Prozess

Nach Messerattacke: Solingerin muss in Alkohol-Entzug

Noch ist für die Richter am Landgericht unklar, wer die beiden 16- und 24-Jährigen mit Messerstichen verletzt haben soll. Archivfoto: Leon Hohmann
+
Das Landgericht in Wuppertal.

Die 24-Jährige ging auf ihren früheren Lebensgefährten los. Sie wurde zu einer Freiheitsstrafe verurteilt.

Von Dirk Lotze

Solingen. Mit einem Messerangriff auf ihren früheren Lebensgefährten hat sich eine 24 Jahre alte Angeklagte aus Solingen der gefährlichen Körperverletzung schuldig gemacht. Das Landgericht Wuppertal verurteilte die nicht vorbestrafte Mutter einer minderjährigen Tochter zu zwei Jahren und sechs Monaten Freiheitsstrafe. Sie ist psychisch erkrankt und alkoholabhängig und wird zur Behandlung in eine geschlossene Entziehungsklinik eingewiesen. Der Vorsitzende Richter bezog sich auf das ruhige und aufgeräumt wirkende Auftreten der Frau im Verhandlungssaal als er feststellte: „Unter Alkohol zeigt sie ein anderes Gesicht.“

Bei der Tat soll am 15. Dezember 2021 eine Auseinandersetzung des Paares eskaliert sein, während beide alkoholisiert waren. Auslöser war laut Geschädigtem womöglich ein Streit, bei dem es um das Aufräumen der Tochter ging. Die Angeklagte habe ihm einen Vertrauensbruch vorgeworfen, dann habe sie mit drei Messern aus der Küche vor ihm „herum gefuchtelt“. Ihren Wunsch, er solle eine psychiatrische Klinik für sie anrufen, habe er abgelehnt: Dort würde man sie unter Alkoholeinfluss nicht behandeln. Darauf habe sie angefangen, ihn zunehmend heftig mit einem der Messer zu „piksen“.

„Er mochte sie, er liebte sie und er hatte bis dahin alle schwierigen Phasen mit ihr überwunden.“

Vorsitzender Richter über den Freund der Angeklagten

Der Mann erlitt einen tiefen Stich in den Oberbauch. Er rief selbst die Polizei, packte Sachen und rief einen Freund an, zu dem er nach dem absehbaren Klinikaufenthalt ziehen wollte. Die Frau wiederum habe ihren Angriff abgebrochen und angeboten, gemeinsam die Polizei zu empfangen. Während dessen hielt sich die Tochter in der Wohnung auf. Der Mann musste sich einer Notoperation unterziehen.

Laut Gericht war der Angriff lebensgefährlich, die Frau habe aber nicht töten wollen. Der Vorsitzende Richter erläuterte: „Sie wollte den Freund lebend, damit er sie in eine Klinik brachte.“

Strafmildernd wirkten sich die einzigartigen Gesamtumstände aus, strafschärfend hingegen die schweren Folgen der Tat: Der Mann erlitt durch die Operation eine große Bauchnarbe, die ihn täglich an den Angriff erinnert. Er muss mit einem Risiko von Spätfolgen leben. Der Richter stellte klar: „Er mochte sie, er liebte sie und er hatte bis dahin alle schwierigen Phasen mit ihr überwunden.“

Übereinstimmenden Berichten zufolge kamen die beiden nach einer gemeinsamen Zeit als Patienten in einer psychiatrischen Klinik zusammen und wollten ihr Leben gemeinsam aufbauen. Kontaktversuche der Frau während des Verfahrens hat der Mann laut eigener Aussage abgewiesen.

Die Angeklagte hat das Urteil angenommen, die Staatsanwaltschaft kann es jetzt noch überprüfen. Die Tochter wird vom Jugendamt betreut.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

85-Jährige Fußgängerin wird angefahren
85-Jährige Fußgängerin wird angefahren
85-Jährige Fußgängerin wird angefahren
Jan Delay bringt in Ohligs Massen zum Tanzen - Mit vielen Fotos
Jan Delay bringt in Ohligs Massen zum Tanzen - Mit vielen Fotos
Jan Delay bringt in Ohligs Massen zum Tanzen - Mit vielen Fotos
OB Kurzbach: „Dezentrale Energie wird die Lösung sein“
OB Kurzbach: „Dezentrale Energie wird die Lösung sein“
OB Kurzbach: „Dezentrale Energie wird die Lösung sein“
Gastro-Fans ziehen in Ohligs um die Häuser
Gastro-Fans ziehen in Ohligs um die Häuser
Gastro-Fans ziehen in Ohligs um die Häuser

Kommentare