Treffen der Oberbürgermeister im Haus Müngsten

Spielstätte für den BHC: Stadt Solingen will die neue Arena bauen

Tim Kurzbach (r.) und Uwe Schneidewind (l., mit BHC-Pressesprecher Thorsten Hesse) präsentierten die Arena als bergische Lösung. Foto:
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Tim Kurzbach (r.) und Uwe Schneidewind (l., mit BHC-Pressesprecher Thorsten Hesse) präsentierten die Arena als bergische Lösung.

Der Handball-Bundesligist Bergischer HC soll seine Heimat am Weyersberg behalten. Das wurde am Mittwochmorgen bei einem Gespräch der Oberbürgermeister aus Solingen und Wuppertal im Haus Müngsten deutlich.

Von Thomas Rademacher und Jürgen König

Solingen. Ende März 2014 präsentierte der Bergische HC eine Markt- und Bedarfsanalyse zur Vision einer Arena Bergisch Land. Dies geschah seinerzeit im Haus Müngsten, wo an diesem Mittwochmorgen erneut Vertreter des Handball-Bundesligisten sowie die Oberbürgermeister der Städte Solingen und Wuppertal, Tim Kurzbach (SPD) und Uwe Schneidewind (Die Grünen), zugegen waren. Das Thema: eine Arena Bergisch Land.

Der Ort: Schneidewind und Kurzbach verständigten sich gemeinsam auf den den Standort in Solingen – konkret auf das städtische Gelände, wo derzeit die Klingenhalle steht. Beide Städte hatten Gutachten für ihre favorisierten Örtlichkeiten in Auftrag gegeben. Der Wuppertaler Wicküler Park schied letztlich aus. „Optimistisch betrachtet, wäre eine neue Halle dort mit einer schwarzen Null zu betreiben, aber die Investitionskosten sind nicht zu erwirtschaften“, begründete Schneidewind. Am Weyersberg ist die Situation eine andere. Die Klingenhalle muss zur Erhaltung nahezu komplett saniert werden. Kurzbach bezifferte die Kosten auf etwa 20 Millionen Euro. „Es ist wesentlich sinnvoller, in die Zukunft zu investieren als die alte Halle zu sanieren“, sagte der 43-Jährige. „Mein Ziel ist es, dass der Rat der Stadt Solingen noch in diesem Jahr sein klares Bekenntnis zum Bau der neuen Arena aussprechen soll – auf Grundlage von genauen Daten und Fakten.“

Arena in Solingen soll bis zu 5000 Menschen Platz bieten

Der Neubau: Dass ein Neubau nötig ist, legte Kurzbach folgendermaßen dar: Das Gutachten habe ergeben, dass eine moderne Arena langfristig sogar kostengünstiger zu betreiben sei als die alte Klingenhalle. Natürlich sei der Betrieb des Neubaus nicht ohne Risiken, aber: „Als Städte und Region müssen wir uns auch zum Spitzensport bekennen. Er sollte für uns genauso notwendig in der Finanzierung sein wie viele andere Dinge, die das Leben in dieser Region ebenso lebenswert machen.“ Damit der Bergische HC langfristig in der Bundesliga spielen kann, sei eine Verbesserung der Rahmenbedingungen obligatorisch. „Machen wir uns nichts vor: Wenn wir die Rahmenbedingungen nicht schaffen, wird es den Bundesliga-Handball hier nicht mehr lange geben.“

Die Kosten: Ein konkretes Investitionsvolumen nannte Kurzbach nicht, sagte aber, dass sich dieses an den Wuppertaler Zahlen orientiere. Uwe Schneidewind hatte vorher von bis zu 40 Millionen Euro gesprochen. Bezahlt werden soll die Arena aus öffentlicher Hand. BHC-Geschäftsführer Jörg Föste hatte es kürzlich so formuliert: „Letztlich handelt es sich um eine historische Chance“. Denn dass die Stadt investieren muss, ist unstrittig. Die Frage ist nur, ob sie Geld in eine alte, marode Halle oder in einen modernen, etwa 5000 Zuschauer fassenden Neubau steckt. „Meine Vorstellung ist, dass das Klingenbad erhalten bleibt und auf dem Gelände eine neue Sportstätte errichtet wird“, erläuterte Kurzbach. „In der Klingenhalle könnte auch nach einer Sanierung langfristig nur noch Schul- und normaler Vereinssport stattfinden. Die Anforderungen an die Spielstätten in der Handball-Bundesliga wachsen, so dass BHC-Heimspiele dort nicht mehr dargestellt werden können.“

BHC-Geschäftsführer Jörg Föste, Wuppertals Oberbürgermeister Prof. Dr. Uwe Schneidewind, BHC-Pressesprecher Thorsten Hesse, Solingens Oberbürgermeister Tim Kurzbach und BHC-Marketingchef Philipp Tychy (v.l.). 

