande der Stadt würden uns und unseren jugendlichen Spielern gar nichts nützen.“

Gabriele Bick als Sprecherin der Weyersberg-Anwohner gab ihren Bedenken gegen „einen solchen Bau „hier in diesem Kessel“ ebenfalls nachdrücklich Ausdruck. „Wo sollen denn all die Autos hin, die damit kommen würden und was wäre das für eine dauerhafte Lärmbelästigung?“

Die Diskussion in der Solinger Politik

Für Carsten Becker (CDU) sind noch viele Aspekte bezüglich eines solchen Großprojektes ungeklärt. Deshalb sei ein Prüfauftrag initiiert worden.

Was genau ist Thema dieses Prüfauftrags? Er soll klären: „Wie findet in dieser gedachten Arena künftig zuverlässig der Schulsport seinen Platz? Kann dem Fußballverein DV Solingen, für den ein Fußballplatz nebst Bolzplätzen am Weyersberg für den Neubau wegfallen, eine adäquate Alternative angeboten werden? Und welche Antworten gibt es auf ökologischen Fragen rund um ein solches bauliches Großprojekt?“ Erst wenn dies alles geprüft sei, könne man seriös weiterplanen, sagte er.

Die Grünen im Stadtrat haben den Grundsatzbeschluss zum Bau der Arena im Stadtrat nicht mitgetragen. Bürgermeister Thilo Schnor (Grüne) ist Vorsitzender des Ausschusses für Klimaschutz, Umwelt, Mobilität und Wohnungswesen - und er machte deutlich, dass die Grünen weiter ein großes Fragezeichen hinter das Projekt machen.

Auch der gestellte Prüfauftrag greife zu kurz, bemängelte er. So berücksichtige er beispielsweise nicht die neu zu denkende Verkehrs-Situation. „Da müssten neue Konzepte her“. Es gelte, die Parksituation zu klären beziehungsweise ein alternatives Mobilitätskonzept zu denken, um auch im Sinne der in Solingen praktizierten Nachhaltigkeits-Strategie eine Anreise mit Bus und Bahn zu ermöglichen. „All diese Dinge sind in der Kalkulationssumme von 50 Millionen nicht abgebildet.“

Ferner wies er auf die Größe des geplanten Baukörpers hin und äußerte Bedenken, damit eine weitere Wärme-Insel mit daraus folgender Aufheizung im Sommer in der City zu schaffen, die einen weiteren Verlust der Lebensqualität für die Solinger bedeute.

Hintergrund: Neubau der Arena am Weyersberg

Derzeit liegen weder genaue Pläne für eine Bergisch-Land-Arena am Standort Weyersberg vor noch exakte Kosten oder ein Zeitplan.

Im Solinger Stadtrat wurde Anfang 2022 mit breiter Mehrheit der Beschluss gefasst, die Halle zu bauen. Nach Abschluss und Bewertung der damit verbundenen Prüfaufträge könnten nächste Schritte Richtung Arena erfolgen.
Die gesamte ST-Berichterstattung zur Diskussion um die Arena am Weyersberg finden Sie hier.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Streit endet tödlich: Mann stirbt bei Messerattacke
Streit endet tödlich: Mann stirbt bei Messerattacke
Streit endet tödlich: Mann stirbt bei Messerattacke
Nach Messerstecherei in Ohligs: Tatverdächtige stellen sich
Nach Messerstecherei in Ohligs: Tatverdächtige stellen sich
Nach Messerstecherei in Ohligs: Tatverdächtige stellen sich
Solinger will türkischer Präsident werden
Solinger will türkischer Präsident werden
Solinger will türkischer Präsident werden
Bei den Erstklässlern in Solingen wird es voll
Bei den Erstklässlern in Solingen wird es voll
Bei den Erstklässlern in Solingen wird es voll

Kommentare