Gestiegene Kosten

Sparkasse Solingen verteidigt höhere Gebühren

Sparkassen-Chef Stefan Grunwald äußert sich zur Kritik an den steigenden Gebühren.
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Sparkassen-Chef Stefan Grunwald äußert sich zur Kritik an den steigenden Gebühren.

Es geht um einen Anstieg zwischen 25 und 100 Prozent: Der Vorstand verweist auf die gestiegenen Kosten.

Von Philipp Müller

Solingen. Die Erhöhung der Kontogebühren bei der Stadt-Sparkasse Solingen sorgt für Gesprächsstoff in der Stadt – und teils heftige Reaktionen. Kein Wunder: Rund 83 000 Konten führt die Sparkasse, wie Sparkassen-Sprecher Martin Idelberger berichtet. Sparkassen-Chef Stefan Grunwald sagt: „Rund jeder zweite Solinger Haushalt gehört zu unserer Kundschaft.“

Die Erhöhung der Gebühren – je nach Kontomodell etwa 25 beziehungsweise rund 100 Prozent – erklärt er auf der einen Seite mit gestiegenen Kosten. Dazu gehören Personal, höhere Sachkosten und gestiegene Preise für Dienstleistungen, die die Sparkasse an die Kunden weitergibt. Auf der anderen Seite habe die Sparkasse nach Überprüfung der Kontonutzungen „eine Ungerechtigkeit abgebaut“. Rund 60 Prozent der Kundschaft habe den gestiegenen Preisen zum 1. Januar 2023 bereits zugestimmt, berichtet Martin Idelberger.

Lesen Sie dazu: Stadt-Sparkasse erhöht Preise

Das bisherige „Kompaktkonto“ für 4,95 Euro, bei dem Kontobewegungen bislang kostenlos waren, wird jetzt zum „Individualkonto“. Jede Kontobewegung kostet nun 25 Cent, die Grundgebühr beträgt 5 Euro. Ab 20 Buchungen pro Monat lohne der Umstieg aufs neue „Komfortkonto“, das wiederum keine Kosten für die Buchungen verlangt, rechnet der Sparkassen-Chef vor. Es kostet 10 Euro im Monat. Die Erhöhung realisiert die Sparkasse in zwei Schritten: Im ersten Jahr sollen 7,50 Euro gezahlt werden, ab dem zweiten Jahr dann der volle Betrag. Vorgänger des „Komfortkontos“ war das „Privatkonto“, das 7,95 Euro pro Monat kostete.

Vor der Neustrukturierung habe sich die Sparkasse das Nutzungsverhalten der Kontoinhaber angesehen, berichtet Stefan Grunwald. Tatsächlich unterscheide sich das der Nutzer des Kompaktkontos nicht von dem der Privatkonto-Inhaberschaft. Vieles spiele sich inzwischen rein im Online-Geschäft ab. „Aber der Gebührenunterschied ist trotzdem da. Mit der neuen Gebührenstruktur schaffen wir daher auch eine Ungerechtigkeit ab“, betont Stefan Grunwald.

„Wir haben die Sparkassenwelt voll digital integriert.“

Stefan Grunwald, Sparkassen-Chef

Er verweist darauf, dass die Sparkasse die Gebühren seit Herbst 2018 nicht mehr erhöht habe. Die Erhöhungen liegen nach seiner Aussage im Rahmen dessen, wie sich volkswirtschaftlich die Preise in den vergangenen vier Jahren im Vergleich entwickelt hätten. Er zählt die Inflation, die gestiegenen Energiekosten und die höheren Löhne auf. „Allein bei der Energie müssen wir im kommenden Jahr etwa eine Million Euro mehr ausgeben“, erläutert der 55-Jährige.

Unter anderem forderten viele als Reaktion auf die höheren Preise ein günstigeres, reines Online-Konto. Ein Grund dafür, dass die Gebührenerhöhung unumgänglich sei, seien aber hohe Investitionen ins sehr stark genutzte Online-Banking. „Wir haben die gesamte Sparkassen-Welt voll in die digitale Internet-Filiale und in die Sparkassen-App integriert.“

Die teils heftigen Reaktionen, die das Solinger Tageblatt aus der Leserschaft erreicht haben, sind Stefan Grunwald auch bekannt. Er drückt das diplomatisch aus: „Was wir an Reaktionen in den Geschäftsstellen erleben, haben wir so erwartet.“ Sparkassen-Sprecher Martin Idelberger widerspricht erneut, dass die Gebührenerhöhung mit dem Neubau der Hauptstelle am Neumarkt zu tun habe. Von den dort investierten 95 Millionen Euro fließen nach seinen Angaben etwa 50 Millionen in die neue Filiale, der Rest verteile sich auf das Parkhaus und 26 Wohnungen.

Stefan Grunwald ergänzt, dass diese Investition in der Innenstadt unumgänglich sei, denn das bisherige Gebäude an der Kölner Straße sei allein aus energetischen Gründen nicht mehr tragbar und nicht zu sanieren gewesen. „Mit der neuen Filiale schaffen wir die modernsten Beratungsplätze mit den längsten Öffnungszeiten im Vergleich zur Konkurrenz“, gibt sich Grunwald selbstbewusst.

Sparkasse

Filialnetz: Aktuell unterhält die Sparkasse sieben Filialen, in die auch die Berater aus den aufgegebenen Filialen eingezogen sind. Dazu kommen 15 SB-Center.

Ausrichtung: Die Sparkasse stehe weiter zu ihrem Selbstverständnis, regionaler Partner für die Solinger zu sein, betont Sparkassen-Chef Stefan Grunwald. Entsprechend arbeite man auch mit Partnern aus der Region zusammen, bilde weiter verstärkt aus und suche sich das Personal aus Solingen aus. Diesen Weg will er auch in Zukunft weitergehen.

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