Die Details: Wo exakt die Halle errichtet werden soll, wie das zu erwartende Verkehrsaufkommen zu stemmen ist, und viele andere Detailfragen sind noch nicht geklärt. „Diese Planungen kommen alle noch. Realistisch ist es, im Jahr 2023 mit dem Bau zu beginnen“, sagte Kurzbach, verriet aber auch, dass eine Bebauung des jetzigen Parkplatzes unrealistisch sei. „Es geht also eher um die Sportflächen nebenan, für die man Ersatzplätze schaffen müsste.“ Gemeint sind zwei Bolzplätze und zumindest einer der großen Fußballplätze, die derzeit von Britannia und DV Solingen genutzt werden. „Es geht dabei nicht um die Benachteiligung des Breitensports“, betonte der Oberbürgermeister. „Aber das ist jetzt die Option für den Spitzensport. Wir brauchen eben auch eine Fläche für einen Handball-Bundesligisten.“

Hintergrund

Klingenhalle: Die 1973 eröffnete Halle wird ihr 50-jähriges Jubiläum noch erleben. Solingens Oberbürgermeister Tim Kurzbach stellte klar, dass die Klingenhalle erst niedergelegt werde, wenn der Neubau fertiggestellt ist. „Wir haben auch eine Verpflichtung dem Schulsport gegenüber“, sagte Kurzbach.

Partner: Philipp Tychy, BHC-Geschäftsführer für Marketing und Vertrieb, betonte, dass beim Großteil des Sponsorenpools des Bergischen HC der bergische Gedanke zähle. „Es spielt eine untergeordnete Rolle, ob die Halle in Solingen oder Wuppertal steht“, sagte Tychy und verwies auf die überregionale Strahlkraft des Clubs.

Interview mit BHC-Geschäftsführer Föste: „Alle wollen erkennbar besser werden“

Standpunkt: Viel mehr als Handball

Kommentar von Jürgen König

juergen.koenig@solinger-tageblatt.de

Das Herz des bergischen Bundesliga-Handballs wird bei Realisierung der vorliegenden Pläne eindeutig in Solingen schlagen, während Wuppertal diesbezüglich in die Röhre schaut. Aber auch dort gewinnt man der Entscheidung, eine für den Spitzensport unerlässliche Arena am Weyersberg zu bauen, Gutes im bergischen Sinne ab. So seien die Gespräche der Oberbürgermeister aller drei Großstädte vertrauensvoll gewesen und ein zentraler Meilenstein dafür, eine andere Kooperationskultur einziehen zu lassen. Nach heftigem Gerangel um die Ansiedlung von konkurrierenden Einkaufszentren täte dies ebenso gut wie die Umsetzung von verkehrstechnischen Maßnahmen im Zuge des Baus für Solingen. Die gesamte Innenstadt kann von den erforderlichen Neuplanungen profitieren und mehr Frequenz für sich verbuchen. Es zeigt, dass es beim ehrgeizigen Vorhaben um weit mehr als um Handball geht. Aber eben auch: Nur mit einer Klingenarena kann attraktiver Profisport fortbestehen. In Solingen und im Bergischen Land.

Artikel vom 6. Oktober, 11.45 Uhr

Solingen. Solingens Oberbürgermeister Tim Kurzbach (SPD) und Wuppertals Oberbürgermeister Uwe Schneidewind (Grüne) sind sich einig: „Der BHC braucht jetzt endlich Klarheit und Verlässlichkeit, was eine erstligataugliche Spielstätte im Bergischen Land angeht. Wir wollen eine gemeinsame Bergische Lösung für den BHC.“ Denn ein Handball-Erstligist mit einer dem Profisport entsprechenden Spielstätte stärkt ebenso die gesamte Bergische Region wie etwa der „Brückensteig“, das Circular Valley und der Gaskessel oder Nordbahn- und Korkenziehertrasse.

Wuppertals Oberbürgermeister Uwe Schneidewind erläutert den aktuellen Stand zu einer BHC-Arena aus Wuppertaler Sicht: „Wir haben in den vergangenen Monaten intensiv Gestaltungs- und Finanzierungsoptionen für einen BHC-Hallenstandort auf dem Gelände des Wicküler Parkes geprüft. Daran waren neben mehreren städtischen Ressorts die Geschäftsführung der Stadthallen GmbH sowie die Unternehmensgruppe Clees als Eigentümer des Areals beteiligt. Im Rahmen der Prüfungen hat es sowohl mehrere Gutachten zu einem möglichen Betreiberkonzept als auch den Austausch mit Experten für den Betrieb großer Veranstaltungshallen gegeben.

Die Gutachten und die Beratungen dazu haben ergeben, dass der reine Betrieb einer Multifunktionsarena am Standort - wenn auch mit verbleibenden finanziellen Risiken - so möglich erscheint, dass der Aufwand des laufenden Betriebes bei enger Kooperation aller Beteiligten gedeckt werden könnte.

