Bildung

Sprach-Kitas kämpfen für Förderung

Carola Maxen (v.l.), Ruth Beste-Dosseh und Eva Kuhn stellen an der Kita Zietenstraße die Plakate für den Aktionstag vor.
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Carola Maxen (v.l.), Ruth Beste-Dosseh und Eva Kuhn stellen an der Kita Zietenstraße die Plakate für den Aktionstag vor.

Aktionstag in den Einrichtungen, die im Verbund Solinger Kinderstuben zusammenarbeiten.

Von Simone Theyßen-Speich

Solingen. Spielen, lernen, die Welt entdecken, Beziehungen aufbauen – für all das ist Sprache eine wichtige Voraussetzung. Deshalb spielt Sprache auch eine zentrale Rolle bei der Bildungs- und Beziehungsarbeit in den Kitas. Dort, wo Kinder aber aus anderen Ländern zugewandert sind und in ihren Familien kein oder kaum Deutsch sprechen, muss erstmal die Grundlage für gemeinsame Kommunikation geschaffen werden. Seit 2016 gibt es das Programm „Sprach-Kitas“. Diese Förderung soll aber Ende des Jahres auslaufen. Gestern veranstalteten die Solinger Einrichtungen einen Aktionstag „Sprach-Kitas retten“, um für das Programm zu kämpfen.

Solingen spielt bei dem Engagement für die Sprach-Kitas in der Region eine zentrale Rolle. Mit den Einrichtungen Zietenstraße (Kinderstuben), Benediktinchen (DiFa), Elsässer Straße (Awo), Elterninitiativen Estia und Elele sowie den Kitas Farbenfroh und Löwenzahn (beide Diakonie) sind sieben Solinger Sprach-Kitas in dem „Verbund Solinger Kinderstuben“ aktiv. Der umfasst insgesamt 28 Kitas in elf Städten der Region. „Wir als kleinster Träger stemmen dabei den Verwaltungsaufwand für den Verbund“, betont Eva Kuhn, Geschäftsführerin der Solinger Kinderstuben gGmbH.

Gemeinsam mit den Einrichtungen der anderen Städte in der Region will man für eine Fortführung des Sprach-Kita-Programmes kämpfen. „Neben meiner Aufgabe als Fachberatung für den gesamten Verbund hat jede Einrichtung auch eine halbe Stelle für eine zusätzliche Fachkraft mit Expertise im Bereich sprachliche Bildung“, erklärt Fachberaterin Martina Schaab. Gestern hatte die Einrichtung an der Zietenstraße mit Plakaten und Transparenten auf dem Außengelände auf das drohende Aus für das Programm aufmerksam gemacht. „Wir haben hier 53 Kinder ab zwei Jahren in drei Gruppen, nur zehn von ihnen sprechen Deutsch als Erst- oder Zweitsprache, die anderen 43 sind erst in der Kita mit der deutschen Sprache in Berührung gekommen“, skizziert Ruth Beste-Dosseh, kommissarische Leiterin der Kita Zietenstraße und zugleich Sprach-Fachkraft, die Situation dort.

Fachkräfte stemmen die zusätzliche Arbeit in den Kitas

Die Notwendigkeit, mit zusätzlichem Personal die Arbeit in den Einrichtungen zu unterstützen, betont auch Carola Maxen, Fachkraft in der Awo-Kita Elsässer Straße. „Sprache fängt mit Beziehung an, mit Körpersprache mit Zugewandtheit. All das muss stimmen als Grundlage, um Sprache lernen zu können“, so Maxen.

Die Voraussetzungen seien in den Einrichtungen sehr unterschiedlich. An der Zietenstraße sind viele syrische, türkische, kurdische, kroatische, arabisch und albanische Kinder, an der Elsässer Straße viele Kinder italienischer oder portugiesischer Abstammung. „Auch die Zusammenarbeit mit den Familien, die durch Sprachbarrieren nicht immer einfach ist, gehört zum Programm“, erklärt Beste-Dosseh. Das Tempo, in dem Kinder die deutsche Sprache lernen, hänge auch davon ab, wie gut sie ihre Erstsprache sprechen. „Aber immer stehen der Aufbau der Beziehung, sprachliche Bildung und Verbundenheit im Mittelpunkt. Das ist der Schlüssel“, so Carola Maxen.

Das Programm „Sprach-Kitas“ ermögliche dabei, sich mit anderen Einrichtungen auszutauschen, sich gemeinsam auf den Weg zu machen, betont Martina Schaab. „Wir sind dabei eine lernende Organisation, die Expertise in den einzelnen Kitas wird auch von den anderen genutzt.“ So werden Fortbildungen und Vorträge auch oft von den Fachkräften selbst gehalten. „Wir wissen, dass unsere Arbeit erprobt ist und funktioniert“, so Ruth Beste-Dosseh.

Aktionsplan

Petition: Für die Kampagne „Sprach-Kitas retten“ gab es am Montag öffentliche Anhörungen im Petitions- und im Familienausschuss des Bundestages. 277 882 Unterschriften wurden gesammelt.

Aktionstag: Gestern fand ein bundesweiter Aktionstag statt. 7500 der 57 600 Einrichtungen sind Sprach-Kitas. Für die zusätzliche Förderung gibt es 8000 halbe Fachkraft- und 500 Fachberatungsstellen, deren Zukunft gefährdet ist.

Beschluss :Die endgültige Entscheidung fällt Ende November in Berlin.

Lesen Sie auch: Neue Kita: Ein „Glückspilz“ für 120 Kinder

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