Heiligabend

So feiern ST-Redakteure Weihnachten

Mama Vera hat das Glöckchen fürs Christkind schon parat. So wissen alle, wann die Geschenke da sind. Sollte das Glöckchen mal verschwunden oder defekt sein, kommt die Haustür-Klingel zum Einsatz. Foto: Tanja Boch
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Mama Vera hat das Glöckchen fürs Christkind schon parat. So wissen alle, wann die Geschenke da sind. Sollte das Glöckchen mal verschwunden oder defekt sein, kommt die Haustür-Klingel zum Einsatz.

ST-Redakteure erzählen von ihren Traditionen zu Weihnachten.

Solingen. Bald ist Heiligabend. Dann stehen wieder die alljährlichen Familienfeiern an, die sich in keinem Hause gleichen. Die St-Redakteure erzählen deshalb von ihren Weihnachtsbräuchen zum Fest.

Björn Boch, Lokalchef beim Solinger Tageblatt: „Mama Christkind“ kündigt sich an - Nach dem Klingeln des Glöckchens startet die Bescherung mit familienhistorischer Prägung

Nehmen wir, weil ja bald Weihnachten ist, mal für einen Moment an, dass das Christkind existiert. Oder akzeptieren wir zumindest, um auch die Skeptiker mitzunehmen, die Unmöglichkeit eines Negativ-Beweises: Dass es das Christkind sicher nicht gibt, ist keinesfalls erwiesen. Nur gesehen hat es halt noch niemand.

Dabei hätten meine Schwester Tanja und ich das Christkind sicher schon längst entdeckt – hätten wir nicht als Kinder immer ausgerechnet kurz vor dem Moment aufs Zimmer gehen müssen, in dem das Christkind per Glöckchen mitteilte, nun endlich da zu sein. Oder vielmehr da gewesen und schon wieder weg zu sein. Verpasst. Mist. Na ja, immerhin hat es die Geschenke dagelassen.

Angesichts Millionen (mehr oder weniger) christlicher Haushalte in Deutschland dürfte aber auch den größten Fans klar sein, dass das Christkind Hilfe benötigt. Selbst wenn gegen jede Wahrscheinlichkeit der Weihnachtsmann – Ha! Wer glaubt schon an den Weihnachtsmann, hohoho – tatkräftig unterstützen sollte.

Und wie stets, wenn Hilfe benötigt wird, ist das ein Job für Mütter – auch im Hause Boch. Weshalb Mama Vera, Hüterin des Glöckchens, für den Fall der Fälle bereitsteht – sollte es das Christkind gegen jede Wahrscheinlichkeit nicht schaffen, persönlich vorbeizuschauen. Meine Schwester und ich ziehen uns bis heute brav zurück – was Papa Karl-Heinz macht, entzieht sich unserer Kenntnis, wir sind ja nicht da. Wir warten, bis es klingelt.

Das darf im Erwachsenenalter ruhig ein wenig dauern, schließlich sind wir träge, da gut gesättigt von Königinpasteten mit Ragout Fin, was seit einigen Jahren als Weihnachtsessen gesetzt ist. Unschlagbare Gründe dafür: Nicht allzu schwer zu kochen, gut vorzubereiten, köstlich im Verhältnis von Aufwand und Ertrag.

Besuch gibt es übrigens keinen, höchstens tagsüber. Heiligabend, das waren immer „wir vier“, zumindest in den letzten Jahren. Vor dem Essen gibt es in aller Regel einen Aperitif am Kamin – das gemeinsame Starren ins Feuer ist uns so heilig, dass wir es auch tun, sollte Weihnachten mal wieder ungewöhnlich warm sein. Der Klimawandel kann kommen.

In Jahren ohne Pandemie sind Papa und Tanja zuvor in der Kirche, während Mama und ich letzte Vorbereitungen abschließen und die Stellung halten. Was bei Mama meist einen Dienst an der Allgemeinheit bedeutet, bei mir dagegen das Einpacken der Geschenke kurz vor knapp.

Aber zurück zum Klingeln: Statt des Glöckchens darf auch die Türklingel zum Einsatz kommen. Gebimmel ist schließlich Gebimmel, darauf haben wir uns mit der Christkind-Gewerkschaft geeinigt.

Und dann ist Bescherung: Die folgt bei uns einem strengen, allerdings niemals offiziell vereinbarten Ritus. Außenstehende würden es wohl am ehesten als „zeitlupenhaft“ beschreiben. Ausgiebig werden zunächst die Geschenke unter dem Weihnachtsbaum betrachtet. Gemächlich wird Platz auf der Couch eingenommen, von der Baum und Geschenke gut zu sehen sind. Dann beginnt das strategische Warten.

