22 Jahre an der Spitze in Wald

Die Sozialpolitik war Rita Pickardts Ding

Rita Pickardt zieht sich aus der Politik zurück, nicht aber aus dem Walder Vereinsleben. Foto: Michael Schütz
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Rita Pickardt zieht sich aus der Politik zurück, nicht aber aus dem Walder Vereinsleben.

Die langjährige CDU-Ratsfrau und ehemalige Bürgermeisterin verabschiedet sich aus der Politik.

Von Andreas Tews

Solingen. Große Reden und Profilierung in vorderster Reihe sind nicht das Ding von Rita Pickardt. Dennoch war sie 26 Jahre im Stadtrat, 22 Jahre Vorsitzende des Walder CDU-Stadtbezirksverbandes, und fünf Jahre ehrenamtliche Bürgermeisterin. In diesen Funktionen spielte sie andere Stärken aus. Sie kann mit den Menschen sprechen und zuhören, auch denen, die anderer Meinung sind, und sie kümmert sich auch um die kleinen Dinge. Ende dieses Monats scheidet Rita Pickardt aus dem Rat aus. Einmischen will sie sich nur noch, wenn sie gefragt wird. „Wenn ich aufhöre, dann ganz“, ist ihre Maxime. Darum will sie sich im nächsten Jahr auch aus der aktiven Arbeit in der Walder CDU zurückziehen.

Pickardt gehört zu den 34 Ratsmitgliedern, die das 52-köpfige Gremium zum Ende der ausgehenden Wahlperiode verlassen. Im Gegensatz zu manch anderem hat sie dies selbst so geplant und in den vergangenen zwei Jahren eingeleitet.

„Wenn man etwas erreichen will, dann muss man es auch vorbereiten.“

Rita Pickardt

Damals entschied sie, dass sie nicht wieder für den Stadtrat kandidieren würde. „Ich wollte immer selbst bestimmen, wann ich aufhöre“, sagt die 69-Jährige. Und genau aus diesem Grund hat sie auch selbst ihren Nachfolger im Amt des Walder CDU-Vorsitzenden, Fabian Kesseler, eingearbeitet. Dies wiederum hat sie von ihrem Vorgänger Hans-Werner Gabriel gelernt. „Wenn man etwas erreichen will, dann muss man es auch vorbereiten“, sagt Pickardt.

Der vor einigen Jahren verstorbene Gabriel war es seinerzeit auch, der Pickardt zusammen mit ihrem Ehemann Hans Jochen in die CDU geholt hat. Eine andere Partei wäre für sie nicht in Frage gekommen. „Auch wenn es immer Dinge gibt, die einen stören“, räumt die Walderin ein. In die Politik kam sie damals unter anderem wegen der Diskussion um die Gesamtschule des Stadtteils. In der Zwischenzeit hat sie ihre anfangs ablehnende Haltung zu der Einrichtung revidiert, betrachtet die Friedrich-Albert-Lange-Schule als Gewinn für Wald. Von diversen Parteifreunden ist dieser Wandel kritisch beäugt worden.

In der Walder CDU rückte Rita Pickardt schnell in den Vorstand auf. 1997 wurde sie schließlich zur Vorsitzenden gewählt. Damals war sie bereits seit drei Jahren Ratsmitglied. „Die Sozialpolitik war immer mein Ding“, sagt sie. Dem entsprechenden Fachausschuss des Rates gehörte sie seit 2004 an. Als einen Erfolg verbucht sie, dass Sozialwohnungen in der Hasseldelle nicht mehr nur den besonders Bedürftigen ohne Sonderzahlungen offenstehen. Auch für den Umzug der Walder Moschee ins Ortszentrum setzte sie sich ein.

Als Ehre empfand sie es, dass sie von 2009 bis 2014 Zweite Bürgermeisterin und damit eine der beiden ehrenamtlichen Stellvertreterinnen des damaligen Oberbürgermeisters Norbert Feith (CDU) war. Mit Friederike Sinowenka (SPD) habe sie sich seinerzeit eng abgesprochen, wer von den beiden welche Termine übernehme. Es ging um Besuche bei Veranstaltungen, Konzerten oder bei Jubilaren. Mit jedem Ereignis habe man sich eingehend befassen dürfen, weil die Bürgermeister seinerzeit ihre Grußworte noch selbst verfasst hätten, betont Pickardt.

Ein besonders bewegendes Ereignis war für die Christdemokratin der Besuch mit einer Solinger Delegation in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Israel. „So etwas vergisst man nicht“, blickt sie auch nach acht Jahren noch zurück.

Noch ein halbes Jahr wird Pickardt Stellvertreterin des Walder CDU-Stadtbezirksvorsitzenden sein. Dies war seinerzeit der Wunsch des neuen Vorsitzenden Kesseler. Danach ist aber Schluss mit der politischen Arbeit.

Ganz still wird es um Rita Pickardt aber nicht. „Vielleicht fällt mir auch noch etwas zum Familientag für Behinderte ein“, sagt die 69-Jährige. Den hatte sie seinerzeit ins Leben gerufen. Die Vorsitzende des Vereins ist sie zwar noch, seit einigen Jahren findet die Veranstaltung – mit seinerzeit bis zu 80 Organisationen – mangels ehrenamtlicher Helfer aber nicht mehr statt. Doch eine koordinierte Arbeit mit Behinderten hält sie nach wie vor für wichtig. Auch werde sie sich in dem einen oder anderen Walder Verein engagieren, kündigt sie an. Wo genau, ist allerdings noch ein Geheimnis.

22 Jahre an der Spitze in Wald

Walder CDU: In der Walder CDU war Rita Pickardt 22 Jahre lang Vorsitzende des Stadtbezirksverbandes. Dieses Amt gab sie 2019 ab.

Rat: Dem Stadtrat gehörte die 69-Jährige seit 1994 an. Ihre Haupttätigkeit lag im Sozialausschuss, dem sie seit 2004 angehörte. Von 2004 bis 2009 war Rita Pickardt Vorsitzende dieses Fachausschusses.

Bürgermeisterin: Als Zweite Bürgermeisterin war die Christdemokratin von 2004 bis 2009 ehrenamtliche Stellvertreterin von Oberbürgermeister Norbert Feith (CDU) in repräsentativen Dingen und als Vorsitzende des Rates.

Behinderte: Vor 29 Jahren rief Pickardt den Familientag für Menschen mit und ohne Behinderung ins Leben. Der fand 2016 letztmals statt.

Auszeichnung: Vor zwei Jahren erhielt Rita Pickardt das Bundesverdienstkreuz.

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