Im Notfall

Spezial-Container hilft, Kulturgüter zu retten

Frank Peters von der Berufsfeuerwehr Köln stellte den Notfallcontainer Kulturgutschutz auf dem Kölner Heumarkt vor. Er könnte bei Bedarf auch in Solingen eingesetzt werden.
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Frank Peters von der Berufsfeuerwehr Köln stellte den Notfallcontainer Kulturgutschutz auf dem Kölner Heumarkt vor. Er könnte bei Bedarf auch in Solingen eingesetzt werden.

Die von der Kölner Feuerwehr entwickelte Notfallstation kann auch in Solingen eingesetzt werden.

Von Tanja Alandt und Philipp Müller

Solingen. Wie man Kulturgüter schnell schützen kann, demonstrierte die Restauratorin Corinne Henderson anhand des Jubiläumsbuchs „50 Jahre Zöppkesmahlzeit“ im einzigartigen „Notfallcontainer Kulturgutschutz“ zusammen mit dem Notfallverbund Kölner Archive und Bibliotheken. In Köln auf dem Heumarkt wurde gezeigt, wie das Buch etwa durch Flut- oder Löschwasser beschmutzt, dann im Container „erstversorgt“ und schließlich gerettet werden kann. Der Container, den es seit Oktober 2020 bei der Kölner Berufsfeuerwehr gibt, kann auch von den Solinger Berufsfeuerwehrleuten im Ernstfall angefordert werden.

Dieser Prototyp für die mobile Erstversorgung von Kulturgut wurde nach dem Einsturz des Historischen Archivs in Köln unter anderem von Nadine Thiel von der Leitung Bestandserhaltung Historisches Archiv Köln und Frank Peters, Berufsfeuerwehr Köln, entwickelt. Peters erklärte: „Der Kölner Notfallcontainer ist formal im Eigentum des Notfallverbundes Kölner Archive und Bibliotheken.“ Operativ wird er aber von der Feuerwehr betrieben, die jeweils Fachleute für die Einsatzlagen hinzuzieht, um die Schätze fachgerecht zu retten.

Schlamm muss nass entfernt werden, sonst wird er Beton

Erste Erfahrungen machten die Spezialisten bei der Flutkatastrophe im Juli 2021 in Stolberg. Innerhalb einer Woche stapelten sich dort etwa 50 Gitterboxen voll mit Kulturgut. Was damit passiert, wurde in Köln anhand des Buches zum Zöppkesmarkt demonstriert. „Wichtig ist, dass der Schlamm sofort abgespült wird, da er sonst hart wie Beton wird. Dann kann man die Sachen nur noch wegschmeißen“, erklärte Feuerwehrmann Frank Peters. Wie dies verhindert werden kann, demonstrierte Archivar-Helfer Jan Klein an der Nassstation im Container. Der Arbeitsbereich des Nassbereichs bietet neben Brausen auch Wasserablaufsysteme.

Anschließend werden beispielsweise nasse Dokumente in eine Frischhaltefolie eingewickelt, um diese dann zügig und fachgerecht in einem Gefrierfach einzufrieren. Dies sollte möglichst schnell im Laufe desselben Tages geschehen, informierte die Restauratorin Corinne Henderson vom Stadtarchiv Köln. „Wie Kaffee kann man diese dann wieder auftauen und restauratorisch aufbereiten“, berichtete die Dozentin der Kölner Uni Dr. Christiane Hoffrath vom Notfallverbund.

Zudem gibt es für die Trockenreinigung ebenfalls Arbeitsplätze im Container. Acht Leute können gleichzeitig dort arbeiten. Sogar verschwommene Tinte können die Restauratoren teilweise mit speziellen Radiergummis wieder aufarbeiten. Fachmann Peters bilanzierte: „Der Notfallcontainer ist im ersten Ausbau für die Arbeitsabläufe mit schriftlichem Kulturgut geplant und gebaut worden. Wir haben aber einige Anpassung vorgenommen, die es erlauben, jegliches Material zu bearbeiten.“

So könnte der Container etwa auch angefordert werden, wenn nach einem Brand in einem Solinger Museum Bilder oder andere Kulturschätze verschmutzt wurden. Peters betonte dazu: „Es spielt keine Rolle, ob das Material aus einem Archiv, einem Museum, einer Kirche oder einer Bücherei kommt. Bilder verhalten sich dabei ähnlich wie Papiere – auf keinen Fall darf Schlamm oder Dreck trocken werden.“ Zusammen mit den Experten vor Ort, die schnell hinzugezogen werden können, laufe das dann ab, weil „diese sich beispielsweise mit Ölbildern auskennen“.

Käme es zu einem Einsatzerfordernis in der Klingenstadt, würde die Alarmkette über die Bezirksregierungen in Düsseldorf und Köln laufen. Das werde aber sehr schnell über die Leitstellen laufen, berichtete Simon Preuß von der Solinger Feuerwehr.

Vier weitere Container sind geplant

Da Naturkatastrophen immer mehr zunehmen, wird dieser rund 200 000 Euro teure Abroll-Notfallcontainer immer begehrter. Vier weitere soll es in NRW – finanziert durch den Bund – geben. Aufgrund des Rohstoff- sowie Fachkräftemangels wird dies jedoch vermutlich mehr als zweieinhalb Jahre dauern.

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