Keinesfalls zu früh aufstehen, eventuell auch einen anderen mit „Jetzt pack doch mal was aus“ ermuntern, aber niemals selbst schnell oder gierig sein. Wer dann doch endlich ein Geschenk – und immer nur ein Geschenk (!) – geöffnet hat, widmet sich dem ausgiebig. Dann bedankt er sich artig und ausführlich beim Schenkenden oder stellt fest, dass der Schenkende nicht da ist, was zu Sätzen führt wie: „Das ist aber großzügig vom Norbert.“ – „Hatten wir nicht mit der Burgel vereinbart, dass wir uns nichts mehr schenken?“ – „Das wäre aber nicht nötig gewesen von der Petra.“ Und dann beginnt wieder das Warten. Bis der nächste sich an ein Geschenk herantraut.

Ich vermute, es kommt daher, dass meine Schwester und ich einst einen Weihnachtsabend ruinierten, weil wir wie besinnungslos Geschenke aufgerissen haben. Die Zeit der freudigen Bescherung haben wir damals unnötig verkürzt, nun holen wir sie uns zurück. Aber das ist eine andere Geschichte.

Philipp Müller, ST-Redakteur: Auf den Tisch kommt Hasenpfeffer

Im Hause der Familie Müller ist die Suche nach Ritualen am Weihnachtsfest nicht ganz einfach. Das das Christkind ankündigende Glöckchen ist schon lange futsch. Schnee zu Weihnachten wird auch seltener. Phasen mit und ohne Weihnachtsgeschenke wechseln sich ab – ohne hat sich mittlerweile durchgesetzt. Gut, konstant ist immerhin der 24. Dezember als Termin – aber der liegt ja auch immer an einem anderen Tag.

In all dem zeitlichen Chaos und der Evolution der Bedürfnisse je nach Alter der Familienmitglieder hat sich seit fast fünf Jahrzehnten doch eine Konstante gehalten: Es ist die Hasenkeule. Sie wandert mit Vorderläufen und dem zarten Rücken des eigentlich erst zu Ostern mit Körbchen aktiven Tiers zwecks Produktion eines traditionellen Ragouts in den großen Bräter. Preiselbeeren und andere Zutaten runden das Familienrezept des Hasenpfeffers ab.

Der Hasenpfeffer darf bei Müllers heute noch bis zum Abend in Pfeffer, Rotwein und Thymian schwimmen. Dann wird er angebraten, gegart und darf bis Heiligabend durchziehen.

So ist das Hasenragout der auf die jeweilige Tellergröße konzentrierte Mittelpunkt des weihnachtlichen Weltalls bei Müllers. Umkreist wird die Spezialität aus Monden, die kleinen Rosenköhlchen gleichen. Und attackiert wird der Hasenpfeffer auf dem Teller von Kroketten, die wie Meteoriten aussehen. Wahlweise rauschen auch Asteroiden von Kloßgröße durch die Teller-Galaxie.

Das Verzehren findet am großen Tisch statt. Ach, fast etwas vergessen: Es wird sich nicht gestritten, es geht zumeist eher lustig zu – eine Konstante, die wir uns als Müllers auch an Heiligabend erhalten wollen. Müssen wir ja auch, das Haus liegt gegenüber der Dorper Kirche, dem Hort des zelebrierten himmlischen Friedens auf Erden. Und das ist gut so.

Simone-Theyßen Speich, ST-Redakteurin: Ein schönes Stück Familiengeschichte

Tochter Lea Speich musiziert auf dem Saxofon.

Selbst zu musizieren, das gehört bei uns schon immer zum Ritual an Heiligabend. Als Kind habe ich selbst vor der Bescherung Weihnachtslieder auf dem Akkordeon gespielt. Auch meine Kinder haben die Tradition übernommen. Mittlerweile ist es jetzt meistens meine Tochter Lea, die auf dem Alt-Saxofon für den musikalischen Teil der Familienfeier sorgt.

Eine andere Tradition ist seit etwa 100 Jahren in unserer Familie verankert: Die Krippe, die wir jedes Jahr unter dem Weihnachtsbaum aufbauen, gehörte schon meinem Großvater, erfreut also jetzt die vierte Generation. Meine Mutter weiß zu berichten, dass ihr Vater die Figuren immer sehr liebevoll platziert hat. So rückten die drei Weisen aus dem Morgenland in der Adventszeit auf dem mit Mehl gestreuten Weg jeden Tag etwas näher an die Krippe – bis zu ihrer Ankunft am 6. Januar. Unter den einfachen Gipsfiguren aus den 1920er Jahren ist teilweise noch der alte Preis „1,20 Mark“ mit Bleistift vermerkt. Die Figuren sind etwas in die Jahre gekommen. Einige sind etwas angeschlagen, einem Schaf und dem Hütehund fehlt ein Bein, was beim Aufstellen mit Moos verdeckt wird. Eine schöne Tradition – und ein Stück Familiengeschichte.

