Erstmals keine Bewerbungen eingegangen

Solinger Vereine suchen händeringend Freiwillige

Magdalene Möhring (l.) vom Sportbund arbeitet mit ihrer Wuppertaler Kollegin Katja Rikl eng zusammen. Foto: Christian Beier
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Magdalene Möhring (l.) vom Sportbund arbeitet mit ihrer Wuppertaler Kollegin Katja Rikl eng zusammen.

Zahl der Bewerbungen für Bufdi und FSJ ist geringer als sonst – auch bei Sportbund und Stadt.

Von Jutta Schreiber-Lenz

Solingen. Der Mangel an freiwilligen Helfern hat auch die Klingenstadt erreicht: Beim Solinger Sportbund beispielsweise sind in diesem Jahr erstmals keine Bewerbungen für einen Bundesfreiwilligendienst (Bufdi) oder für ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) eingegangen. Ob das eine Folge der Corona-Pandemie ist, die bei jungen Menschen zu großer Verunsicherung bei der Zukunftsplanung geführt hat, kann Magdalene Möhring nur vermuten. „Wir hatten in diesem Jahr nur zwei Interessenten, die aber mit 16 Jahren für uns zu jung sind“, bedauert die Fachkraft für „NRW bewegt seine Kinder“ beim Sportbund.

Der Bufdi wurde mit der Abschaffung des Wehrdienstes 2011 eingeführt und ersetzt damit quasi den Zivildienst. Auch wenn er ohne Höchstalter absolviert werden kann, richtet er sich wie das FSJ (bis einschließlich 26 Jahre) vor allem an junge Menschen. Beide Dienste sind ab 16 Jahren möglich, bevorzugt wird aber oft der Antritt bei Volljährigkeit.

So auch beim Sportbund. Ein Führerschein sei notwendig, um mit dem Dienstfahrzeug Kitas, Grundschulen oder Vereine zu besuchen. „Außerdem muss man 18 sein, um den Übungsleiterschein C zu machen, zu dem wir unsere Freiwilligen kostenlos schicken, sozusagen als Basis-Ausbildung im Sport“, betont Magdalene Möhring.

„Viele sind in ihrem Freiwilligenjahr ihrem künftigen Beruf begegnet.“

Magdalene Möhring, Sportbund

Das gleiche Bild zeigt sich beim Arbeitgeber Stadt: Auch die Verwaltung zählt weniger Bewerbungen für das Freiwilligenjahr. Von 75 Stellen im Bundesfreiwilligendienst seien bisher nur 30 Stellen besetzt, 45 dagegen vakant – in so verschiedenen Bereichen wie Kitas, weiterführende Schulen, Förderschulen, Altenzentren, bei der Notschlafstelle, der Jugendförderung, dem Haus der Jugend Gräfrath oder dem Stadtdienst Hilfen für Flüchtlinge. „Noch sind wir optimistisch, es könnte aber durchaus schwierig werden“, so Stadtsprecherin Sabine Rische.

Beim FSJ geht sie aktuell davon aus, dass alle Stellen knapp besetzt werden können, auch hier laufe das Bewerbungsverfahren noch. Das Jahr starte zwar am 11. August, doch zeige die Erfahrung, dass auch danach noch Bewerbungen eingehen und freie Stellen besetzt werden können. Die Anzahl der Bewerbungen sei dünner als in den vergangenen Jahren. Aktuell seien 15 von 50 Stellen frei – im vergangenen Jahr seien es zu dieser Zeit nur noch eine Handvoll gewesen.

Beim Sportbund hat auch die aktive Suche auf Fachportalen bis dato kein Ergebnis gebracht. „Sonst war das im April für den kommenden August längst geklärt, es gab immer drei bis vier Bewerber, mitunter sogar mehr“, betont Magdalene Möhring.

Als Bufdi oder FSJler habe jeder die Gelegenheit, sich in verschiedenen Bereichen auszuprobieren und der Antwort auf die Frage nach dem weiteren beruflichen Lebensweg ein gutes Stück näher zu kommen: „Bei uns im Sportbund arbeiten die jungen Leute schnell eigenständig, zum Beispiel bei Sport im Park oder in Kindertagesstätten oder Schulen“, sagt Magdalene Möhring. Teamarbeit, EDV-Kompetenz und souveränes, freundliches Auftreten würden vermittelt: „Viele sind in ihrem Freiwilligenjahr ihrem künftigen Beruf begegnet, den sie zuvor noch gar nicht kannten.“ Auch von Sportvereinen wie dem HSV Gräfrath oder dem BC Burg weiß Möhring, dass sie händeringend einen Bufdi oder FSJler suchen. | Standpunkt

Hintergrund

Sport: Die genaue Beschreibung für den Freiwilligendienst ist online verfügbar: t1p.de/4gm1

Die Mitarbeiter beim Sportbund helfen auch weiter, wenn es um eine Stelle im Verein geht: www.solingersport.de

Stadt: Wer sich für einen Bundesfreiwilligendienst oder ein Freiwilliges Soziales Jahr bei der Stadt interessiert, findet hier Informationen: t1p.de/ydoe

Standpunkt: Er braucht viel Werbung

Von Björn Boch

bjoern.boch@solinger-tageblatt.de

Schon bei der Abschaffung der Wehrpflicht hatten viele gewarnt, vor allem Sozialverbände: Da mit dem Wehrdienst auch der Zivildienst Geschichte war, befürchteten sie vor allem Kostensteigerungen. Denn Zivis übernahmen traditionell nicht nur Aufgaben, für die sonst keine Zeit blieb, sondern waren in vielen Fällen schlicht günstige Arbeitskräfte. Zurück bekamen sie – das weiß ich aus eigenem Erleben – Erfahrung und Orientierung. Auch deshalb haben viele Institutionen und Vereine das Aus für den Zivildienst lautstark bedauert. Denn damit fehlte plötzlich ein Mittel der eigenen Nachwuchs-Gewinnung. Junge Männer, in vielen dieser Berufe ohnehin unterrepräsentiert, lernen sie erst gar nicht mehr kennen. Der Bufdi in Kombination mit dem FSJ konnte diese Lücke nie ganz schließen – und spätestens jetzt ist nach Corona auch in Solingen die Not groß. Das gilt selbst in Bereichen, die vorher keine Schwierigkeiten hatten. Da eine Pflicht derzeit nicht auf der politischen Agenda steht, braucht es intensive Werbung für Bufdi und FSJ. Ich möchte meine Zeit im Seniorenheim jedenfalls nicht missen. Und bin froh, dass der Zivi damals Pflicht war – so konnte ich mich schon nicht dagegen entscheiden.

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