Verhaftung

Solinger in Wirecard-Skandal verstrickt

Ehemaliger Finanzchef der Aktiengesellschaft in München festgenommen.

Update: Solinger Beschuldigter im Fall Wirecard kommt aus U-Haft frei

Von Philipp Müller

Solingen. Die Spur des Skandals um das Dax-Unternehmen Wirecard führt auch nach Solingen. Am Mittwoch wurde der ehemalige Finanzvorstand Burkhard Ley in München festgenommen, wie die Staatsanwaltschaft München I in einer Pressemitteilung erklärt. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 61-jährigen Solinger Ley, Firmenchef Markus Braun und dem Chefbuchhalter der Aktiengesellschaft „gewerbsmäßigen Bandenbetrug, Untreue, unrichtige Darstellung und Marktmanipulation in mehreren Fällen“ vor.

Seit 2006 betreibt Ley verschiedene GmbHs rund um die Firmenbereiche Unternehmensberatung und Wirtschaftsentwicklung. Ley wuchs in Solingen auf und gehörte in diesen zwölf Jahren zum Firmengeflecht der Wirecard AG. Seit 1. Januar 2018 ist Ley nach Angaben von Wirecard über einen Beratervertrag weiterhin mit dem Unternehmen verbunden gewesen.

In Solingen wuchs er auf und machte eine Ausbildung zum Bankkaufmann bei der Stadt-Sparkasse Solingen, wo er bis 1988 als diplomierter Sparkassenbetriebswirt tätig war. Sein Weg über die Stationen Privatbank Sal. Oppenheim, das Münchener Medienunternehmen Kirch New Media und selbstständige Unternehmensberatung führte ihn schließlich zu Wirecard.

Wirecard: Rund 3,2 Milliarden "höchstwahrscheinlich verloren"

Mit der Festnahme am Mittwoch steuert der Skandal des Münchener Finanzdienstleisters auf einen neuen Höhepunkt zu. Zu den Vorwürfen gegen Braun, Ley und den Buchhalter erklärt Oberstaatsanwältin Anne Leiding wörtlich: „In Vernehmungen wird von einem streng hierarchischen System, geprägt von Korpsgeist und Treueschwüren gegenüber dem Vorstandsvorsitzenden als Führungsperson, berichtet.“ Welcher Tatbeitrag Ley vorgeworfen werde, könne aus ermittlungstaktischen Gründen nicht berichtet werden.

Dazu sucht die Staatsanwaltschaft offensichtlich auch weitere Zeugen, denn sie ruft mögliche Tatbeteiligte dazu auf, sich als Kronzeuge zur Verfügung zu stellen. Das werde mit erheblichen Strafnachlässen belohnt.

Deutlich durch die Mitteilung der Strafverfolgungsbehörde wird das Ausmaß des Schadens: Banken hätten der AG durch falsche Jahresabschlüsse rund 3,2 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt, die durch die Insolvenz der AG „höchstwahrscheinlich verloren sind“. Schon seit 2015 habe Wirecard Verluste eingefahren, die mit Luftbuchungen von 1,9 Milliarden Euro kaschiert worden seien. Trotzdem hätten die drei Beschuldigten „das Vermögen des Unternehmens durch den Kauf von Unternehmen und Unternehmensanteilen zu überhöhten Preisen geschädigt“.

Wirecard: Auch Solinger Anleger betroffen

In einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters widersprach der Anwalt Leys der Darstellung der Verhaftung: „Mein Mandant hat sich dem Verfahren gestellt und tut dies weiterhin. Er weist die Vorwürfe zurück.“ Sein Mandant habe bereits freiwillig ausgesagt, die Verhaftung sei nicht nachvollziehbar.

„Auch Kunden der Sparkasse sind von Wirecard-Verlusten betroffen.“
Martin Idelberger, Stadt-Sparkasse

Nach Tageblatt-Informationen haben auch Solinger viel Geld durch den Skandal und die Insolvenz verloren. Ein Anleger berichtet von einer sechsstelligen Summe. „Ich bin sicher, dass es viele Solinger getroffen hat“, sagt der Anleger, der anonym bleiben möchte.

Für die Stadt-Sparkasse Solingen erklärt dazu Unternehmenssprecher Martin Idelberger: „Wirecard wurde 2018 in den DAX aufgenommen. Von daher ist klar, dass auch Kunden der Sparkasse, die in Aktien anlegen, von den Kursverlusten betroffen sind.“

Lesen sie auch: Fall Wirecard wird für Bundesregierung immer ungemütlicher.

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