Ausstellung

Kunstmuseum: Spektakuläre „Zeitreise“ überwindet 200 Jahre

Gisela Elbracht-Iglhaut, Hiroyuko Masuyama (Mitte) und Dirk Balke eröffnen heute „die Zeitreise“. Ein Werk blickt 680 Einzelbildern in den Kosmos (oben links). Masuyama schafft viele Werke, die das ganze Jahr betrachten. So seine Blumenwiese. Das steht im Dialog mit der Kunst von Friedrich August de Leuw, die wiederum (unten Mitte) von Masuyama verarbeit wird.
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Gisela Elbracht-Iglhaut, Hiroyuko Masuyama (Mitte) und Dirk Balke eröffnen heute „die Zeitreise“.

Im Kunstmuseum wird heute der Dialog der Werke von Hiroyuko Masuyama und Friedrich August de Leuw um 16 Uhr eröffnet.

Von Philipp Müller

Solingen. Ein Fernrohr zielt im Neubau des Kunstmuseums in Gräfrath auf ein kleines Bild von Friedrich August de Leuw. Erst der Blick durch das Okular gibt den Blick auf einen Mond frei. Die Kunst des Gräfrather Malers aus dem 19. Jahrhundert steht im Dialog zur Kunst des japanischen Künstlers Hiroyuko Masuyama und erfordert diesen genauen und zweiten Blick.

Ein Werk blickt 680 Einzelbildern in den Kosmos.

Wenn heute um 16 Uhr die Ausstellung „Zeitreise 1817 -2022“ eröffnet wird, dann spannt sie den Bogen vom Geburtsjahr de Leuws bis in die Neuzeit mit Masuyamas Werken. Eine zweite Ausstellung wird heute, dann 17 Uhr, vor dem Kunstmuseum eröffnet.

„Durch den Krieg hat die Ausstellung traurige Aktualität.“

Gisela Elbracht-Iglhaut, Direktorin

200 Mohnblumen des Münchener Aktionskünstlers Walter Kuhn sind dort aufgebaut. „Für mich sind die Mohnblumen ein Symbol für jedes Kriegsopfer“, erklärt er. „Durch den Krieg in der Ukraine hat die Ausstellung eine traurige Aktualität“, sagt Museumsdirektorin Gisela Elbracht-Iglhaut. Die Schau „Zukunft bedenken – Solingen lässt Mohnblumen blühen“ wurde auf Initiative des Art-Sponsors des Museum, Dr. Dieter Fervers, ermöglicht.

Masuyama schafft viele Werke, die das ganze Jahr betrachten. So seine Blumenwiese.

Die „Zeitreise“ im Kunstmuseum selbst bietet eine unglaubliche Dichte an Kunst. Sie ist von vielen Projekten des in Düsseldorf lebenden und arbeitenden Künstlers Hiroyuko Masuyama geprägt. Und die bezieht die Kunst des Gräfrather Malers direkt ein. Der Sohn des berühmten Gräfrather Arztes Friedrich Hermann de Leuw reiste 1844 an die Nahe an den Felsen Rheingrafenstein. Er zeichnete ihn, verarbeitete das Jahre später zu einem Ölbild. „Ein üblicher Weg war das, in der Natur zunächst zu zeichnen und viel später die Lasurmalerei im Atelier folgen zu lassen“, erklärt Dirk Balke. Der Künstler und Galerist ist auch Kurator der „Zeitreise 1817 - 2022“.

Das steht im Dialog mit der Kunst von Friedrich August de Leuw, die wiederum von Masuyama verarbeit wird.

Masuyama hatte sich bereits mit Zeichnungen des Felsens durch den berühmten englischen Maler William Turner beschäftigt, der ebenfalls 1844 an der Nahe war. Die Idee war geboren. 2021 zog es Masuyama mehrfach an den Felsen, er fotografierte ihn aus verschiedenen Perspektiven und bei unterschiedlicher Stimmung. Am Computer wurden 100 Fotos übereinander gelegt. Und nicht nur das. Das Boot von de Leuw baute er nach, ließ es in Müngsten zu Wasser, stellte jeweils Vater und Kind hinein und montierte es in seine Werke – denn gleich fünf Variationen sind zu sehen.

Das Thema „Zeitreise“ passt aber auch anders. Masuyama betrachtet in seinen Werken gerne das ganze Jahr. So gibt es große Dia-Bilder einer Blumenwiese mit Herbst, Winter, Frühjahr und Sommer, die die Jahreszeiten abbilden. Oder aber er mixt alles zu einem Bild. Balke greift die Naturbetrachtung mit Bildern von de Leuw auf, die ebenfalls Jahreszeiten für die Stimmungen nutzen. Im Museum sind Bilder aus sechs Privatsammlungen zu sehen, dazu solche aus dem Bestand des Kunstmuseums und der Stadt-Sparkasse.

Walter Kuhns (links) Antikriegs-Mohnblumen blühen ab heute auf Initiative von Art-Sponsor Dr. Dieter Fervers.

Direktorin Elbracht-Iglhaut ist bei der Vorstellung des Ergebnisses sichtlich froh, wie gut alles harmoniert, auf welch hohem Niveau die Kunst ist. „Es war meine Idee, die beiden Künstler zu zeigen“, bekennt sie. Sie haben beide gefragt, ob sie sich das vorstellen können. Und heute bewundert sie die Akribie, mit der Balke und Masuyama das umgesetzt haben.

In die Ausstellung sind Aktionen (| Kasten) eingebunden. Das „Home Project“ liegt Masuyama am Herzen. Für vier Wochen hängt er seine Kunst kostenlos bei Interessenten auf. Er versteht das als ein Stück demokratischen Brückenschlags für die Kunst: „Mein Traum ist, die japanische und die deutsche Kunst über Brücken zu verbinden“, sagt er. Und die können bis ins Weltall reichen, wie er ebenfalls eindrucksvoll in der „Zeitreise“ beweist.

Programm zur Ausstellung „Zeitreise“

Beim Kulturmorgen am Sonntag, 27. März, bittet Hiroyuko Masuyama viele Mitmachende ins Museum. Eine seiner Techniken ist das Zeichnen von Schatten. Er wird die Umrisse der Besucherinnen und Besucher ab 11 Uhr auf einen Untergrund projizieren und abmalen. Die Fülle der Umrisse ergibt ein neuen Kunstwerk. Beim „Home Projekt“ können sich Interessierte bewerben, Masuyamas Kunst zu Hause kostenlos aufzuhängen.

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