Verena Willing, Online-Redakteurin: Kochen für zehn Personen – egal, wie viele Gäste kommen - Nach dem Essen gibt es verrückte Gesellschaftsspiele

Nachdem ich mir schon mit dem Einzug der ersten Schoko-Weihnachtsmänner in die Supermarkt-Regale Gedanken um mein Menü für Heiligabend gemacht habe, beginnt meine Weihnachtstradition ungefähr zwei Wochen vor dem Fest. Dann steht nämlich mein Soßentag auf dem Programm. Und den zelebriere ich an meinem Herd mit gefühlten 20 Zutaten und einigen Gläsern gutem Rotwein – für Soße und Köchin, versteht sich.

Zur festlich gedeckten Tafel gehört auch in der zeitgenössischen Version eine passende Tischdecke – hier das Modell „Kiefer“.

Dabei höre ich natürlich Weihnachtsmusik (die ertrage ich auch nur dann). Wenn irgendwann im Laufe des Nachmittags eine vollmundige Soße entstanden ist, kommt sie ins Gefrierfach. Am 23. Dezember zieht sie dann zum Auftauen in den Kühlschrank und erhält Heiligabend ihren letzten Schliff. In diesem Jahr stehen Rouladen, Semmelknödel und Rotkohl auf dem Programm – als Vorspeise gibt es Friséesalat mit einer gebratenen Maultasche.

Eine weitere Weihnachtstradition muss in diesem Jahr leider zum zweiten Mal pausieren: Wegen der Pandemie feiern wir in ganz kleinem Kreis. Normalerweise kommen immer einige Freunde zu Besuch, teilweise auch aus Bayern. Ich hoffe, dass wir im nächsten Jahr wieder alle zusammen feiern können.

Die Erfahrung des ersten Pandemie-Weihnachtens 2020 zeigt jedoch auch: Ich koche trotzdem gefühlt für zehn Personen. Entsprechend früh geht es mit den Vorbereitungen in der Küche los. Gleich nach dem Frühstück fange ich mit dem Kochen an. Ab circa 14 Uhr bin ich dann in der Regel nicht mehr ansprechbar – Weihnachtsstress. Schließlich soll alles perfekt sein. Ab 17 Uhr decken wir den Tisch, weil gegen 18 Uhr die Gäste kommen.

Heiligabend endet dann traditionell mit verrückten Gesellschaftsspielen und einigen geleerten Flaschen Wein nach Mitternacht.

Romina Miera, PR- und Social-Media-Managerin: Der Wichtel bringt die Geschenke - Um Mitternacht gibt es Kuchen und Schaumwein

Romina Miera hat es sich mit Hündin Rala vor dem Baum bequem gemacht. Geschenke gibt es nach Mitternacht.

Ich habe eine recht große Verwandtschaft, die an den Feiertagen gerne zusammenkommt. Mit Großeltern, Tanten, Onkeln, Cousins und Cousinen sitzen an Weihnachten gut und gerne knapp 25 Personen an einer festlich gedeckten Tafel, essen gemeinsam, lachen und unterhalten sich. Ein richtig „ruhiges“ Weihnachtsfest im kleinsten Familienkreis kenne ich – bis auf das letzte Weihnachten im Lockdown – eigentlich nicht.

Eine große Familie bedeutet viele Geschenke und viel Stress beim Geschenkekauf. Und es gehen einem – wer kennt es nicht? – oft nach dem Kauf der ersten Geschenke bereits die guten Geschenkideen aus. Um diesen Stress zu minimieren und zu vermeiden, dass unüberlegt Dinge unterm Weihnachtsbaum landen, mit denen die Beschenkten vielleicht gar nichts anfangen können, haben wir vor ein paar Jahren das Wichteln eingeführt.

Das Wichteln funktioniert eigentlich so, wie man es sonst kennt: In einer Schale, einem Hut oder einem Topf – eben einem Gefäß, das sich gerade anbietet – werden auf kleinen Zetteln die Namen aller gesammelt. Daraufhin ziehen reihum alle einen Zettel aus dem „Lostopf“ und beschenken an Weihnachten nur diese eine Person, die darauf steht. Alternativ kann man auch eine Wichtel-App dafür nutzen.

Das hat zum einen den Vorteil, weniger Geschenke kaufen zu müssen, weswegen man zum anderen auch mehr Zeit hat, sich zu überlegen, was der zugelosten Person wirklich eine Freude bereitet. Wer wessen Wichtel ist, wird natürlich nicht verraten.

An Heiligabend müssen wir uns allerdings etwas länger gedulden, bis die Geschenke untereinander ausgetauscht werden. Da der 24. Dezember der „Weihnachtsvorabend“ ist und das eigentliche Weihnachtsfest streng genommen am 25. Dezember beginnt, findet die Bescherung bei uns auch erst kurz nach Mitternacht statt. So ist es auch in vielen anderen italienischen Familien üblich.

Nachdem um Mitternacht Panettone – ein besonderer Kuchen, den man in Italien vor allem zur Weihnachtszeit isst – gegessen und dazu Spumante getrunken wird, werden dann bei der Bescherung die Geschenke überreicht. Jedes Geschenk wird ausgiebig „zelebriert“ und die beschenkte Person darf raten, wer wohl in diesem Jahr ihr Wichtel ist.

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