Hilfsbereitschaft

Solinger Spenden haben hohe Bedeutung für Moria

Das Camp Moria als Provisorium: Flüchtlinge müssen in Zelten auf dem Steinboden schlafen. Foto: Zenses
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Das Camp Moria als Provisorium: Flüchtlinge müssen in Zelten auf dem Steinboden schlafen.

Vereine leiten Geld aus der Klingenstadt nach Griechenland weiter – Mediziner helfen außerdem vor Ort.

Von Björn Boch

Solingen. Die Hilfsbereitschaft der Solinger ist groß. Das zeigt sich alljährlich bei der ST-Aktion „Kette der helfenden Hände“ und ganz aktuell auch bei den 2000 Spenden für den einzig hinterbliebenen Jungen des Familiendramas in der Hasseldelle. Dasselbe gilt nach dem Brand des Flüchtlingslagers Moria. Besonders die Spenden der Menschen aus der Klingenstadt – samt der Spenden, die über Solinger Vereine gesammelt werden – haben für die griechische Insel Lesbos eine hohe Bedeutung.

Der Verein „Solingen hilft“ um seinen Vorsitzenden Dr. Christoph Zenses ist inzwischen größter Spender in Moria – wir berichteten. Eine sechsstellige Summe kam allein im zweiten Halbjahr 2020 zusammen. „Wir spüren eine weiterhin hohe Spendenbereitschaft der Solinger. Aber auch aus ganz Deutschland erreichen uns inzwischen Spenden“, berichtet Zenses. „Menschen, die wir überhaupt nicht kennen, spenden aus dem gesamten Bundesgebiet“, sagt auch Ulrike Kilp, Geschäftsführerin des Diakonischen Werkes, das den Verein „Flüchtlingshilfe auf Lesbos“ unterstützt (| Artikel rechts).

Und diese Hilfe ist weiter dringend notwendig. Nach dem Brand des Lagers leben viele Menschen in Zelten auf Kies und Schotter, sie schlafen auf dem Boden, berichtet Zenses, der Anfang Oktober erneut vor Ort war – bei teils schlechtem Wetter. „Dann steht das Wasser überall, in und vor den Zelten. Das ist schlimm anzusehen.“

Es gebe keine Möglichkeit zu duschen, lediglich Dixiklos und einen großen Wasserwagen. Einige NGOs (Nichtregierungsorganisationen) brächten mühselig Euro-Paletten rein, damit die Menschen nicht länger auf dem Boden schlafen müssen.

Zenses, Freunde und Helfer bringen Bargeld nach Moria, um mit einem Teil der Spenden vor Ort einkaufen zu können. Denn neben dem Leid der Geflüchteten ist die Lage auch für die Einwohner der Insel und die Wirtschaft vor Ort schwierig. Für den Widerstand der Bürger gegen ein neues, festes Lager auf Lesbos hat Zenses jedenfalls Verständnis.

Ebenfalls kompliziert ist Hilfe im Lager selbst. Zenses: „Ich habe eine Lizenz, kann immer direkt rein und dort auch arbeiten. Aber immer wieder gibt es Fälle, in denen NGO-Mitarbeiter abgeschreckt werden sollen. Das geht bis zum Arrest.“ Die Strategie der Behörden: das Lager so unattraktiv wie möglich zu halten.

Immerhin: Das Coronavirus scheint sich nicht auszubreiten. Alle im Lager seien getestet worden, mehr als 200 Menschen wurden sofort isoliert – zu diesem Bereich haben Helfer und NGOs keinen Zutritt.

Eine Orthese für Abdulkarim, eine neue Prothese für Zeinab

Konkret vor Ort konnte auch Dr. Werner Klur helfen. Abdulkarim, der querschnittsgelähmt ist, erhielt aus Solingen eine Orthese – ein Gerät, mit dem er gerade in seinem Rollstuhl sitzen kann. Klur: „Helfer haben den jungen Mann nach dem Brand tagelang gesucht. Ohne Hilfe wäre er elendig verreckt, anders kann man das nicht ausdrücken.“ Abdulkarim ist – wie einige andere, besonders gehandicapte und traumatisierte Flüchtlinge – vom Hilfswerk UNHCR in einer Pension untergebracht worden. Er hat eine Perspektive, nach Deutschland ausreisen zu dürfen.

Gemeinsam mit Dr. Gerhard Trabert, einem bundesweit für sein Engagement bekannten Mediziner aus Mainz, konnte auch Zeinab geholfen werden. Der 19-Jährigen fehlt seit Geburt ein Unterschenkel, ihre Prothese wurde in dem Lager zerstört. Für sie soll in Deutschland eine neue Prothese gebaut werden, allerdings fehlten dafür aktuelle Messdaten. Das Messen hat Klur übernommen. „Allein für diese beiden Patienten hat sich die Reise gelohnt“, berichtet der Solinger Mediziner.

Im Juli war Zenses zu einem Hilfseinsatz im Camp Moria. Im Gepäck hatte er rund 30 000 Euro Spenden, von denen Medikamente, aber auch drei Sauerstoffgeräte finanziert wurden.

Ehrung für Hilfe auf Lesbos

Konstantin Eleftheriadis arbeitet seit 25 Jahren beim Diakonischen Werk

Konstantin Eleftheriadis wurde von Ulrike Kilp, Geschäftsführerin des Diakonischen Werkes, für das Engagement auf Lesbos geehrt.

Konstantin Eleftheriadis und seine Frau Ionna Zacharaki engagieren sich seit vielen Jahren für geflüchtete Menschen auf Lesbos. Dafür wurde ihnen jüngst der Solinger Agendapreis verliehen. Eleftheriadis, der seit 25 Jahren im Bereich Zuwanderung im Diakonischen Werk beschäftigt ist, wurde nun auch von seinem Arbeitgeber für seinen Einsatz geehrt. „Wir sind stolz darauf, dass er und seine Frau für ihr Engagement mit dem Agendapreis ausgezeichnet wurden“, sagt Ulrike Kilp, Geschäftsführerin des Diakonischen Werkes.

Nach dem Brand im Flüchtlingscamp Moria in der Nacht zum 9. September bittet die „Flüchtlingshilfe auf Lesbos“ weiter um finanzielle Unterstützung für die vor Ort seit Jahren tätige Hilfsorganisation Synyparxi. Sie organisiert auf der Insel die Akuthilfe und ist seit langem vertrauensvolle Partnerin des Diakonischen Werkes und der Flüchtlingshilfe.

In den Wochen nach dem Brand konnten bereits Spenden in Höhe von 11 000 Euro nach Lesbos überwiesen werden. Spenden werden weiter dringend benötigt, zumal der Winter vor der Tür steht. bjb

Ein Interview mit Konstantin Eleftheriadis und die Daten des Spendenkontos sind auf der Seite der Diakonie zu finden: diakonie-solingen.de/aktuelles

Weitere Infos zur Initiative „Flüchtlingshilfe auf Lesbos“: t1p.de/m7rl

Verein und Bericht

Verein: Ausführliche Informationen zum Verein „Solingen hilft“ und die Daten des Spendenkontos finden Sie unter: www.solingen-hilft.de

Erfahrungsbericht: Einen ausführlichen Reisebericht von Dr. Werner Klur finden Sie online:

t1p.de/18zd

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