Prozess

Solinger wegen Giftmorden beschuldigt

Der Angeklagte mit seinen Anwälten Mutlu Günal (l.) und Martin Bücher.
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Der Angeklagte mit seinen Anwälten Mutlu Günal (l.) und Martin Bücher.

Prozess am Landgericht Köln: 42-Jähriger soll drei Frauen mit Thallium vergiftet haben. Zwei Frauen starben, eine zum Zeitpunkt der Vergiftung schwangere Frau überlebte. Der Säugling starb zu Beginn des Jahres - möglicherweise an den Folgen der Vergiftung.

Von Kristin Dowe

Solingen. Es ist ein Verbrechen von besonderer Perfidität und Grausamkeit, für das sich aktuell ein 42-jähriger Mann aus Hürth mit Wurzeln in Solingen vor dem Landgericht Köln verantworten muss: Seit September 2022 läuft dort ein Prozess gegen den gelernten Krankenpfleger – die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, in den Jahren 2020 und 2021 seine damalige zweite Ehefrau, seine neue Lebensgefährtin sowie deren Großmutter mit Hilfe von Thallium vergiftet zu haben. Während die vormalige Ehefrau und die 92-jährige Großmutter seiner neuen Partnerin leidvoll und nach langer Krankheit starben, überlebte seine neue Freundin, die zu diesem Zeitpunkt von ihm schwanger war, zunächst die mutmaßlichen Vergiftungsversuche.

Wie das Landgericht Köln mitteilt, starb die gemeinsame kleine Tochter der beiden zu Beginn dieses Jahres. „Ob dies auf die Vergiftung zurückzuführen ist, wird derzeit noch untersucht“, berichtet Sprecherin Iris Walter. Dem Beschuldigten wird nun zweifacher Mord, versuchter Mord, gefährliche Körperverletzung und versuchter Schwangerschaftsabbruch zur Last gelegt. Die Staatsanwaltschaft sieht die Mordmerkmale der Heimtücke und der Grausamkeit als erfüllt an.

„Ob der Tod des Kindes auf die Vergiftung zurückzuführen ist, wird derzeit untersucht.“

Iris Walter, Landgericht Köln

Eingelassen hat sich der Angeklagte bislang nicht zu den Vorwürfen – ihr Mandant werde sich weiterhin „schweigend verteidigen“, werden seine Verteidiger in Medienberichten zitiert. Der 42-Jährige stammt aus gutbürgerlichen Familienverhältnissen und wuchs wohlsituiert in Solingen auf, wo er auch sein Abitur machte.

Sein erstes Opfer, eine 35-jährige Lehrerin, soll zunächst über Symptome wie Lähmungserscheinungen, Magen-Darm-Probleme und Haarausfall geklagt haben. Als die Frau aus Leverkusen schließlich starb, so heißt es, soll der Angeklagte sich als trauernder Witwer geriert haben.

Als der Beschuldigte später eine neue Partnerin kennenlernte und auch auf deren Großmutter traf, soll die 92-jährige Seniorin schnell ebenfalls über ähnliche Symptome geklagt haben, die schließlich zu ihrem Tod führen. Als seine Partnerin von ihm schwanger wird und die gleichen Beschwerden wie ihre verstorbene Großmutter entwickelt, schöpft die Mutter der Freundin schließlich Verdacht: Sie erstattet Strafanzeige bei der Polizei und bringt die Ermittler auf die Spur des Mannes. Unter anderem der Kölner Stadtanzeiger hatte ausführlich über den Fall berichtet.

Laut Recherchen von Focus online fanden die Ermittler im Zuge einer Hausdurchsuchung eine mit Kaliumchlorid aufgezogene Spritze in der Jackentasche des Angeklagten. Nachdem seine neue Partnerin einen ersten Anschlag offenbar überlebt hatte, sollte diese schwer nachweisbare Substanz diesmal schnell tödlich wirken, so der Verdacht der Polizei.

Über Samenspenderplattformen soll der gebürtige Solinger Kontakte zu Frauen geknüpft haben – vom Tod seiner Ex-Frau soll er finanziell profitiert haben. So trat er als Alleinerbe für das gemeinsame Haus in Leverkusen auf, kassierte für das Anwesen üppige Mieteinnahmen sowie die Lebensversicherung der Verstorbenen, so wird berichtet.

Zudem soll der Angeklagte digital erdrückende Spuren hinterlassen haben: Während er nach außen hin die Fassade des fürsorglichen Ehemanns aufrechterhielt, als seine vergiftete Frau mit ihrem ungeborenen Kind im Krankenhaus lag, soll er immer wieder Suchbegriffe wie „Thallium Schwangerschaft“ und „Kaliumchlorid“ gegoogelt haben.

Ein Motiv für die weiteren mutmaßlichen Taten ist unklar, für den Angeklagten gilt weiterhin die Unschuldsvermutung. Das Gericht hat bislang sechs weitere Verhandlungstermine für den Fall angesetzt – ein Urteil wird für den 31. Januar erwartet.

Hintergrund

Thallium: Das chemische Element ist ein hochgiftiges Schwermetall – eine Dosis von 800 Milligramm, so die Schätzung von Experten, wirkt bei Erwachsenen tödlich. Eine Vergiftung verläuft in mehreren Phasen.

Rettung: Bei der Lebensgefährtin des Angeklagten wurde die Vergiftung erkannt. Ihr wurde ein Gegengift verabreicht.

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