Politik

Solinger will türkischer Präsident werden

Cetin Ay
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Cetin Ay

Cetin Ay plant, bei der Wahl im kommenden Jahr gegen Amtsinhaber Recep Tayyip Erdoğan zu kandidieren.

Von Philipp Müller

Solingen. Der langjährige Solinger Unternehmer Cetin Ay will als unabhängiger Kandidat im kommenden Jahr bei den Wahlen zum Parlament und zum Präsidenten der Türkei gegen Amtsinhaber Recep Tayyip Erdoğan antreten. Das machte das türkische Online-Portal Kaman Ak Haber, Tochter der Druckerei Aktürk, bekannt. Die Wahl soll demnach am 18. Juni 2023 stattfinden. Das Solinger Tageblatt hatte die Möglichkeit, sich mit Cetin Ay und seinem Team zur Kandidatur auszutauschen.

Wer ist Cetin Ay und wie sehen seine Verbindungen nach Solingen aus?

Der Unternehmer war vor allem 2015 in die Öffentlichkeit gekommen, weil er auf dem damals noch nicht als Gewerbegebiet geplanten Gelände von Rasspe in der Kohlfurth investieren wollte. Daraus wurde nichts. Ay sagt dazu heute: „Das Projekt lag mir besonders am Herzen, weil ich in Solingen 100 neue Arbeitsplätze schaffen wollte. Mit meinem Unternehmen legte ich meinen Ansprechpartnern in der Stadt und der Wirtschaftsförderung die entsprechenden Bankengarantien vor. Allerdings war die Wirtschaftsförderung dagegen und somit verzögerte sich der Ablauf. Leider bewegte sich die Sache keinen Millimeter. Mein Interesse besteht immer noch, in Solingen neue Arbeitsplätze zu schaffen.“ Er wolle weiterhin gerne in der Klingenstadt investieren. In Solingen hat Ay mehr als 20 Jahre seines Lebens verbracht. Wirtschaftlich verlegte sich sein Schwerpunkt erst nach Düsseldorf und heute in die Türkei.

Was macht Cetin Ay heute?

Der 54-Jährige, der in Kaman in der Türkei geboren wurde, ist Vater von zwei Söhnen. Beruflich habe er sich auf internationalen Handel verlegt und verstehe sich als Investor. Aktuell steigt Cetin Ay in die Tourismusbranche ein und hat das Unternehmen Ay Cruises gegründet, das eng mit der Reederei Costa zusammenarbeitet.

Warum möchte Cetin Ay Präsident der Türkei werden?

Dazu sagt der Geschäftsmann: „Aktuell haben wir in der Türkei eine hohe Inflation, und der Grund liegt nicht nur in der Energiekrise, sondern unter anderem auch in falschen fiskalpolitischen Entscheidungen. Auch eine schwache Opposition hat mich dazu motiviert, als Einzelbewerber für das Amt des Präsidenten der Republik Türkei zu kandidieren.“ Er wolle strukturelle Probleme der Türkei sofort an den Wurzeln packen. „Daher brauchen wir Investitionen aus dem Ausland, um das Potenzial der Türkei voll auszuschöpfen. Als Unternehmer und Investor mit starken internationalen Partnern weise ich eben langjährige Erfahrungen und Kompetenzen aus.“

Wie will er als unabhängiger Kandidat zur Wahl zugelassen werden?

Recep Tayyip Erdogan, Staatspräsident der Türkei: Oppositionelle, Aktivisten und Journalisten werden in dem Land regelmäßig eingeschüchtert oder und eingesperrt. Der Staat belegt in Rankings zu Menschenrechten und Pressefreiheit hintere Plätze.

Dazu hat die türkische Verfassung eine hohe Hürde aufgestellt, die Ay laut seinem Team aber überwinden wird. Cetin Ay erklärt: „Neben Parteien können auch Einzelbewerber als Kandidat für das Amt des Präsidenten der Republik Türkei aufgestellt werden. Allerdings sieht hierzu die türkische Verfassung als Voraussetzung vor, dass mindestens 100 000 Unterschriften von Wahlberechtigten Bürgerinnen und Bürgern vorliegen.“ Das türkische Portal sprach am Wochenende sogar von 300 000 Unterschriften, mit denen Ay rechnen könne. Alim Tülek, Assistent von Ay, erklärte, dass man neben den Unterschriften sogar Passnummern notiert habe, um die Unterstützerunterschriften auch verifizieren und als echt belegen zu können.

Warum braucht die Türkei einen Präsidenten Cetin Ay? Was will er anders machen?

Innerhalb der türkischen Gesellschaft hat er eine Politiker- und Politikmüdigkeit beobachtet. „Als angehender Staatspräsident möchte ich mit meinem Kompetenzteam Menschen versöhnen und Brücken bauen. Das Land braucht jetzt rasche Wirtschaftsprogramme und eine stärkere soziale Sicherheit. Für dieses Konzept habe ich die Ideen, die Kraft, die Erfahrungen und die Netzwerke.“

Weshalb setzt Cetin Ay nicht darauf, gemeinsam mit der Opposition gegen Erdoğan einen Kandidaten aufzustellen, sondern steigt selbst in den Ring?

„Nach meinem aktuellen Kenntnisstand befinden sich die Oppositionsparteien noch auf der Suche nach einem gemeinsamen Kandidaten zum Amt des Präsidenten der Republik Türkei. Es ist ungewiss, ob diese einen gemeinsamen Kandidaten vorzeigen können“, sagt Ay. Daher spreche er nur für sich. Selbstbewusst verkündet er: „Aufgrund meines beruflichen Werdeganges und meines internationalen Netzwerkes habe ich die Motivation und vor allem die Innovation, viele Türkinnen und Türken von einer demokratischen und prosperierenden Wirtschaft in der Zukunft zu überzeugen.“ Dazu gehöre für ihn auch, dass die Türkei in die EU kommt: „Ich möchte den EU-Erweiterungsprozess fortsetzen und vertiefen. In meinen Augen ist die Türkei ein starker Partner an der Seite der EU und vor allem innerhalb der EU.“

Wie will er als unabhängiger Kandidat Wahlkampf führen?

Er gibt zu, dass der Druck von extern gegen seine Kandidatur „massiv“ sei. „Als überzeugter Demokrat geht es mir persönlich um die Sache und um das Land.“ Er erhofft sich eine dementsprechende Medienpräsenz. Neben dem klassischen Wahlkampf und der Medienpräsenz habe sein Team einen Social-Media-Plan entworfen.

Persönlich

Cetin Ay (54) wurde 1968 in Kaman/Kirsehir geboren. Er ist verheiratet und Vater von zwei Söhnen. Er ist im „internationalen Handel und als Investor“ tätig und unter anderem Türkei-Präsident im Bundesverband für Wirtschaftsförderung und Außenwirtschaft.

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