Stadt Solingen hat bessere Voraussetzungen als Wuppertal

Es wurde aber auch klar, dass eine Refinanzierung der Investitionskosten für eine solche Halle in der Höhe von bis zu 40 Mio. Euro nicht darstellbar ist. Eine Finanzierung der Investitionskosten zu einem großen Teil durch die Stadt Wuppertal ist in zweifacher Hinsicht hoch problematisch: 1. Das Gelände befindet sich im privaten Eigentum (der Unternehmensgruppe Clees). Der Transfer eines öffentlichen Investitionszuschusses an einen privaten Investor stellt sich hier als besonders herausfordernd dar 2. Eine zusätzliche städtische Wuppertaler Investition angesichts des aktuell schon hohen Investitionsprogrammes ist nicht mehr leistbar.“

Andere Voraussetzungen gelten für die Stadt Solingen, betont Tim Kurzbach, Oberbürgermeister der Klingenstadt. Bei der Klingenhalle handele es sich um eine städtische Halle mit hohem Sanierungsbedarf, für die ohnehin eine Sanierung oder Neuplanung anstehe. Auch wenn in Solingen für das Hallenprojekt die Verfahren auf Grundlage eines aktuellen Gutachtens jetzt anliefen, scheine es im Sinne eines berechenbaren Vorgehens sinnvoll, sich jetzt mit ganzer Kraft auf die abschließende Prüfung der Solinger Option zu konzentrieren.

In der Halle sollen die Heimspiele des BHC stattfinden sowie größere Konzerte und Events

Die neue Halle, in der bis zu 5000 Zuschauer einen Sitzplatz finden würden, könnte die Klingenhalle aus dem Jahr 1973 ersetzen. Ziele: Schul- und Vereinssport am Weyersberg sollen weiterhin möglich sein, vor allem aber dem Bundesligisten Bergischer Handball-Club eine Perspektive gegeben werden, im Bergischen Städtedreieck dauerhaft spielen zu können.

Die 48 Jahre alte Halle mit rund 2500 Sitzplätzen entspricht den Forderungen der Handballliga an Kapazität, Fernsehtauglichkeit und Bewirtungsmöglichkeiten immer weniger. Dazu wäre die neue Arena zusätzlich Spielstätte für größere Konzerte und Events ab 5000 Zuschauern, für die es in der näheren Region bisher kein Angebot gibt.

Einnahmen würde die Arenagesellschaft aus der Vermietung erzielen: 18 Heimspiele des BHC und größere Shows wären in der modernen Arena am Weyersberg zu Beginn möglich. Und auch nötig, um die Kosten wieder hereinzuspielen.

Denn, das stellt das Gutachten klar: Bei günstigem Betriebsverlauf könnte die Arena in einer Jahresbetrachtung günstiger als der Weiterbetrieb der bestehenden und zu sanierenden Klingenhalle sein. Das Geschäft rechnet sich für Solingen dennoch, da auch der Weiterbetrieb der alten Klingenhalle für die Stadt ein Verlustgeschäft ist. Aber eines, mit dem langfristig keine Einnahmen erzielt werden können, die die Last mindern würden. Für die Klingenhalle wird mit einem Sanierungsbedarf in hoher Millionenhöhe gerechnet. Und die Möglichkeit, Handballspitzensport live zu erleben, gäbe es dann wohl mittelfristig nur noch in Düsseldorf.

Solinger Ratsfraktionen wollen bis zur Sitzung im Dezember beraten

Auf Vorschlag von Oberbürgermeister Tim Kurzbach wird der Ältestenrat jetzt eine Arbeitsgruppe bilden, die die politische Debatte in den Fachausschüssen und im Rat vorbereitet. Dazu wird ein Tagesworkshop mit dem Beratungsunternehmen SEM gehören, auf der die gesamte Analyse auf der Tagesordnung steht und die Gutachter sich den Fragen der Solinger Kommunalpolitiker stellen. Bis zur Dezember-Ratssitzung wollen die Ratsfraktionen sich Klarheit über die Marschrichtung – Arenaneubau oder Weiterbetrieb der alten Halle – verschafft haben.

„Zentral ist, dass der BHC zeitnah eine belastbare Hallenoption erhält. Dies ist ein gemeinsames bergisches Anliegen. Deswegen ist uns wichtig, dass wir zwischen den Bergischen Städten mit offenen Karten spielen und nicht in einen unproduktiven Wettbewerb um die Standortfrage treten. Wer jetzt in eine verbindliche - politische und finanzielle - Klärung eines Bundesliga-tauglichen Standortes eintritt, muss sicher sein können, dass es dann auch wirklich zur Realisierung des Hallenprojektes kommt“, sind sich die beiden Stadtspitzen einig.

Wuppertals Oberbürgermeister Uwe Schneidewind betonte, die enge Abstimmung mit Solingen biete auch die Chance, der Zusammenarbeit der bergischen Städte eine neue Qualität zu geben und diese weiter zu intensivieren. Auf Wuppertal bezogen machte der Oberbürgermeister deutlich, dass der aktuell für eine Arena geprüfte, aber für ungeeignet gefundene Standort ehemaliger Wicküler Park für die Stadt weiter ein wichtiger Entwicklungsschwerpunkt sei. Die Stadt werde gemeinsam mit dem Eigner weiter nach tragfähigen Lösungen für diesen in der Talachse wichtigen Standort suchen. red

Ausführlicher Bericht folgt.

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