Die Woche von Stefan M. Kob

Solinger Sonderweg ein Armutszeugnis für das Land

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Es tritt also doch ein, was wir alle gemeinsam vermeiden wollten, aber nun notwendig erscheint.

Das öffentliche Leben wird erneut drastisch heruntergefahren, damit die zweite Welle nicht zu einem Tsunami ausartet, der die Kliniken mit Schwerstkranken überflutet. Eine Überraschung? Nicht wirklich. Der Freiluft-Sommer nach dem ersten Lockdown hat uns in falscher Sicherheit gewiegt. Doch jeder ahnte, dass der Beginn des Herbstes und das Schwinden der Einsicht die Infektion neu anfachen würde.

Obwohl wir inzwischen so viel mehr über das Virus und seine Übertragungswege wissen, trifft uns die Welle scheinbar genauso unvorbereitet wie im Frühjahr. Das gilt insbesondere für die Schulen. Richtigerweise haben Bund und Land beschlossen, die Schulen beim zweiten Einfrieren nicht zu schließen. Aber wie das gewährleistet werden soll bei explodierenden Inzidenzzahlen, das sagt uns das Land nicht. Außer auf Maske, Mütze und Schal ist man in Düsseldorf in den letzten acht Monaten auf nicht viel mehr gekommen.

Konkrete Konzepte fürs digitale Lernen und Kombinationen aus Präsenz- und Digital-Unterricht? Organisatorische Maßnahmen wie versetzter Unterrichtsbeginn, um die 8-Uhr-Ströme zu entzerren? Aufteilen der Klassen auf Vormittags- und Nachmittagsunterricht? Einbau von Luftfilteranlage? Alles Fehlanzeige.

Es ist geradezu ein Skandal, dass in unserem Land jede einzelne Stadt gefordert ist, sich solche Maßnahmen selbst auszudenken. Dabei vermutete man in der Düsseldorfer Ministerialbürokratie doch eigentlich genügend kluge Köpfe, die qualifizierte Konzepte hätten entwickeln können. Nach dem Schock des ersten Lockdowns und der relativ entspannten Sommerzeit wäre Zeit genug gewesen.

Solingen hat jetzt lobenswerterweise vorgelegt und wird mit den Solinger Schulen genau diese intelligenten Wege gehen, um den wichtigen Präsenzunterricht so lange, so viel und so sicher wie möglich zu gewährleisten. Der Solinger Sonderweg war gestern überregionalen Medien sogar eine Eilmeldung wert – deutliches Zeichen dafür, was für eine Ausnahme so ein Vorgehen im Land darstellt. Die Eltern, die sich innerlich schon darauf eingestellt hatten, den Nachwuchs wieder zu Hause zu beschulen, werden es zu schätzen wissen.

Dazugelernt hat man bei der Stadt selbst aber auch. Mit dem endlich erfolgten Hilfeersuchen an die Bundeswehr verstärkt man die Kapazitäten beim Nachtelefonieren der Infektionsketten und kann dadurch wertvolle Zeit gewinnen. Denn je länger ein potenziell Infizierter, der nichts von der lauernden Gefahr ahnt, frei herumläuft, desto mehr Menschen kann er im schlimmsten Fall selbst anstecken. Und wer außerdem künftig besser darüber informiert wird, wo auf den Straßen überall Maskenpflicht herrscht, wird sich eher daran halten.

Wenn schlussendlich alle Aufklärung und Appelle nichts helfen, bleibt nur die Sanktion: Offenbar zeigen nur Geldbußen bei den Uneinsichtigen Wirkung. Hier wären übrigens Knöllchen wichtiger als fürs falsche Parken – um nicht zu sagen, überlebenswichtig.

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