Menschen im Fadenkreuz

Solinger seit Jahren auf einer Feindesliste von Neonazis

Wie und warum der Solinger Lutz Eickholz vor Jahren auf einer Feindesliste gelandet ist, weiß er bis heute nicht. Foto: Christian Beier
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Wie und warum der Solinger Lutz Eickholz vor Jahren auf einer Feindesliste gelandet ist, weiß er bis heute nicht.

Lutz Eickholz ist Teil der Ausstellung, die bis einschließlich Freitag am Fronhof zu sehen ist.

Von Verena Willing

Er hat mal ein T-Shirt bei einem Musikversandhandel bestellt. Vielleicht war es auch eine CD. Oder doch seine Tätigkeit im Jugendstadtrat der Stadt Solingen? – So genau weiß er das nicht. Fakt ist: Lutz Eickholz steht auf einer Feindesliste von Neonazis, die im Internet kursiert. Und das seit vielen Jahren.

Zum ersten Mal erfuhr der inzwischen 33-jährige Familienvater davon, als er noch ein Teenager war: „Ich weiß, dass wir damals zu Hause einen Anruf von den Linken bekommen haben und darauf hingewiesen wurden.“ Richtig gekümmert hat ihn das da noch nicht. Das änderte sich, als er vor ein paar Jahren erneut darauf hingewiesen wurde. Diesmal von einer Bekannten. Aktivisten wären in diversen Telegram-Chats von Reichsbürgern auf seinen Namen und seine – inzwischen nicht mehr aktuelle – Adresse gestoßen. „Da hatte ich dann schon ein mulmiges Gefühl“, sagt er heute. Das dritte Mal hörte er vom Eintrag auf einer Feindesliste durch einen Anruf des Solinger Tageblatts, das im Rahmen seiner Recherchen für dieses Projekt auf den Namen des Solingers stieß.

Von der Polizei wurde er hingegen nie darüber in Kenntnis gesetzt, dass er womöglich ins Visier von Neonazis geraten ist. „Ich fände es fair und richtig, wenn man darüber informiert würde“, sagt Lutz Eickholz. Damit man die Chance habe, wachsam zu sein. „Ich habe dann halt die Wahl, ob ich meine Tür doppelt abschließe, oder abends noch einmal aus dem Fenster schaue.“ Außerdem würde er sich mehr Aufklärung wünschen. Etwa, wo die Liste herkommt, wie sein Name darauf gelandet ist und wo diese Daten damals abhanden gekommen sind. „Es macht ja einen Unterschied, ob ein Versandhandel gehackt wurde und ich Nr. 17 von 300 bin, oder ob das durch den Jugendstadtrat kam“, findet Lutz Eickholz. Denn das wäre seiner Ansicht nach dann schon sehr gezielt gewesen. Auch wenn er nur einer unter vielen sein sollte: „Letztlich weiß ich ja nicht, ob vielleicht mal jemand hier in Solingen durchdreht und auf dieser Liste gezielt nach Personen aus seiner Stadt sucht“, meint Lutz Eickholz.

Bundestag beschließt Gesetz zu Feindeslisten

Die Polizei verweist in diesem Zusammenhang zurzeit auf diverse Opferberatungsstellen. Eine davon ist die Opferberatung Rheinland. Das Angebot der Beratungsstelle besteht seit 2012 und richtet sich vor allem an Menschen, die Opfer von rechter oder rassistischer Gewalt geworden sind.

In Zukunft werden sich jedoch auch die Ermittlungsbehörden intensiver mit dem Thema „Feindeslisten“ befassen. Erst in der vergangenen Woche hat der Bundestag ein Gesetz beschlossen. Danach ist das Erstellen und Verbreiten von Feindeslisten künftig strafbar.

In den vergangenen Jahren hat Lutz Eickholz gerade in den Sozialen Netzwerken beobachtet, dass die Hemmungen immer mehr gefallen sind. „Ich spüre einen Rechtsruck in meinem Umfeld“, sagt er. Immer wieder setze er sich mit den Menschen auseinander, diskutiere. Auch öffentlich im Internet. „Ich bin halt jemand, der Haltung hat. Und ich habe auch nicht vor, meine Haltung zu ändern.“

www.opferberatung-rheinland.de

Hintergrund

Das Projekt: „Menschen – Im Fadenkreuz des rechten Terrors” ist eine Kooperation elf renommierter Regionalmedien – darunter auch das Solinger Tageblatt – in Zusammenarbeit mit dem Weissen Ring e.V., unter Leitung des gemeinnützigen Recherchezentrums Correctiv.

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Die Ausstellung: Bis Freitag, 2. Juli, war die Ausstellung „Menschen – Im Fadenkreuz des rechten Terrors“ am Fronhof zu sehen. Von dort aus geht es nach Dortmund, Köln, Kassel, Schorndorf, Winnenden, Waiblingen, Nürnberg, München, Rostock/ Greifswald und Berlin.

Die Autorin: Verena Willing arbeitet seit 2012 als Redakteurin beim Solinger Tageblatt. Mit den Recherchen für dieses Projekt war sie viele Monate befasst.

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