Lothar-Haselbach-Gedächtnisturnier

Solinger Skatclubs plagen Nachwuchssorgen

17 Herren und eine Dame traten beim Preisskat im Gartenheim des Kleingartenvereins Kannenhof gegeneinander an. Foto: Tim Oelbermann
+
17 Herren und eine Dame traten beim Preisskat im Gartenheim des Kleingartenvereins Kannenhof gegeneinander an.

Am Wochenende fand das 20. Lothar-Haselbach-Gedächtnisturnier statt.

Von Karl-Rainer Broch

Mitte Die Corona-Pandemie macht auch nicht vor den Skatspielern Halt. Beim 20. Lothar-Haselbach-Gedächtnisturnier am Sonntag im Gartenheim des Kleingartenvereins Kannenhof traten 17 Herren und eine Dame an. Beim letzten Turnier vor zwei Jahren – 2021 fiel wegen Corona aus – waren es noch 27. Organisator Manfred Birkenbeul berichtete: „Den Rückgang gibt es nicht nur in Solingen, am Samstag kamen zu einem ähnlichen Turnier in Schwelm auch nur 20 Skatfreunde statt wie gewohnt 30 bis 40.“

„Vor allem der Computer mit seinen vielfältigen Spielangeboten lockt viel mehr.“

Manfred Birkenbeul über den fehlenden Skat-Nachwuchs

Preisskat lebt von den Preisen. Am Sonntag kamen bei einem Startgeld von zehn Euro 180 Euro zusammen, die durch den Obolus von einem Euro für jedes verlorene Spiel aufgestockt wurden. Die Hauptpreise werden an die Teilnehmer der letzten und vierten Runde sowie den vier besten Spielern der K.-o.-Trostrunde der ausgeschiedenen Akteure vergeben.

„Da kommt natürlich bei der geringen Teilnehmerzahl nicht viel zusammen“, meinte Manfred Birkenbeul, der die Spielergebnisse der zweiten Runde sammelte und bei einer Gruppe feststellte: „Nur ein verlorenes Spiel? Das gibt es doch nicht“, und kassierte den fälligen Euro Gebühr.

Die einzige Frau Heidi Dort wohnt zwar in Haan, kommt aber als Mitglied der „Bösen Buben“ regelmäßig nach Solingen, um beim Skattreffen im Solinger Schachzentrum an der Birker Straße zu beweisen, dass sie gegen die männliche Konkurrenz nicht chancenlos ist: „Ich spiele seit meiner Jugend, nachdem mein Vater es mir beigebracht hat.“

Das einzige neue Gesicht in der 18er-Runde ist der 77-jährige Frank Schmidtke: „Mein Bruder Dieter, der hier auch mitspielt, hat mich mitgeschleppt.“ Frank Schmidtke hatte mit zehn Jahren das Skatspielen angefangen: „Mit anderen Kindern auf einem Spielplatz in Gräfrath.“ Dann hatte er in der Firma Interessenten gefunden, aber seit der Rente pausiert. „Jetzt habe ich nach 15 Jahren Pause wieder angefangen.“ Er konnte sich zwar nicht nach der zweiten Spielrunde für die besten Acht qualifizieren, suchte aber in den Gruppenspielen eine weitere Chance, um dort einen der besten vier Plätze zu bekommen.

Skat ist in den letzten Jahren ein Sport für „alte Männer“ – gelegentlich auch Frauen – geworden. Diese Tendenz führt Manfred Birkenbeul auf die anders strukturierten Interessen der jungen Leute zurück: „Vor allem der Computer mit seinen vielfältigen Spielangeboten lockt viel mehr.“ Zum Rückgang habe auch das Rauchverbot in den Gaststätten beigetragen.

Die Mitgliederzahlen der beiden noch bestehenden Solinger Skatclubs sprechen eine deutliche Sprache. Die „Bösen Buben“ haben noch zehn Mitglieder, bei den „Mauerjungs“ werden noch sieben aktive Spieler gezählt. Wenn keine Auffrischung von jüngeren Interessenten kommt, ist damit zu rechnen, dass die Tradition des in Vereinen organisierten Skatspiels in naher Zukunft zum Erliegen kommt. Daher fordert Manfred Birkenbeul nicht organisierte Skatspieler auf, doch mal zu den Treffen der beiden Vereine zu kommen. Die „Mauerjungs“ findet man montags ab 18 Uhr in der Gaststätte „Zur Hasseldelle“ und die „Bösen Buben“ freitags ab 18.30 Uhr im Schachzentrum an der Birker Straße.

Die beiden ältesten Teilnehmer des Turniers machten munter beim obligatorischen Reizen – „18, 20, 22, 24, passe“, oder auch noch höher – mit. Josef Wolfers ist 87 Jahre alt, gehört keinem Verein an, gefolgt von Horst Straßburg mit 86 Jahren, Mitglied der „Mauerjungs“. Beide fanden sich bei der Trostrunde in einer Gruppe wieder: „Dann sind wir ja in der Seniorenrunde gelandet.“

Turnier-Geschichte

Gründung: 1972 gründete Lothar Haselbach die „Skatfreunde 72“, er machte sich für die Einheitsskatregeln stark. Der Verein ist wie viele andere Spielgemeinschaften inzwischen Geschichte.

Turnier: Nach dem Tod von Lothar Haselbach 1999 gab Manfred Birkenbeul dem von ihm seit 1994 organisierten jährlichen Preisskat ab 2001 den Namen Lothar-Haselbach-Gedächtnisturnier wegen der Verdienste des Solingers für das Skatspiel.

Regeln: Die offizielle deutsche Skatordnung hat folgende Regeln: Kontra und Re gibt es nicht, ein Grand wird mit 24 Punkten bewertet, Kiebitzen und Reden beim Spiel sind verboten.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Streit um Öffnung von „Martinas Lädchen“
Streit um Öffnung von „Martinas Lädchen“
Streit um Öffnung von „Martinas Lädchen“
Feuerwehr löscht Garage in Mitte
Feuerwehr löscht Garage in Mitte
Feuerwehr löscht Garage in Mitte
Pkw-Fahrer erfasst Radfahrer-Gruppe - Frau wohl außer Lebensgefahr
Pkw-Fahrer erfasst Radfahrer-Gruppe - Frau wohl außer Lebensgefahr
Pkw-Fahrer erfasst Radfahrer-Gruppe - Frau wohl außer Lebensgefahr
S1-Ausfall trifft auf genervte Pendler
S1-Ausfall trifft auf genervte Pendler
S1-Ausfall trifft auf genervte Pendler

Kommentare